Grafschafter gegen Gülle

Initiative zeigt weiter Flagge

Demonstration gegen Gülle-Importe auf die Äcker der Grafschaft. Organisiert wurde der Prostet von Ulrich Hermanns (rechts).

Demonstration gegen Gülle-Importe auf die Äcker der Grafschaft. Organisiert wurde der Prostet von Ulrich Hermanns (rechts).

GRAFSCHAFT. Um das geplante Güllebecken in der Gelsdorfer Gemarkung ist es in den vergangenen Monaten ziemlich ruhig geworden. Dennoch lässt die „Bürgerinitiative gegen industrielles Güllelager und Massentierhaltung in Wohnortnähe“ nicht nach in ihrem Bemühen, Gülle so weit wie möglich aus der Gemeinde Grafschaft herauszuhalten.

Sie sieht sich nunmehr als „Bürgerinitiative gegen Gülleimporte, offene Güllelager und Massentierhaltung“ und wehrt sich insbesondere gegen eine Gülleverklappung auf Grafschafter Äckern, so der Vorsitzende, Ulrich Hermanns aus Esch. Am Samstag machten etwa 80 Mitglieder und Unterstützer ihrem Unmut bei einer Protestversammlung am Rande des Gelsdorf Gewerbegebietes Luft. Ihre Forderung: „Kein Import von Sondermüll aus Massentierställen in unserer Region – Gülle-Stopp für die Grafschaft!“

Der Gestank besonders der Schweinegülle errege immer wieder die Gemüter der Bürger, die sich der Düngepraxis der Landwirte hilflos ausgeliefert sähen, so Hermanns. Dabei handelten die Landwirte rechtlich einwandfrei, wenn sie sich an die Vorgaben der Düngerverordnung hielten. Die Praxis beweise jedoch, dass schwarze Schafe gebe. „Wir konnten bereits mehreren Landwirten den Verstoß gegen die gute fachliche Praxis nachweisen, was Bußgeldverwarnungen der ADD als Aufsichtsbehörde zur Folge hatte.“

Viele wissenschaftliche Dokumentationen belegten inzwischen sehr eindeutig die Gefahren durch Überdüngung der Böden für die Umwelt, so Hermanns weiter. „Die Agrarlobby preist diese Gülle, im Fachjargon auch Wirtschaftsdünger genannt, als wertvollen Dünger an. Wir nennen es Sondermüll, der auf Ackerböden verklappt wird und die Bürger mit dem Fäkaliengestank belästigt“, sagt Hermanns.

In Esch betreibe ein Landwirt eine Schweinemastanlage mit fast 1500 Schweinen. Je nach Wetterlage müssten die Bürger von Esch und Alteheck den beißenden Geruch aus der Anlage ertragen. „Eine Auflage zum Einbau von Filtern in der Abluftanlage wurde mit der Baugenehmigung nicht erteilt“, schimpft der Vorsitzende.

Hermanns macht aber auch klar: „Wir protestieren gegen Agrarindustrie und Landwirtschaftslobby – und nicht gegen die Höfe mit familiärer kleinbäuerlicher Struktur und ihrer Kreislaufwirtschaft.“ Die Bürgerinitiative wende sich dagegen, dass die Grafschaft zu einer Entsorgungsregion für Exkremente aus der Massentierhaltung werde. Letztlich helfe nur eine Neuausrichtung der Agrar- und Subventionspolitik hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Deshalb appelliere man auch an die Politik, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen mit einer Gesetzgebung, die den Schutz der Bevölkerung, der Natur, der Nutztiere und der kleinbäuerlichen Landwirtschaft fördere.