Entwicklung in der Grafschaft

Neues Bauland in zehn Grafschafter Orten

Grafschaft. Bevölkerung in der Grafschaft soll behutsam wachsen. Ringen und Gelsdorf sollen am stärksten wachsen. Keine neuen Flächen in Bengen.

In gleich zehn Grafschafter Orten könnten neue Baugebiete entstehen. In Birresdorf, Eckendorf, Holzweiler, Karweiler, Lantershofen, Nierendorf, Oeverich und Vettelhoven sollen kleinere Flächen für die Eigenentwicklung der Orte ausgewiesen werden. Größere Baugebiete für die Bedarfsdeckung sind in Ringen und Gelsdorf, also den größeren Ortsgemeinden, die zudem über Gewerbegebiete, gute Nahverkehrsanbindung und eine Nahversorgung verfügen, angedacht. So sieht es ein Arbeitspapier der Grafschafter Verwaltung zur Wohnsiedlungsentwicklung bis zum Jahr 2035 vor. Am Donnerstag wird sich der Bau-, Planungs- und Dorfentwicklungsausschuss mit den Empfehlungen befassen.

Derzeit ist Bauland in der Gemeinde knapp. Junge Familien finden kaum geeignete oder bezahlbare Bauplätze, nachrückende Generationen können nicht im Ort der Eltern bauen. Verschärft hat sich die Situation, nachdem Haribo Areale des geplanten Baugebiets Kreuzerfeld II für die künftigen Bedürfnisse seiner Mitarbeiter aufgekauft hat.

Leerstände gibt es nur wenige

Der Bauausschuss hatte die Verwaltung beauftragt, neue Flächen zu finden. Die nahm sich Leerstand und Baulücken vor und forderte die Ortsbeiräte zu Vorschlägen auf. Das Ergebnis: Leerstände gibt es nur wenige, die gut 24 Hektar Baulücken, die etwa 480 Grundstücken entsprechen, sind größtenteils nicht verfügbar. In einer Bevölkerungsbefragung hatten sich Ende des vergangenen Jahres 80 Prozent der Grafschafter für die Ausweisung von neuem Bauland ausgesprochen.

Ringen und Gelsdorf

Die Verwaltung empfiehlt, Flächen in Gelsdorf und Ringen auszuweisen. Diese sollen nicht über das kürzlich verabschiedete beschleunigte Verfahren des Baugesetzbuchs, sondern über das förmliche Verfahren entwickelt werden. Die Bevölkerung in den beiden Ortsbezirken steht einer weiteren wohnbaulichen Entwicklung positiv gegenüber. Für Gelsdorf sieht die Vorlage eine Erweiterung des Baugebiets „Hinter der Hage“ im östlichen Ortsteil, unmittelbar an der L 83 vor. Dort könnten auf rund 37 Hektar Fläche 65 neue Häuser entstehen. In Ringen schlägt die Verwaltung das Gebiet „Im obersten Broicherfeld“ vor, das südlich an Kreuzerfeld II angrenzt und als Kreuzerfeld III betitelt wird. Die Fläche hatte der Ortsbeirat auch als Möglichkeit für den Eigenbedarf ausgewählt. In beiden Orten soll aber lediglich für den Gemeinde-Gesamtbedarf gebaut werden. Knapp 16 000 Quadratmeter bieten in Ringen Platz für 28 Baugrundstücke.

Birresdorf

In Birresdorf haben Ortsbeirat und Verwaltung Flächen am südlichen, nordwestlichen und am östlichen Rand des Ortes ausgemacht. Aus dem Rathaus wird die Empfehlung gegeben, im Gebiet „Aufm Stein“ am südlichen Ortsrand neue Bauflächen auszuweisen. Dort bieten 13 Hektar Land Platz für 23 Baugrundstücke.

Eckendorf

In Eckendorf hatten sich 56 Prozent der befragten Bevölkerung gegen eine Förderung von Zuzug ausgesprochen. Die Bevölkerung ging nach anfänglicher Zunahme wieder zurück, ist heute auf dem Stand des Jahres 1990. Dennoch schlugen Ortsbeirat und auch die Verwaltung neue Bauflächen vor. Im Entwurf für den Bauausschuss wird eine Fläche in der Verlängerung der Heerstraße am westlichen Ortsrand vorgeschlagen. Dort wäre Platz für rund 30 neue Baugrundstücke bei geringem Erschließungsaufwand.

