Bauausschuss auf der Grafschaft

Keine Windräder im Bölinger Wald

Kompliziert gestaltet sich die Aufstellung von Windrädern auf der Grafschaft.

20.11.2012 GRAFSCHAFT. Die Standortsuche auf der Grafschaft konzentriert sich jetzt auf eine Fläche nordwestlich des Innovationsparks. Der Bauausschuss der Gemeinde Grafschaft ist mit dem von der rheinland-pfälzischen Landesregierung zur Diskussion gestellten Entwurf einer Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogrammes IV (LEP IV) nicht einverstanden. Denn anstatt die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien zu unterstützen, werde damit die Ansiedlung von Windkraft in der Gemeinde Grafschaft praktisch unmöglich gemacht.

Nach dem neuesten Entwurf bedarf die Nutzung der Windenergie innerhalb regionaler Grünzüge, die rund zwei Drittel der Grafschaft bedecken, nämlich eines Zielabweichungsverfahrens "und das stellt ein bürokratisches Hemmnis dar und ist für die effiziente Umsetzung der klima- und energiepolitischen Ziele des Landes kontraproduktiv", so Bürgermeister Achim Juchem.

Einstimmig beschloss der Ausschuss daher, den Gesetzgeber darum zu bitten, eine generelle Zulässigkeit der Windenergie auch innerhalb der regionalen Grünzüge im LEP IV zu verankern oder zumindest die Notwendigkeit eines Zielabweichungsverfahrens wieder herauszunehmen.

In der geplanten Fortschreibung gibt es einige wichtige Änderungen, die auch Auswirkungen auf die Windenergie-Pläne der Gemeinde Grafschaft haben. Hier ist man seit einiger Zeit auf der Suche nach Vorranggebieten, in denen die Windkrafträder gebündelt werden sollen.

Damit soll ein ungeordnetes "Zupflastern" der Gemeinde mit einzelstehenden Windrädern verhindert werden. Doch von den ohnehin nur zwei infrage kommenden Standorten werde der "Bölinger Wald" durch die Neufassung verhindert. Denn in landesweit bedeutsamen historischen Kulturlandschaften wie dem Ahrtal und auch in seiner direkten Nachbarschaft sei die Nutzung der Windenergie ausgeschlossen.

Zudem müssten alte Laubholzbestände, wie es der Bölinger Wald sei, von der Windenergienutzung freigehalten werden, erläuterte Fachbereichsleiter Klaus Becker. Deshalb werde die mögliche Konzentrationsfläche im Bölinger Wald vorläufig nicht weiter verfolgt.

Stattdessen will die Verwaltung prüfen, ob sich die letzte übriggebliebene Fläche nordwestlich des Innovationsparks für die Darstellung einer Konzentrationszone zur Nutzung der Windenergie eigne.

"Wir sind ursprünglich euphorisch an die ganze Sache heran gegangen und stellen jetzt fest, dass es gar nicht so leicht ist, in einer kleinen Gemeinde wie der Grafschaft Windräder aufzustellen", gab der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Schaaf zu.

Andererseits zeigten sich Udo Klein (SPD) und Mathias Heeb (Grüne) durchaus froh darüber, dass der Bölinger Wald jetzt aus dem Rennen sei. Windenergie sei richtig und sinnvoll, so Klein, aber nur an der geeigneten Stelle. Dazu gehöre der Bölinger Wald eindeutig nicht. (jov)