Alter in Grafschaft

Die jüngste Gemeinde wird alt

GRAFSCHAFT. Noch ist die seit erst 40 Jahren bestehende Gemeinde Grafschaft auch demografisch betrachtet die jüngste Kommune im Kreis Ahrweiler. In einigen Jahren wird sie nach der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler jedoch die zweitälteste Kreisgemeinde sein.

14,6 Prozent der Grafschafter (Bad Neuenahr: 31,1 Prozent) sind jetzt älter als 65 Jahre. In 2030 werden auf der Grafschaft 33,2 Prozent Rentner und Pensionäre leben (Kreisstadt 37,6 Prozent). In absoluten Zahlen: Der Anteil der über 65-Jährigen wird von derzeit 1592 auf 3496 hochschnellen. Bürgermeister Achim Juchem hat eine Erklärung für den explosionsartigen Anstieg parat: Anfang der 70er Jahre hatte man in der Grafschaft zahlreiche Baugebiete ausgewiesen. Deren Bewohner kommen in den nächsten 15 Jahren in das Alter, das man Seniorenalter nennt.

Dass die Bevölkerungsentwicklungszahlen nun im Grafschafter Rathaus präsentiert wurden, hatte einen Grund: Staatssekretär David Langner war aus dem Gesundheits-, Arbeits- und Demografieministerium auf Einladung der Kreis-Jusos sowie der SPD-Arbeitsgemeinschaft "60 plus" gekommen, um über das Thema "Alt werden in der Grafschaft" zu sprechen.

Neue Erkenntnisse, geschweige denn nennenswerte Lösungsvorschläge für das die Gesellschaft vor eine Zerreißprobe stellende Problem brachte der Staatssekretär allerdings nicht mit.

Junge Leute gelte es im Lande zu behalten, so David Langner, Abwanderungen müsse vorgebaut werden. Dies mit einem guten kulturellen Angebot, mit guter gesundheitlicher Versorgung, mit gutem ÖPNV, mit angesiedeltem Gewerbe, das Fachkräfte binde. Kostenfreie Bildung, gute Infrastruktur, gute Anbindungen und natürlich familienfreundliche Rahmenbedingungen seien unerlässlich. Wie die Finanzierung all dieser "lebenswerten Bedingungen" aussehen könnte, teilte Langner nicht mit. "Alt werden in der Grafschaft ist immer auch ein bisschen jung bleiben in der Grafschaft", so der 38-jährige Staatssekretär.

Er zeigte sich davon überzeugt: "Wir können den demografischen Wandel gut und positiv gestalten." Dies erfordere "viel Gehirnschmalz und gute Ideen". Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag, Lorenz Denn, wusste zu berichten, dass im Kreis bereits vielfach der Demografie-Faktor zugeschlagen hat: "In manchen Dörfern stehen von 20 Häusern bereits zehn leer." Leer stehen allerdings nicht nur Wohnhäuser: auch Bäckereien, Metzgereien, Lebensmittelläden.

Das kann Grafschafts Bürgermeister Achim Juchem nur bestätigen: "Die mangelnden Einkaufsmöglichkeiten bereiten uns großes Kopfzerbrechen." Das wird in einigen Jahren auch für die dann leeren Kindergärten und Schulen gelten.