Tag der Architektur

Grauwacke und Eichenparkett im Lantershofener Winzerverein

Am Tag der Architektur: Informationen gibt es von Manfred Dünker (2. v. r.) und seiner Tochter, Architektin Sarah Dünker.

Am Tag der Architektur: Informationen gibt es von Manfred Dünker (2. v. r.) und seiner Tochter, Architektin Sarah Dünker.

LANTERSHOFEN. Beim Tag der Architektur hat sich das Gebäudeensemble des Lantershofener Winzervereins vorgestellt. Die Grafschafter Architektin Sarah Dünker hatte Sanierung und Erweiterung des Winzervereins 2017 geleitet. Am Tag der Architektur nahm sie sich viel Zeit für die Besucher und erläuterte das gelungene Projekt.

„Architektur bleibt“ lautete das Motto beim Tag der Architektur, bei dem am vergangenen Wochenende bundesweit nahezu 1000 Bauten interessierten Besuchern offen standen. In Rheinland-Pfalz waren es 63 Objekte, davon eines im Kreis Ahrweiler: der Winzerverein Lantershofen. Dabei handelte es sich nicht um ein Wohngebäude, sondern um ein Bürgerhaus im Eigentum der Kommune. Dass kein Wohnhaus präsentiert wurde, ist nicht ungewöhnlich. Im nördlichen Rheinland-Pfalz überwog die Präsentation von kommunalen oder gewerblichen Einrichtungen.

Das Besondere beim Winzerverein Lantershofen ist, dass hier ein Neubau in einen Altbestand integriert wurde. Die Grafschafter Architektin Sarah Dünker hatte die Aufgabe, den mehr als 100 Jahre alten Winzerverein, in dem bis in die 1970er Jahre Wein produziert wurde, um ein Foyer zu erweitern und gleichzeitig den in die Jahre gekommenen Bestand zu sanieren. Das Ensemble umfasst einen mehr als 200 Quadratmeter großen Saal, einen 70 Quadratmeter großen Gastraum mit Küche, Toiletten und Lagerräumen und ist mit einem Gewölbe unterkellert.

Bei den Arbeiten, die im Jahr 2017 in nur 35 Wochen ausgeführt wurden, wurde zunächst ein gut 50 Jahre alter Anbau am ehemaligen Lokal abgerissen. Hier entstand der Erweiterungsbau als Eingangsgebäude im Winkel zwischen dem Gaststättenraum und dem Saal, so dass man nun nach Betreten des Foyers entweder den Saal oder die erhöhte Gastraum-Ebene erreichen kann. Damit die Gastraum-Ebene von Rollstuhlfahrern genutzt werden kann, wurde eine Hebebühne eingebaut. Daneben entstand eine behindertengerechte Toilette. In großen Teilen des Gebäudes ist Barrierefreiheit gewährleistet. Weiterhin sind im neuen Flachdachbau, der sich bewusst dem historischen Gebäudekomplex unterordnet, eine Garderobe und Lagerflächen entstanden.

Charakter erhalten

Hinsichtlich der Gestaltung lag das Hauptaugenmerk darauf, den Charakter des Winzervereins zu erhalten, auch wenn hier schon längst kein Winzer mehr Wein produziert. Bei den Materialien kamen Naturprodukte wie Naturstein im Bereich der Fassade in Kombination mit den in Naturtönen gehaltenen Putzflächen zur Ausführung. Im Gebäudeinneren verleihen der Eichenparkettboden und die weinroten, akustisch wirksamen Wandverkleidungen dem Saal eine gemütliche Atmosphäre.

Auch die Außenanlagen wurden von Sarah Dünker geplant, hier ist Ahrtaler Grauwacke in Kombination mit Schiefer und Weinreben das bestimmende Element. Die eisernen Negative der am Ortseingang aufgestellten dorftypischen Figurengruppe bilden die vorgeschriebene „Kunst am Bau“. Sowohl bei der Planung als auch bei der Ausführung, wurden neben der Gemeindeverwaltung als Eigentümer auch immer wieder die ortsansässigen Bürger, vor allem aber die Vereine gehört. Deren Ideen flossen in die Umsetzung mit ein. Das war allen Beteiligten besonders wichtig, entstand hier doch ein Haus für die Dorfgemeinschaft, das am Ende einen Bruttorauminhalt von rund 445 Kubikmeter umfasst.

Ergänzung des Gebäudeensembles

Die gesetzten Ziele bei Anbau und Erweiterung waren die Ergänzung des Gebäudeensembles, damit es uneingeschränkt als Dorfgemeinschaftshaus genutzt werden kann, die Schaffung von Barrierefreiheit, die Schaffung einer Kulturstätte für das Gemeindegebiet und die Sanierung des Gebäudebestands. Es entstanden Kosten im Gebäude von zunächst 875 000 Euro. 190 000 Euro kosteten die Außenanlagen und weitere 100.000 Euro wurden für die Ausrüstung als Kulturstätte veranschlagt.

Zum Tag der Architektur lockte das Gebäude daher nicht nur angehende „Häuslebauer“, es kamen auch zahlreiche Kulturinteressierte und Besucher, die sich das Haus ansahen, weil sie in absehbarer Zeit Privatfeiern planen. Entsprechend zufrieden mit der Resonanz zeigte sich die Architektin, die sich an beiden Tagen viel Zeit für die Besucher des Winzervereins nahm.