Kreis Ahrweiler

Güllebecken-Plan liegt auf Eis

Angst vor Gülle: Auf der Grafschaft befürchtet man Umweltschäden.

31.01.2014 GRAFSCHAFT. Nach Informationen des General-Anzeigers ist der geplante Bau eines Güllebeckens auf der Grafschaft vorerst "auf Eis" gelegt. Es soll nicht nur ein neuer Standort gesucht werden, vielmehr gibt es auch Überlegungen, von einer Befüllung des Beckens mit niederländischer Gülle Abstand zu nehmen.

Der Gelsdorfer Landwirt Theo Münch, der ursprünglich ein fünf Millionen Liter fassendes Güllebecken auf einem Feld im Dreieck von Gelsdorf/Vettelhoven/Eckendorf errichten wollte, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Kreisverwaltung Ahrweiler bestätigte indes gestern auf Anfrage, dass das Antragsverfahren auf Wunsch des Antragstellers, also des Landwirtes, zurzeit ruht.

Wie der General-Anzeiger in Erfahrung bringen konnte, hat Theo Münch selbst darum gebeten, das Baugenehmigungsverfahren vorerst ruhen zu lassen. Demnach will er Alternativen prüfen, und der Bau einer Biomassenanlage ist für ihn auch an anderer Stelle denkbar. Angeblich will der Gelsdorfer Landwirt eine Anlage errichten, die als Nebenprodukt auch Wärme und Strom produzieren kann.

Während es beim Transport von erzeugtem Strom nur wenig Probleme gebe, sei das bei der Wärmeproduktion anders. Lange Wege führten zu Wärmeverlusten. Daher gelte es, einen Standort zu finden, der diesem Umstand Rechnung trage.

Wie mehrfach berichtet, hatte das im Außenbereich geplante offene Becken große Befürchtungen bei Gelsdorfer, Vettelhovener und Eckendorfer Bürgern hervorgerufen. Sie schlossen sich gar zu einer Bürgerinitiative zusammen.

Zum einen gingen sie von einer schlimmen dauerhaften Geruchsbelästigung aus, zum anderen von Umweltschäden, die bis zu einer Verseuchung des Trinkwassers reichen könnten. Gülle sei inzwischen eher wie Sondermüll zu behandeln, so die Auffassung der Initiative.

Die auf Feldern aufgetragene Jauche sei mittlerweile als potenzieller Risikofaktor identifiziert worden, da sie über Tierfutter aufgenommene Antibiotika enthalte. Zudem gebe es Umweltbelastung durch das Entweichen von Gasen wie beispielsweise Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Methan und Lachgas.

Die komplette Füllung des Grafschafter Güllelagers mit fünf Millionen Litern würde eine jährliche Verflüchtigung von 250 Tonnen umweltschädlicher Gase bedeuten.

Die Bürgerinitiative überreichte daher im vergangenen Oktober an Landrat Jürgen Pföhler eine Liste mit Protestunterschriften im Ahrweiler Kreishaus. Pföhler sagte zu, dass die vorgebrachten Argumente sorgfältig geprüft und in den Entscheidungsprozess des laufenden Genehmigungsverfahrens einfließen würden.

Baugenehmigungsbehörde ist nämlich die Kreisverwaltung in Ahrweiler. Sie hat zu prüfen, ob die beantragte Errichtung des Erdbeckens zur Güllelagerung baurechtlich zulässig ist und die Belange von Gesundheits-, Umwelt- und Immissionsschutz berücksichtigt sind. (Victor Francke)