Obstbauern

Kreis Ahrweiler setzt auf Folienhäuser für Anbau von Erdbeeren

ECKENDORF. Schnecken kommen nicht an die Früchte heran und es müssen keine Herbizide gespritzt werden: Der Anbau von Erdbeeren auf Stellagen in Folienhäusern hat etliche Vorteile. Dazu zählt auch, dass für die Ernte weniger Helfer benötigt werden.

Auf seinem Hof in Eckendorf gibt Franz-Josef Schäfer, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes im Kreis Ahrweiler, Besuchern gern Einblick in die Zukunft der Landwirtschaft auf der Grafschaft. Im Obstbau sieht er sie in geschützten Anlagen. Wenn auch Erdbeerproduktion Schwerpunkt seines Betriebs ist, wird man in seinen Anlagen künftig weniger Erntehelfer über die Reihen gebückt beim Pflücken beobachten können. In Folienhäusern reifen die Früchte in einer bequemen Pflückhöhe von 1,30 Metern heran und werden in Schälchen gelegt, die auf hohen Wägelchen stehen. Damit schaffen die Helfer gegenüber dem Pflücken im Freiland die dreifache Leistung, rechnet der Fachmann vor. Und das Dach schützt sie vor Regen und starkem Sonnenschein.

Schäfer kultiviert das Obst im zweiten Jahr nicht nur auf seinen Äckern, sondern auch in den Gewächshäusern. Schon beim Start 2017 hat er positive Erfahrungen gemacht und konnte tadellose Früchte zu einem guten Preis über Landgard absetzen. Jetzt blüht und summt es wieder unter den Dächern, denn zum Bestäuben der Blüten sind Hummeln eingesetzt. „Die fliegen schon bei niedrigen Temperaturen, sind gutmütig und friedliebender als Bienen“, sagt der Landwirt, wenn er auch weiß, dass das leuchtend gelbe Rapsfeld am Tunnelausgang seine Helfer weglocken könnte.

Vier Erdbeersorten wachsen in den Folientunneln, die Pflanzen werden in jedem Frühjahr neu gesetzt und liefern Früchte bis zum ersten Frost. Vor Frühjahrsfrösten sind sie bei geschlossenen Folientüren geschützt. Generell ist es auf dem Standort in 1,30 Meter Höhe wärmer als am Boden, erklärt Schäfer. Das sieht man den üppig blühenden Pflanzen an. Im Gegensatz zu ihren makellosen Blüten hat der Frost in der Nacht vom ersten zum zweiten Mai dieses Jahres auf Grafschafter Erdbeerfeldern wieder große Schäden an den Blüten verursacht.

Schäfer nennt einen weiteren Vorteil der neuen Produktionsmethode: weniger Pflanzenschutzmittel. Herbizide müssten nicht gespritzt werden, Schnecken kämen nicht an die Früchte. Gegen die Thripse (Gewittertierchen), die die Blütenböden anfressen, werden Cucumeris, das sind Raubmilben, und kleine Fliegen mit dem Namen Orius eingesetzt. Die fressen die Schädlinge. Und die Kirschessigfliege soll mit Lockstoffen auf den Boden umgelenkt werden. Der wird gerade für die Einsaat von Gras hergerichtet. „Wir arbeiten mit Nützlingen, denn in den Tunneln kann man mit Insektiziden nichts machen“, erklärt der Landwirt. „Und die Nützlinge laufen in geschlossenen Systemen nicht so schnell weg.“ Trotz aller Umsicht erzeugen Nützlinge, Luft und Hummeleifer noch lange keine wohlschmeckenden Früchte. Die Pflanzen wachsen in Kunststoffkästen, die wie Blumenkästen aussehen, und in einem Substrat aus Kokos und Perlite, das sind kleine weiße Kügelchen aus vulkanischem Gestein. Das Substrat wird Jahr für Jahr ausgetauscht. Wasser kommt computergesteuert über einen extra für den Zweck gebohrten Brunnen in die Anlagen. Außerdem führt Schäfer das gesamte Regenwasser von den Dächern seines Hofs hinzu, sammelt auch überschüssiges Wasser aus den Anlagen und bringt es in den Kreislauf zurück. Denn im Sommer reicht sein Brunnen nicht aus

In einem Betriebsgebäude neben den Anlagen sind Nährstoffe und Spurenelemente gelagert, die den Pflanzen bedarfsgerecht über das Wasser zugeführt werden.

Zum Schutz vor großer Hitze unter den Plastikdächern verstäuben feine Düsen Wasser, das die Pflanzen wegen der Gefahr von Fäulnis aber nicht erreichen darf. Eine separate Bewässerung sorgt für Nass auf dem Boden, damit das Gras dort wächst. Folglich bedarf es zur Produktion einwandfreier Früchte viel passgenauer Technik. Schäfer sieht aufgrund möglicher Schäden durch Hagel, Frost, Regen oder andere Witterungseinflüsse eine generelle Tendenz der Landwirtschaft weg von Freilandkulturen hin zu geschützten Anlagen. Bereits im vergangenen Jahr habe er aus seinen neuen Anlagen mehr Erdbeeren verkauft als aus den vom Frost stark beschädigten Freilandkulturen, berichtet er. Auf einen Schlag wird sich das Bild der Grafschaft durch die Folienhäuser wohl nicht verändern, denn die Investitionen sind hoch. Andererseits sind nach Schäfers Befund viele Böden „erdbeermüde“, auch wenn zwischendurch Weizen oder Rüben gezogen wurden. Die Pachtpreise für Ackerland seien hoch, sagt er, der Erlös aus Rüben sei auf die Hälfte gesunken, Raps werde aufgrund der Spritzmittel wohl künftig weniger angebaut. So brauchen die Landwirte neue Wege.

Infos: Wer sich über die neue Kulturform für Erdbeeren informieren möchte, ist nach Absprache willkommen. 0170/7722645.