Kirschenlikör ist Nachfolger der geraden Gurke

EU-Kommission besucht die Eifeldestillerie in Lantershofen

Peter-Josef Schütz begrüßte in seiner Brennerei Chiara Imperio und Rudy van der Stappen (von links).

Peter-Josef Schütz begrüßte in seiner Brennerei Chiara Imperio und Rudy van der Stappen (von links).

LANTERSHOFEN. Mitarbeiter der EU-Kommission besuchten die Eifeldestillerie der Familie Schütz in Lantershofen. Im Gespräch ging es auch um die Vorgaben aus Brüssel.

Spätestens, seit die Gurke halbwegs gerade sein musste, damit sie über die Ladentheken in Europa gehen durfte, schaut man bei den Verordnungen der EU-Kommission ganz genau hin und fragt sich, ob es Sinn oder Unsinn ist, was Hundertschaften von Beamte da in Brüssel so verordnen. Denn es ging bei der Gurke nicht um den Geschmack, die kerzengerade Variante ist schlicht besser zu verpacken. Weniger für die Hersteller, die auf ihren krummen Gurken sitzen blieben, als vielmehr für die Händlerkette zwischen Hersteller und Verbraucher, war die Verordnung gemacht. Doch wurde sie im wahrsten Sinne des Wortes wieder gerade gebogen. Es wird schnell klar, wer hinter dem Antrieb zu Verordnungen dieser Art stecken könnte: Lobbyisten. Und davon ist der EU-Sitz Brüssel voll, sie gehen ein und aus in den riesigen Verwaltungsgebäuden.

Natürlich ist auch alles rund um die Spirituosen reguliert, in der Spirituosen-Grundverordnung Nr. 110/2008, beschlossen vor nunmehr neun Jahren. Dass auch hier Lobbyisten kräftig Einfluss ausübten, steht außer Frage. Das ist auch kein großes Problem, teilen sich doch gerade einmal vier Konzerne den Weltmarkt und damit die besten Plätze hinter der Theke. „Die haben teilweise zu diesem Zweck sogar eigene Büros in Brüssel“, weiß Werner Albrecht, Sachbearbeiter für Alkohol im Bonner Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Ihm ist es ein besonderes Anliegen, dass die EU-Kommission auch die Stimme der kleinen Spirituosenhersteller hört, von denen nicht wenige an der Umsetzung der Verordnungen scheiterten und ihre Betriebe aufgaben. Und weil nun in Brüssel eine Novelle der Spirituosen-Grundverordnung beraten wird, machte sich Albrecht am Mittwoch zusammen mit EU-Spirituosenreferentin Chiara Imperio und deren Berater Rudy van der Stappen auf den Weg in den Ahrkreis.

Dort besuchten sie die Lantershofener Eifeldestillerie und wurden nicht nur von Inhaber Peter-Josef Schütz, sondern auch von der Geschäftsführerin des Bundesverbands der Spirituosenindustrie, Angelika Wiesgen-Pick, empfangen. Man wollte sich vor Ort ein Bild einer deutschen Brennerei machen sowie das Gespräch mit Produzenten über die Umsetzung des EU-Rechts und der kommenden neuen EU-Spirituosenverordnung führen. Dabei machte Schütz klar, dass auch er ein Klagelied über die Verordnungen singen kann. So musste vor einigen Jahren das Produkt „Kirschlikör“ umbenannt werden. Nun heißt es „Kirschenlikör.“ Weil die Begriffe „Kirsch“ und „Alkohol“ doch ausschließlich auf Kirschwasser hindeuten. „Seither schaut der Kunde verdutzt aufs Etikett“, sagt Schütz.

Und Albert, dessen Ministerium immerhin erreichen konnte, das sich das Thema nur auf Alkoholika beschränkt und es jetzt nicht auch noch „Schwarzwälder Kirschentorte“ heißt, macht klar: „Es war der Bundesregierung und dem Ministerium wichtig, dass die EU-Kommission weiß, dass der Spirituosenmarkt in den einzelnen 28 Mitgliedstaaten unterschiedliche Strukturen aufweist und es in Deutschland nicht nur vier Weltkonzerne oder Großunternehmen, sondern kleine familiengeführte Manufakturen und Brennereien gibt, die die regionale Wirtschaftskraft beleben und einen wichtigen touristischen Beitrag liefern.“