Grafschaft will das Factory Outlet Center forcieren

Haribo ist Magnet für weitere Firmen

10.01.2016 Grafschaft. Das geplante Factory Outlet Center (FOC) im Innovationspark Rheinland wird von der Gemeinde Grafschaft nach wie vor vehement weiterverfolgt. Das stellte der erste Beigeordnete der Gemeinde, Michael Schneider (CDU), beim Neujahrsempfang des "Team Grafschaft" klar. "Wir sind entschlossen, das Projekt zu verwirklichen und werden noch in diesem Jahr wichtige Verfahrensschritte dafür einleiten", sagte Schneider.

So werde man in absehbarer Zeit das notwendige Zielabweichungsverfahren bei der Mainzer Landesregierung beantragen, "denn das FOC ist eine Riesenchance für unsere Gemeinde und für die ganze Region". Hintergrund: Dieses Zielabweichungsverfahren ist notwendig, weil das Vorhaben nicht dem Landesentwicklungsplan IV entspricht, der solche großen Einzelhandelsprojekte eigentlich nur in Gemeinden mit Mittelzentrumsfunktion erlaubt.

Ein anderes Großprojekt gehe bereits deutlich sichtbar der Fertigstellung entgegen: Der Neubau der Haribo-Firmenzentrale mit angeschlossener Produktion und Logistikzentrum nehme deutlich Formen an. Insgesamt würden dort 600 Millionen Euro investiert, so Schneider. Damit entstehe der größte und bedeutendste Gewerbebetrieb im ganzen Kreis Ahrweiler. "Ich hoffe, dass die Mitglieder des 'Team Grafschaft' davon profitieren können und eine regionale Wertschöpfungskette entsteht", so der Beigeordnete, der den in Urlaub befindlichen Bürgermeister Achim Juchem (CDU) vertrat. Vielleicht werde im kommenden Jahr dann sogar Haribo Mitglied im Grafschafter Gewerbeverein, schmunzelte er.

Nicht zuletzt dank Haribo verbessere sich auch die finanzielle Situation der Gemeinde Grafschaft in absehbarer Zeit, so dass der Gemeinderat in diesem Jahr sein Investitionskonzept neu diskutieren werde, kündigte Schneider an. "Es gibt viel zu tun, wir haben noch viel zu investieren in die Lebensqualität und die Daseinsvorsorge für unsere Bürger und für unsere Dörfer." All das zusammengenommen ergebe Riesenchancen für die heimischen Betriebe, war Schneider überzeugt.

Mit einem Neujahrsempfang an einem eher ungewöhnlichen Ort war das "Team Grafschaft" in das Jahr 2016 gestartet. Im zehnten Jahr seines Bestehens hatte der Zusammenschluss der Grafschafter Gewerbetreibenden in die Ausstellungshalle des Autohauses Glath in Ringen eingeladen. Dort begrüßte der kommissarische Vorsitzende, Egbert Wronka, die Gäste. Der bisherige Vorsitzende Oliver Piske hatte jüngst aus beruflichen Gründen seinen Lebensmittelpunkt nach Winterberg verlegt.

Kreis Ahrweiler feiert 200-jähriges Bestehen

Wronka freute sich über die Anwesenheit des Kreisbeigeordneten und Landtagsabgeordneten Horst Gies, der drei ehrenamtlichen Beigeordneten der Gemeinde Grafschaft, Michael Schneider, Martina Münch und Ingo Derz, von Pfarrer Alexander Burg und Ehrenmitglied Bruno Zimmermann. In Anlehnung an das 150. Jubiläum des Markenzeichens "Made in Germany", das ursprünglich eigentlich als Abschreckung dienen sollte, mittlerweile aber als Synonym für Qualität, Zuverlässigkeit und Präzision stehe, hoffte Wronka, dass "Made in Grafschaft" schon nach zehn Jahren als Gütesiegel anerkannt werde.

Horst Gies (CDU) wies darauf hin, dass der Kreis Ahrweiler 2016 ebenfalls ein Jubiläum feiere, nämlich sein 200-jähriges Bestehen. Alteingesessene Familienbetriebe und mittelständische Unternehmen wie die des "Team Grafschaft" hätten das Erscheinungsbild des Kreises maßgeblich mitgeprägt. "Familienunternehmen und Betriebe mit jahrzehntelanger Tradition stehen neben innovativen Start-ups, deren Gründung gerade erst wenige Jahre zurückliegt, sinnbildlich für die Vielfalt unseres Kreises."

Dass der Kreis Ahrweiler wirtschaftlich so gut dastehe, sei in erster Linie das Verdienst des Mittelstandes, unbestritten nach wie vor das Rückgrat der heimischen Wirtschaft. So sei es erfreulich zu sehen, dass die Mitgliedsbetriebe des "Team Grafschaft" Arbeitgeber für mehr als 1000 Menschen in der Gemeinde Grafschaft seien, hob Gies hervor. Um die Wirtschaftskraft im Kreis Ahrweiler auf diesem hervorragenden Niveau zu halten, müsse man auch in Zukunft im Rahmen der Möglichkeiten alles daran setzen, die kleinen und mittleren Unternehmen zu unterstützen.

Die Kommunalpolitik könne hierfür allerdings lediglich die Rahmenbedingungen vorgeben. Und da sei man auf einem guten Wege: "Wir haben seit Jahren an einem wirtschaftlichen Klima gearbeitet, und das zahlt sich nun aus", war er überzeugt. Prominentestes Beispiel dafür sei Haribo. Gies ist überzeugt: "Aufgrund der bundesweiten Signalwirkung werden weitere Unternehmensansiedlungen in der Grafschaft und im Kreis Ahrweiler folgen." (Volker Jost)