Güllebecken auf der Grafschaft

Den Gelsdorfern stinkt's - Demo gegen den geplanten Bau

Rund einhundert Gülle-Gegner zogen in Gelsdorf protestierend aufs Feld.

22.10.2013 GELSDORF. "Gülle-Gestank macht alle Menschen krank", war auf einem der Plakate zu lesen, die gestern rund einhundert Gelsdorfer mit sich führten, um gegen den geplanten Bau eines 20 mal 50 Meter großen Güllebeckens zu protestieren. Fünf Millionen Liter Gülle soll das fünf Meter tiefe Becken füllen.

Gülle, die aus den Niederlanden importiert werden soll. "Nicht mit uns!", skandierten gestern die demonstrierenden Gelsdorfer. Sie befürchten nicht nur eine massive Geruchsbelästigung und eine Wertminderung ihrer Häuser und Grundstücke, sondern auch eine Gesundheitsgefährdung.

Landwirt Theo Münch versteht die Aufregung nicht: "Es wird nicht die unterstellte Geruchsbelästigung von dem Becken ausgehen. Der Standort fernab von der Wohnbebauung ist bewusst so gewählt worden. Ein von mir in Auftrag gegebenes Gutachten untermauert das."

"Geld stinkt doch", meinten einige Plakatträger in Anspielung auf einen angeblichen Profit, den der Besitzer des künftigen Gülle-Sees mit der Import-Jauche erzielen könnte. "Bürger frustriert, Bauer kassiert", hieß es auf dem Protestzug, der in Richtung des Standorts für das geplante Becken zog. Längst hat sich auf der Grafschaft eine Bürgerinitiative gebildet, die gegen den Bau des Beckens vorgehen will. Heute werden Landrat Jürgen Pföhler 1000 Unterschriften von Bürgern im Kreishaus überreicht, die mit der Planung nicht einverstanden sind.

Allerdings: Im Außenbereich darf sehr wohl eine solche Anlage gebaut werden. In Gelsdorf läge sie rund einen Kilometer von der Wohnbebauung entfernt. Wenn da nicht der Wind wäre. Je nach Windrichtung könnten Gelsdorf, Eckendorf oder Vettelhoven einer von dem offenen Becken ausgehenden Geruchsbelästigung ausgesetzt sein.

"Wir können und wollen das so nicht hinnehmen", meinte Reinhold Hermann, der Vorsitzende der Bürgerinitiative, der sich nach seinen Angaben inzwischen 100 Bürger angeschlossen haben. Hermann ist sich sicher, dass er kein lokales oder regionales Problem aufgegriffen hat. Auch andernorts gebe es die Probleme mit dem Gülleauftrag und seinem Ammoniakgehalt.

Ohnehin sehen Hermann und seine Mitstreiter die Gefahr einer permanenten Überdüngung und somit einer Bodengefährdung. Die Politik sei nun gefordert. Sie müsse dafür sorgen, dass Agrarwirtschaft nur auf einwandfreien Böden stattfinden dürfe. Gülle sei ein Abfallprodukt aus der Massentierhaltung. Dort eingesetzte Chemie gelange über die Ausscheidungen in die Gülle. Deshalb war man sich gestern sicher: "Bürger, Bettler, Edelmann - alle geht die Gülle an." (Victor Francke)