Baugrundstücke sind Mangelware

Haribo kauft ganzes Areal in der Grafschaft auf

Gefragtes Neubaugebiet: Das Areal „Kreuzerfeld II“ in Ringen, von einer Drohne aus fotografiert.

Gefragtes Neubaugebiet: Das Areal „Kreuzerfeld II“ in Ringen, von einer Drohne aus fotografiert.

Grafschaft. Bauland am neuen Standort des Süßwarenkonzerns ist heiß umkämpft. Die Novellierung des Baugesetzbuches soll Bauwilligen neue Möglichkeiten eröffnen.

Baugrundstücke waren in der Gemeinde Grafschaft schon immer Mangelware, jetzt sind sie sogar umkämpft. Grund ist die starke Nachfrage, die nicht zuletzt durch die gestiegene Zahl an Arbeitsplätzen angekurbelt worden ist – Stichwort Haribo. Um Bauwilligen, die im Preiswettbewerb zuletzt den Kürzeren gezogen haben, Grundstücke zu erschließen, greift die Gemeinde zu einer Möglichkeit, die eine Novellierung des Baugesetzbuches eröffnet: Die Ortsbeiräte der elf Ortsbezirke können Bauland für den örtlichen Eigenbedarf ausweisen.

Allerdings waren Baugrundstücke, Häuser und Wohnungen auf der Grafschaft immer knapp. „Die Situation war auch vor Haribo nicht anders“, erinnert Bürgermeister Achim Juchem (CDU). Gerade wegen des Mangels an brauchbaren Angeboten seien vor zehn Jahren die drei Baugebiete in Lantershofen, Ringen und Esch vom Gemeinderat auf dem Weg gebracht worden. Das Baugebiet „Im Fuchsbach“ in Lantershofen sei mittlerweile praktisch ausverkauft, doch bei den beiden anderen bewege sich momentan nur wenig. In beiden Fällen hapere es nämlich noch an der Erschließung.

Komplizierte Lage im Baugebiet

Zahlreiche Grundstücke habe die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft DSK bereits erworben. Die DSK bietet ihre Dienste bei der Entwicklung als Treuhänder, Erschließungsträger und Investor sowie bei Bodenordnungs- und Erschließungsmaßnahmen und Baulandumlegung an. Kompliziert ist indes die Lage im Baugebiet „Im Kreuzerfeld II“ in Ringen mit etwa 60 Baugrundstücken – auch weil sich die Firma Haribo etwa zwei Drittel des Areals gesichert hat, um dort seinen künftigen Mitarbeitern preiswertes Bauland zur Verfügung stellen zu können. Und dem Vernehmen nach pro Quadratmeter doppelt so viel gezahlt hat, wie die DSK geboten hatte.

im restlichen Teil haben sich zudem die Grundstückseigentümer bislang noch nicht geeinigt hinsichtlich der für die Erschließung notwendigen privaten Baulandumlegung. Sobald sie sich einig sind, könnten ein halbes Jahr später die ersten Häuslebauer beginnen, meint Juchem.

Haribo soll den Großteil des Baugebietes vorab gesichert und 80 Euro pro Quadratmeter in unerschlossenem Zustand gezahlt haben, wie es heißt. Die DSK habe zuvor im Auftrag der Gemeinde erfolglos versucht, die Flächen im Rahmen des kommunalen Bodenmanagements zu erwerben, bestätigt Juchem. Die angebotenen Preise seien aber von den Grundstücksbesitzern nicht akzeptiert worden.

Dagegen will der Gemeinderat nun etwas tun. Er plant, jedem der elf Ortsbezirke die Möglichkeit zu eröffnen, ein kleines Baugebiet für den Eigenbedarf auszuweisen, falls die jeweiligen Ortsbeiräte dafür eine Notwendigkeit sehen.