Pilotprojekt in Lantershofen

Wohnanlage mit seniorengerechtem Wohnen geplant

LANTERSHOFEN. Die alte Schule in Lantershofen soll abgerissen werden. Auf dem Gelände ist eine Wohnanlage mit barrierefreien und seniorengerechten Wohnungen geplant. Als weiterer Treffpunkt im Ort für alle Dorfbewohner soll zudem ein Gemeinschaftsbereich integriert werden.

Im Jahr 1911 wurde in Lantershofen gegenüber der Burg eine Schule errichtet, bis Mitte der 70er Jahre war dort Schulbetrieb. Später wurden die Räume von der Jugend genutzt, aber sowohl die Lehrerwohnung im Obergeschoss als auch der Klassenraum stehen seit vielen Jahren leer. Von dem das Ortsbild prägenden Gebäude ist aufgrund üppigen Baumwuchses rundherum aktuell nicht mehr viel zu sehen. Nun steht der Abriss an, auf dem Gelände entsteht eine Wohnanlage, die barrierearmes und seniorengerechtes Wohnen ermöglichen soll.

Ein „Altenheim“ herkömmlicher Art wird das aber beileibe nicht: Vor allem ein großer Gemeinschaftsbereich soll dafür Sorge tragen, dass die Bewohner mit dem Dorf und nicht nur mittendrin leben. Und umgekehrt.

Das in Ringen ansässige Bauunternehmen Barth GmbH hat Schule und Grundstück erworben. „Auflage war, dass wir hier etwas für Senioren bauen“, so die vage Anforderung an den Grafschafter. Was Lothar Barth den Gremien in der Folge vorschlug, fand einhellige Zustimmung. Auch wenn die endgültigen Genehmigungen noch nicht vorliegen, gewährte der Bauunternehmer mit Flyern und einer Präsentation bei den Feiern zu „1000 Lantesche Jahre“ einen Einblick in das, was in Lantershofen und später vielleicht auch in anderen Grafschafter Orten entstehen soll.

Der Bedarf an seniorengerechtem Wohnraum auf der Grafschaft steigt rasant. Bisher gibt es zu wenige solcher Angebote, obwohl für das geplante Baugebiet „Kreuzerfeld II“ seit Jahren über altersgerechten Wohnraum diskutiert wird. Aktuell gibt es hierfür eine extern vergebene Bedarfsermittlung unter den Grafschafter Senioren.

Zwölf Wohnungen sind geplant

„Hier entsteht ein Pilotprojekt für die Grafschaft“, so Barth, denn ganz oben auf der Wunschliste älterer Menschen stehe, möglichst selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben zu können. Dass Barth dieses Pilotprojekt ausgerechnet in Lantershofen startet, hat für den Unternehmer einen einfachen Grund: „Die Vereinsdichte sowie das besondere Engagement der Lantershofener für eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft bilden die bestmöglichen Voraussetzungen für ein bisher auf der Grafschaft einzigartiges Projekt und eine rasche Einbindung in das aktive Dorfleben.“

In Lantershofen gibt es bei 1400 Einwohner etwa 1500 Mitgliedschaften in den 15 Vereinen, im Jahresverlauf finden dort rund 70 Veranstaltungen statt. „Wenn das in Lantershofen nicht klappt, wo dann sonst auf der Grafschaft?“, fragt sich Barth, der im Gemeinderat Sitz und Stimme hat.

In der neuen Wohnanlage plant er zwölf Wohnungen mit Größen von 64 bis 120 Quadratmetern. Sie sollen tiefe Fensterbrüstungen, bodengleiche Duschen und breite Türen erhalten, die oberen Geschosse sind über einen Fahrstuhl erreichbar. Der gesamte Bereich ist barrierefrei oder barrierearm geplant, für Rollatoren oder Rollstühle gibt es keine Hindernisse. Je nachdem, wer später einziehen wird, gibt es auch die Überlegung, mehrere Wohnungen zu einer Art privater Wohn- und Pflegegemeinschaft zusammenzufassen. Auf knapp 200 Quadratmetern könnten so für vier Personen private Bereiche mit eigener Terrasse in einer Mehrzimmerwohnung entstehen, die zudem ein Appartement für eine Pflegekraft bietet.

Herzstück der Anlage sind die gemeinsam nutzbaren Bereiche. Sie bieten unter anderem einen Gemeinschaftsraum mit kleiner Küchenzeile. Dort können die Bewohner gemeinsame Aktivitäten durchführen oder externe Veranstaltungen stattfinden. Der Raum wäre für den Lantershofener Seniorentreff oder die Angebote des Projekts „Älter werden in der Grafschaft“, die bisher in der Mehrzweckhalle stattfinden, geeignet. Spieltage, Gymnastik, Vorlesestunden für die Kinder des benachbarten Kindergartens – die Palette der Möglichkeiten ist groß.

Angeschlossen sind zudem zwei Dienstleistungsräume, die temporär genutzt werden könnten, beispielsweise von einem Friseur oder Podologen, einem Kosmetiker oder Arzt. Eine Massagebank kann dort zum Einsatz kommen, ebenso könnten Beratungs- und Besprechungstermine dort stattfinden.

Baubeginn im Frühjahr 2020

Und das alles nicht nur für die Bewohner, sondern fürs ganze Dorf: Die Wohnanlage als weiterer Treffpunkt im Ort, so lautet der Plan. Wer von den Bewohnern seine Ruhe haben möchte, zieht sich einfach in seine Wohnung zurück. „Das sind experimentelle neue Wohnformen, die hier entstehen“, so Barth.

Erste Reaktionen im Ort nach der Veröffentlichung der Pläne geben dem Unternehmer Recht. Es gebe bereits eine Fülle von Anfragen, manche Anrufer schmiedeten bereits erste Pläne, berichtet Barth von einem positiven Echo. Verträge abschließen kann er aktuell noch nicht, das Projekt befindet sich noch in der Genehmigungsphase.

Neben Miet- sollen auch Eigentumswohnungen angeboten werden. Konkrete Aussagen dazu dürfte es zur Jahreswende geben. Der Zeitplan sieht zum Ende der Vegetationsperiode dieses Jahres die Rodung der Bäume und Sträucher und den Abriss der Schule vor.

Baubeginn soll dann im Frühjahr 2020 sein, Ende 2021 könnten die ersten Senioren einziehen.