Alternative Versorgung

Grafschaft will aus Haribo-Abwasser Energie gewinnen

Das Abwasser der Gummibärchenproduktion will die Grafschaft in Energie umwandeln.

Das Abwasser der Gummibärchenproduktion will die Grafschaft in Energie umwandeln.

Grafschaft. Eine Anlage zur Energiegewinnung könnte bis zu fünf Millionen Kilowattstunden Strom und Wärme pro Jahr erzeugen. Die drei zuständigen Ausschüsse tagten gemeinsam.

Der Grafschafter Gemeinderat stellt sich einer anspruchsvollen Aufgabe. Man möchte nämlich das Schmutzwasser aus der demnächst anlaufenden Haribo-Produktion als Energiequelle nutzen und damit eventuell ein Blockheizkraftwerk und ein Nahwärmenetz betreiben. Der Rheinbacher Ingenieur Martin Keding erläuterte bei einer gemeinsamen Sitzung der drei Werksausschüsse Details.

Allein aus dem Biogas aus dem Produktionsabwasser von Haribo könne man so pro Jahr bis zu fünf Millionen Kilowattstunden Strom und Wärme erzeugen, hat Keding ausgerechnet. Einen Teil könne man möglicherweise wieder an Haribo verkaufen, denn im neuen Werk würden täglich rund um die Uhr Gas und Wärme für die Produktion benötigt. Erste durchaus erfolgversprechende Gespräche liefen bereits, sagte Bürgermeister Achim Juchem.

Je mehr Schmutzwasser, desto wirtschaftlicher

Das überschüssige Gas könne man darüber hinaus entweder für eigene Zwecke verwenden oder in das öffentliche Gasnetz einspeisen und dafür die Vergütung einstreichen. Für Planung, Bau und Einschwungphase einer Umwandlungsanlage müsse laut Keding mit etwa zwei Jahren gerechnet werden. So werde auch die Investition in Höhe von etwa 3,5 Millionen Euro später fällig, was insbesondere den Sozialdemokraten im Ausschuss zupass kam. Wobei die Investition vom Abwasserwerk getätigt und anschließend über die Abwassergebühren, die Haribo für sein Schmutzwasser zahlen muss, wieder hereingeholt werden soll.

„Der Steuerzahler würde also nicht belastet, und es entsteht auch kein Risiko für die Gemeinde“, betonte Juchem. Die anvisierte Fertigstellung der „Abwasserverwertungsanlage“ Ende 2019 sei mithin der ideale Zeitpunkt, weil dann voraussichtlich auch die beiden ersten Produktionsstraßen von Haribo voll in Betrieb seien und somit ausreichende Mengen an Abwasser zur Verfügung stünden. Je mehr Schmutzwasser verarbeitet werde, desto wirtschaftlicher stelle sich die Situation dar, so Keding. Diese Strategie empfahlen die Ausschüsse auch einstimmig dem Gemeinderat.

Damit in Zusammenhang stand auch die geplante Ausschreibung für die künftige Betriebsführung der Eigenbetriebe Wasserwerk und Abwasser, denn die müsse künftig im Verbund mit Energiegewinnungsanlage anders als bisher gelöst werden.

Entscheidung fällt Ende Juni

Dafür soll noch in diesem Jahr eine gemischt-wirtschaftliche Gesellschaft gegründet werden, bei der die Gemeinde mit 51 Prozent das Sagen haben und der neue Betriebsführer als Partner mit 49 Prozent mit im Boot sein soll. Der neue Partner soll schnellstmöglich im Wege einer europaweiten Ausschreibung gefunden werden.

Um dies zu erreichen, beschlossen die drei dafür zuständigen Ausschüsse (Werksausschuss Eigenbetrieb Wasser, Werksausschuss Eigenbetrieb Abwasser und Gemeindewerke-Ausschuss) jeweils einstimmig, zunächst in einem Teilnahmewettbewerb diesen privaten Partner zu suchen, mit dem die Gemeinde jene neue Betriebsführungsgesellschaft gründet. An diese sollen im Anschluss die Planung, der Bau und der Betrieb der Vorkläranlage sowie die Betriebsführung von Wasser- und Abwasserwerk direkt vergeben werden.

Die endgültige Entscheidung über den ganzen Komplex trifft der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am Mittwoch, 22. Juni. Zuvor muss auch noch der Haupt-, Finanz-, Personal- und Vergabeausschuss am 8. Juni über das Projekt beraten.