Baugrundstücke auf der Grafschaft werden knapp

Haribo kauft in Ringen Bauland für seine Mitarbeiter

Gefragtes Neubaugebiet: Das Areal „Kreuzerfeld II“ in Ringen, von einer Drohne aus fotografiert.

Gefragtes Neubaugebiet: Das Areal „Kreuzerfeld II“ in Ringen, von einer Drohne aus fotografiert.

GRAFSCHAFT. Die Grundstücke für Häuslebauer auf der Grafschaft sind mittlerweile umkämpft. Dazu trägt auch Haribo bei. Die Firma hat sich, wie sie auf Anfrage bestätigte, große Teile des Baugebiets Kreuzerfeld II gesichert.

Wer auf der Grafschaft bauen möchte, hat zurzeit das Nachsehen. Es gibt kaum noch Bauland. Um weitere Grundstücke zu erschließen, nutzt die Gemeinde eine Novellierung des Baugesetzbuches: Die Ortsbeiräte der elf Ortsbezirke können Bauland für den örtlichen Eigenbedarf ausweisen. „Die Situation war auch vor Haribo nicht anders“, sagt Bürgermeister Achim Juchem (CDU) zwar. Deswegen seien vor zehn Jahren die drei Baugebiete in Lantershofen, Ringen und Esch vom Gemeinderat auf dem Weg gebracht worden. Doch: Das Baugebiet „Im Fuchsbach“ in Lantershofen sei mittlerweile praktisch ausverkauft, bei den beiden anderen bewege sich momentan nur wenig. In beiden Fällen hapere es nämlich noch an der Erschließung.

Das Neubaugebiet in Esch umfasst etwa 30 Grundstücke. Nahezu alle habe sich die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft DSK bereits gesichert. Die DSK bietet ihre Dienste bei der Entwicklung als Treuhänder, Erschließungsträger und Investor sowie bei Bodenordnungs- und Erschließungsmaßnahmen und Baulandumlegung an. Nach der Erschließung wolle man das Baugebiet zügig vermarkten, so Juchem. Es sollen einheimische und junge Familien zum Zuge kommen.

Preiswerte Grundstücke für Haribo-Mitarbeiter

Etwas komplizierter ist die Lage im Baugebiet „Im Kreuzerfeld II“ in Ringen mit etwa 60 Baugrundstücken – auch weil sich die Firma Haribo etwa zwei Drittel des Areals gesichert hat, um dort seinen künftigen Mitarbeitern preiswertes Bauland zur Verfügung stellen zu können. Die Firma bestätigte den Kauf der Grundstücke gestern auf Anfrage des General-Anzeigers.

Nun wartet alles darauf, dass sich die Grundstückseigentümer hinsichtlich der für die Erschließung notwendigen privaten Baulandumlegung einigen. Ist dies geschehen, könnten ein halbes Jahr später die ersten Häuslebauer beginnen, meint Juchem. Andernfalls müsse wohl mit der öffentlichen Umlegung durch die Katasterverwaltung des Landes fortgefahren werden. Dann rechnet der Bürgermeister mit einer Verfahrensdauer von mindestens zwei bis drei Jahren, bevor die ersten Bagger anrollen können.

Haribo soll sich den Großteil des Baugebietes vorab gesichert und 80 Euro pro Quadratmeter in unerschlossenem Zustand gezahlt haben, wie es heißt. Die DSK habe zuvor im Auftrag der Gemeinde erfolglos versucht, die Flächen im Rahmen des kommunalen Bodenmanagements zu erwerben, bestätigt Juchem. Die angebotenen Preise seien aber von den Grundstücksbesitzern nicht akzeptiert worden.

Jeder Ort kann ein Baugebiet ausweisen

In der gesamten Gemeinde seien ohnehin nur noch sehr wenige Baugrundstücke am Markt, und auch diese würden schon seit geraumer Zeit einerseits durch das knappe Angebot und andererseits durch die hohe Nachfrage recht teuer gehandelt. Dagegen will der Gemeinderat nun etwas tun. Er plant, jedem der elf Ortsbezirke die Möglichkeit zu eröffnen, ein kleines Baugebiet für den Eigenbedarf auszuweisen, falls die jeweiligen Ortsbeiräte dafür eine Notwendigkeit sehen.

Diese Möglichkeit eröffnet eine Novelle des Baugesetzbuches, die seit Mai in Kraft ist. Demnach können Außenbereichsflächen mit weniger als einem Hektar Grundfläche im beschleunigten Verfahren als Bauland ausgewiesen werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Bauland an eine zusammenhängende Bebauung angrenzt und die Verfahren zur Aufstellung der erforderlichen Bebauungspläne im beschleunigten Verfahren bis Ende 2019 förmlich eingeleitet werden (siehe Infokasten).

Achim Juchem hat Ende Juni die Ortsbeiräte gebeten, zu prüfen, ob aus ihrer Sicht eine Ausweisung von Wohnbauflächen für den Eigenbedarf erforderlich sei. Wenn ja, sollen sie Vorschläge für geeignete Flächen unterbreiten. Nach der Sommerpause soll der zuständige Dorfentwicklungsausschuss über das Thema eingehend beraten. Juchem erläutert, dass die Gemeinde Grafschaft laut Landesentwicklungsplan insgesamt bis zu 13 Hektar Bauland ausweisen dürfe, also etwa einen Hektar pro Ortsbezirk.

Da aber nur etwa 30 Prozent eines Grundstücks bebaut werden dürften und man die Erschließungsstraßen und andere Infrastrukturelemente einbeziehen müsse, dürfe jedes der neuen Baugebiete knapp vier Hektar Gesamtfläche umfassen, so der Gemeindebürgermeister. Das entspreche etwa fünfzehn bis zwanzig Baugrundstücken. Diese sollen dann tatsächlich nur für den Eigenbedarf des jeweiligen Dorfes genutzt werden.

Wer sich, von diesen Plänen abgesehen, für ein innerörtliches Baugrundstück interessiert, kann auf der Homepage der Gemeinde im Baulückenkataster suchen. Dort sind derzeit allerdings gerade einmal fünf freie Grundstücke aufgeführt. Mehr Infos und das Baulückenkataster auf www.gemeinde-grafschaft.de