Holzweiler

Im Ortsbezirk Holzweiler mit Alteheck und Esch ist die Bevölkerungsentwicklung parallel zu der in der Gesamtgemeinde verlaufen und seit 1990 um rund 25 Prozent gewachsen. Gerade in Esch gibt es eine große Zahl von Baulücken, 86 Prozent der im Ortsbezirk befragten Bürger befürworten einen weiteren Zuzug. Empfohlen wird jedoch nur eine Ausweisung in Holzweiler, nämlich „Am Swistbach“, wo 18 Baugrundstücke entstehen könnten.

Vettelhoven

In Vettelhoven, wo sich die Bevölkerung auch wegen fehlender Möglichkeiten nur sehr verhalten entwickeln konnte und das Wachstum der vergangenen knapp 30 Jahre unter zehn Prozent liegt, hatte der Ortsbeirat eine Menge Vorschläge gemacht. Dabei entsprach eine Fläche im Bereich „Ober der Altbach“ einer von der Verwaltung angedachten Potenzialfläche und wird nun für eine Bebauung empfohlen. Der Erschließungsaufwand der 31 Hektar ist gering, dort könnten 35 neue Wohnbauten entstehen.

Karweiler

10.000 Quadratmeter Fläche im „Kalbsgraben“ könnten in Karweiler zu 15 Baugrundstücken werden.

Lantershofen

Der Lantershofener Ortsbeirat hatte sich gegen eine vorläufige weitere Bebauung ausgesprochen. Ganz im Gegensatz zur Bevölkerung: 84 Prozent der Befragten befürworten eine weitere wohnbauliche Entwicklung. Beidem trug die Verwaltung Rechnung: Sie schlägt die Entwicklung einer kleinen Fläche von rund 14 000 Quadratmetern südlich der verlängerten Schmittstraße zur Wohnbebauung vor, 25 Wohnhäuser könnten entstehen. Da der Anteil der Baulücken im Ort hoch ist, wird ergänzend die Einführung eines Baulückenmanagements empfohlen.

Leimersdorf, Niederich, Oeverich

Leimersdorf gehört zu den am stärksten wachsenden Orten der Grafschaft, die Bevölkerung ist seit 1990 um 70 Prozent angestiegen, 85 Prozent der Einwohner im Ortsbezirk sprechen sich zudem für eine weitere wohnbauliche Entwicklung aus. In der Ortslage Leimersdorf besteht nach Ansicht der Verwaltung über die bereits beschlossenen Entwicklungen aber kein Bedarf an weiterem Wohnbauland. Gleiches gilt für Niederich, wo der Anteil der leerstehenden Wohngebäude und der Baulücken über dem Durchschnitt der Gemeinde liegt. Dort werden Maßnahmen zur Innenentwicklung empfohlen. Anders ist das in Oeverich. Dort hat die Verwaltung zwei Potenzialflächen ausgemacht. Im Bereich „In der Rempen links“ wäre Platz für 16 Baueinheiten bei höheren Erschließungskosten, als im Bereich „Auf dem Läger“, wo Platz für 20 Häuser ist.

Nierendorf

Auch in Nierendorf soll gebaut werden können. Dort will man so der seit dem Jahr 2003 zurückgehenden Bevölkerungszahl und des unterdurchschnittlichen Innenpotenzials entgegen wirken. Priorität unter drei möglichen Flächen hat der Bereich „Im Wondel“. Ihn schlägt die Verwaltung wegen der einfachen Erschließung, der Auslastung der Ortsdurchfahrt und der höheren Anzahl von realisierbaren Bauplätzen vor.

Bengen

Der Ort hat nach Aussage der Verwaltung zwar auch die Kriterien für eine weitere wohnbauliche Entwicklung erfüllt, geeignete Wohnbauflächen stehen in Bengen aber aufgrund der Topographie, der Hochwassergefährdung und der Lärmbeeinträchtigung durch die Autobahn nicht zur Verfügung. Die Verwaltung empfiehlt deshalb Maßnahmen zur Innenentwicklung.