Hohe E-Coli-Werte im Swistbach

Initiative kämpft weiter gegen Gülle

Grafschafter Bürger informierten sich in Gelsdorf über die Gefahren eines überhöhten Gülleauftrages auf den Feldern. Ein Dialog zwischen Behörden und Landwirtschaft wird gefordert.

Grafschafter Bürger informierten sich in Gelsdorf über die Gefahren eines überhöhten Gülleauftrages auf den Feldern. Ein Dialog zwischen Behörden und Landwirtschaft wird gefordert.

GELSDORF. Einen spannenden und zugleich ernüchternden Einblick in die Probleme einer globalisierten Landwirtschaft und deren unerfreuliche Folgen für die Natur erhielten etwa 70 interessierte Bürger bei einer Informationsveranstaltung der "Bürgerinitiative gegen industrielles Güllelager und Massentierhaltung in Wohnortnähe" in der Gelsdorfer Mehrzweckhalle. Die BI hatte die AG Grünlandschutz aus Bad Münstereifel sowie die niederländische Initiative "MensDier & Peel" eingeladen, über ihre Erfahrungen zu berichten.

Doch zu Beginn der Veranstaltung bat BI-Vorsitzender Wolfgang Schächer Bürgermeister Achim Juchem, über die neueste Entwicklung in Sachen "Güllebecken" zu berichten. Juchem teilte mit, die Kreisverwaltung habe beschieden, den Bauantrag des Gelsdorfer Landwirts Theo Münch abzulehnen, in Gelsdorf ein 5,5 Millionen Liter fassendes Güllebecken zu bauen (der GA berichtete). "Das Güllebecken wird nicht gebaut - zumindest nicht an dieser Stelle", so der Bürgermeister. Nun müsse man allerdings noch abwarten, ob der Antragsteller die Ablehnung akzeptiere oder einen modifizierten Antrag stelle.

Schächer stellte die Bürgerinitiative vor, die 2013 gegründet wurde und 120 Mitglieder zählt. Nach wie vor solle das Güllebecken verhindert und überhaupt das Ausbringen von Gülle auf den Feldern eingedämmt werden. Dazu führt die Bürgerinitiative Buch über die Sichtung von Gülletransportern. Allein zwischen dem 16. März und 9. Mai des Jahres habe man 39 Tanklastwagen mit jeweils 30.000 Litern gezählt. Das ergebe eine Gesamtsumme von 1,1 Millionen Liter Gülle, die bislang allein in diesem Zeitraum schon auf die Grafschafter Felder ausgebracht worden seien.

"Und das sind nur diejenigen Transporte, die wir gesehen und vermerkt haben." Besorgniserregend seien die Ergebnisse von Wasserproben, beispielsweise aus dem Swistbach: Das Wasser sei unter anderem mit coliformen Keimen und e-coli-Bakterien belastet. Die Bürgerinitiative führt dies auf die auf den benachbarten Feldern ausgebrachte Gülle zurück, die in das Wasser gelangt sei. Auch andere Schadstoffparameter hätten angeschlagen, was die BI dazu veranlasst habe, künftig regelmäßig Wasserproben zu entnehmen, um die Entwicklung nachvollziehen zu können.

Der Dialog mit den Behörden und der Landwirtschaft sei entscheidend für künftige Fortschritte auf diesem Gebiet. Rein ökonomische Aspekte dürften jedenfalls nicht den Vorrang haben vor den Interessen der Bevölkerung, die aber noch zu wenig berücksichtigt würden.

Der Appell am Ende der Versammlung richtete sich insbesondere an die Politik, endlich mit der finanziellen Förderung der Massentierhaltung Schluss zu machen. Diese Praxis in den vergangenen Jahrzehnten habe letztlich nicht nur zu der Gülle-Problematik geführt und überaus negative Auswirkungen auf das Tierwohl gehabt, sondern sie sei auch für den Tod der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe verantwortlich.