Kommentar zu FOC und Twin

Ein Geben und Nehmen

Das Hallenbad des Twin in Bad Neuenahr wird auch für die Schwimmausbildung der Grafschafter Schulkinder genutzt.

Das Hallenbad des Twin in Bad Neuenahr wird auch für die Schwimmausbildung der Grafschafter Schulkinder genutzt.

Grafschaft. Zwei Kommunen, zwei Interessen. Bad Neuenahr-Ahrweiler will sein neues Hallenbad am Twin, die Grafschaft ihr Factory-Outlet-Center. Zumindest für die Grafschafter Politik hängt beides zusammen.

Denn die Kreisstadt hat einerseits die FOC-Pläne per Ratsbeschluss strikt abgelehnt, andererseits bittet sie im Ringener Rathaus um einen Zuschuss für den Neubau des Hallenbades. Bislang ohne Angebot einer Gegenleistung.

Das ist mit der Grafschaft so nicht zu machen. Da spricht Marcel Werner für die CDU Klartext: „Nachbarschaft ist keine Einbahnstraße.“ Töne, die im Rathaus der Kreisstadt zum Nachdenken anregen sollten. Denn wer haben will, muss auch geben. Heißt: Will die Kreisstadt Geld fürs Twin, sollte sie auch dafür sorgen, dass es mit den Nachbarn klappt. Salopp formuliert: Gibst du mir Geld fürs Twin, denke ich darüber nach, den Ratsbeschluss kontra FOC auszusetzen. Die Gespräche beider Bürgermeister dürften spannend werden.

Für die Kreisstadt ist es ohnehin an der Zeit, sich Gedanken über eine neue Position zum FOC zu machen. Denn die Grafschaft bringt auch ohne Abnicken der Nachbarschaft in Bälde ihr Zielabweichungsverfahren in Richtung Mainz auf den Weg und schlägt damit dieselbe Richtung ein, wie weiland Montabaur für sein FOC. Da hatte es von den Anrainern ebenfalls Proteste gehagelt. Wie es ausging, ist bekannt, und heute spricht keiner mehr von den blauen Augen, die sich Koblenz und Co. vor Gericht holten.

Dennoch ist die Ablehnung der Kreisstadt verständlich, sitzt ihr doch die Lobby des Einzelhandels im Nacken. Da gilt es im Rathaus aktiv zu werden, Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn ein richtig guter Einzelhandel muss ein FOC nicht fürchten. Einzelhändler an anderen FOC-Standorten haben es vorgemacht: Aus Furcht, Schreckensszenarien und Kritik wurde Dauergrinsen bei jedem Ping der Registrierkasse. Ergo: Ein bisschen mehr Nachbarschaftspflege würde Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Grafschaft guttun. Dann klappt's ja vielleicht mit den zwei Fliegen und einer Klappe.