Bedarfs-Sammlung der Grafschafter Senioren

Hausarzt, Mahlzeiten, Sicherheit

GRAFSCHAFT. Die demografische Entwicklung ruft längst Städte und Gemeinden auf den Plan. Wie wird das Leben gerade auf dem Land in Zukunft aussehen, wenn es immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen gibt? Wenn es keine Läden und keine Ärzte mehr auf den Dörfern gibt?

In der Grafschaft will man sich auf das, was kommen wird, so gut wie möglich vorbereiten. In einer "Zukunftsschmiede" wurde nun über das Thema "Älterwerden in der Grafschaft" diskutiert. Nicht nur das.

Es soll auch konkret überlegt werden, welche Weichen zu stellen sind. Und das miteinander. Denn das Mitgestalten stand in einem besonderen Fokus einer Bürgerversammlung, die im Bürgerhaus angeboten wurde.

Weder Grafschafts Bürgermeister Achim Juchem noch der mit der Ausrichtung der Versammlung betraute Caritasverband hatte mit dem Andrang gerechnet. Immer neue Stühle mussten im Saal aufgestellt werden - die Resonanz war überraschend groß. Gemeindechef Juchem: "Wir haben offenbar den Finger auf den richtigen Nerv gelegt."

Dabei galt die Grafschaft im Kreis Ahrweiler stets als besonders junge Gemeinde. Der Altersdurchschnitt lag in den vergangenen Jahrzehnten weit unter dem der Nachbarkommunen. In 2030 jedoch wird die Grafschaft nach Bad Neuenahr-Ahrweiler die zweitälteste Gemeinde weit und breit sein. Junge Leute ziehen weg, deren Eltern, die Grafschafter Häuslebauer, die in den 60er und 70er Jahren jung waren, bleiben und schrauben das Durchschnittsalter nach oben.

Das Projekt "Älterwerden in der Grafschaft mitgestalten" wird vor allem durch Workshops geprägt. So auch bei der Auftaktveranstaltung in Ringen. Zuvor hatte Katharina Steinich von der Caritas noch einige Parameter in Erinnerung gerufen: Menschen erreichen zunehmend hohe Alter, familiäre Strukturen sind im Wandel, die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, es gibt eine Zunahme an Altersarmut, es gibt eine Abnahme an Einzahlern in die Sozialkassen, es gibt Versorgungslücken im ÖPNV, Orte ohne Geschäfte, Ärzte oder Apotheken sind schon jetzt keine Seltenheit.

Wenngleich sich diese Eckdaten auch nicht auf kommunaler Ebene ändern lassen, so will man auf der Grafschaft doch vorbauen. In kleinen Arbeitsgruppen zeigten die vorwiegend älteren Grafschafter ihre Bedürfnisse auf: bessere Einkaufsmöglichkeiten, fußläufig erreichbare Ärzte, breitere Bürgersteige, preiswerter Wohnraum, Schutzinseln auf Durchgangsstraßen, mehr öffentliche Toiletten, Bänke in Buswartehäuschen, wohnortnahe Kulturveranstaltungen, eine organisierte Mittagverpflegung. Auch teilten sie in Befragungen mir, was ihnen in der Grafschaft gefällt: die gute Luft, die Ruhe, der wenige Verkehr, die örtliche Vertrautheit, das rege Vereinsleben, die schöne Landschaft.

Nach dieser Ist- und Bedarfssammlung soll es nun weitere Treffen geben, damit die Grafschafter weiter in ihrer Zukunftsschmiede arbeiten können.