Es soll kein „Land unter“ mehr geben

Grafschaft investiert in neue Hochwasserschutzmaßnahmen

In der Senke zwischen Birresdorf und Leimersdorf soll ein Regenrückhaltebecken gebaut werden.

In der Senke zwischen Birresdorf und Leimersdorf soll ein Regenrückhaltebecken gebaut werden.

GRAFSCHAFT. Die Bürger von Nierendorf und auch die Einwohner der unterhalb liegenden Ortschaften sollen künftig von Hochwasserkatastrophen wie der vom 4. Juni 2016 verschont bleiben.

Vor allem ein zusätzliches Hochwasserrückhaltebecken an der Stelle, wo derzeit die Behelfsbrücke über den Nierendorfer Bach die Ortschaften Birresdorf und Leimersdorf verbindet, soll Wassermassen auffangen. Die Kosten hierfür stehen noch nicht fest.

Die ursprüngliche Brücke an der Landesstraße 79 war von den Fluten beim Starkregenereignis 2016 fortgerissen worden. Doch anstatt eine neue Brücke an die alte Stelle zu setzen, hat man in der Gemeinde eine andere Idee: Ein neuer Damm soll errichtet werden, der ein Stauvolumen von etwa 8. 000 Kubikmetern besitzt und bei erneutem Starkregen die unterhalb liegenden Ortschaften zwischen Nierendorf und der Ahrmündung schützen soll. Der insgesamt elf Meter hohe Damm soll die neu zu bauende Straße auf der bachaufwärts gelegenen Seite um etwa sechs Meter überragen und auf seiner fünf Meter breiten Dammkrone einen drei Meter breiten Wirtschafts- und Radweg aufweisen.

Zugleich wird der Verlauf der in Teilabschnitten neu zu bauenden Landstraße begradigt. Diplom-Ingenieur Peter Terporten (Bad Neuenahr-Ahrweiler) taxiert alleine dieses Projekt auf etwa 2,4 Millionen Euro.

Hinzu kommt ein Kaskadenbauwerk auf der Höhe des Hauses Dreesen in Leimersdorf, das beim vergangenen Starkregen komplett zerstört worden war. Bei der Wiederherstellung eines Wirtschaftsweges, dessen Brücke ebenfalls fortgerissen wurde, soll ein zusätzlicher Damm errichtet werden mit einem weiteren Rückhaltevolumen von etwa 30.000 Kubikmetern. Kosten: etwa 550.000 Euro. Allerdings steht noch nicht fest, ob das Wohnhaus nicht doch wieder aufgebaut wird. Sollte darauf verzichtet werden, würde die Gemeinde versuchen, das Grundstück zu erwerben und die Hausruine abreißen, um Platz für das geplante Kaskadenbauwerk zu schaffen.

„Den Löwenanteil der Kosten des Landstraßenbaus übernimmt das Land“, erläuterte Bauamtsleiter Friedhelm Moog. Die Hochwasserschutzmaßnahmen würden mit mindestens 50 Prozent gefördert, wenn man ihnen lediglich eine lokale Wirkung zubillige. Man wolle die zuständige Behörde aber davon überzeugen, dass es sich dabei um eine überregional bedeutende Hochwasserschutzmaßnahmen handle, weil auch die darunterliegenden Ortschaften einschließlich der Kreisstadt mit ihren Ortsteilen Gimmigen und Heppingen profitieren würden. In dem Fall betrüge der Landeszuschuss 80 Prozent.

Ein zweites Projekt in diesem Zusammenhang ist die geplante Verlegung des Nierendorfer Baches in den natürlichen Verlauf seiner ehemaligen Bachaue sowie deren Renaturierung. Dabei will man den Bachlauf von der Straße entfernen, so dass dadurch eine noch größere Retentionsfläche entstehe.

Die dritte Maßnahme ist der Umbau der Brückenstraße in Nierendorf. Hier war während des Hochwassers an der Brücke eine große Menge Holz angeschwemmt worden, was zu einem Rückstau führte und das Wasser in die umliegenden Grundstücke leitete, wo im Anschluss „Land unter“ herrschte.

Mit dem vorgesehenen Umbau des Durchlasses in der Brückenstraße soll die Durchgängigkeit des Gewässers in der Bachbettsohle wiederhergestellt werden. Darüber hinaus soll der Querschnitt des Baches verbreitert werden. Zudem soll der Straßenverlauf um 50 Zentimeter abgesenkt werden.