Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Kaserne

Bundeswehr ist der größte Arbeitgeber der Gemeinde Grafschaft

Feierlicher Appell in der Boeselager-Kaserne in Gelsdorf. Nur zu solchen Anlässen darf dort fotografiert werden.

GELSDORF. Die Bundeswehr ist heute mit 850 Mitarbeitern unterschiedlicher Dienststellen der größte Arbeitgeber der Gemeinde Grafschaft. Die Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Kaserne im Gelsdorfer Gewerbegebiet ist Sitz des Kommandos Strategische Aufklärung.

Benannt wurde die Kaserne nach dem Widerstandskämpfer und bislang einzigem Ehrenbürger des Kreises Ahrweiler. Von Boeselager hatte den Sprengstoff für das Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 besorgt.

Das Kommando Strategische Aufklärung steht heute unter Leitung von Generalmajor Jürgen Setzer und hat bundesweit rund 5000 Soldaten und 1000 Zivilbeschäftigte. Während der Bundeswehrstandort im nahen Bad Neuenahr-Ahrweiler geschlossen wird, steht der Standort Gelsdorf nicht zur Disposition.

Es war eine Art Standortsicherung, die Anfang des Jahres in der Gelsdorfer Kaserne über die Bühne ging. Davon zeugte auch, dass Bundesflagge und die Fahne mit dem Grafschafter Wappen einträchtig nebeneinander hingen, als die Ehrenformation auf dem Appellplatz des Kommandos Strategische Aufklärung einmarschierte. Grund: die Aufwertung zum Fähigkeitskommando für Militärisches Nachrichtenwesen.

Mit der Neuaufstellung durch den Inspekteur der Streitkräftebasis, Vizeadmiral Manfred Nielson, wurde auch das Amt für Geoinformationswesen in Euskirchen mit Brigadegeneral Roland Brunner den Gelsdorfern unterstellt. Nielson bezeichnete die Gelsdorfer Einrichtung als "Herzstück der kleiner werdenden Bundeswehr". Wobei es das Kommando Strategische Aufklärung in Gelsdorf seit elf Jahren gibt.

Generalmajor Jürgen Setzer zum General-Anzeiger: "Unsere Soldaten und zivilen Mitarbeiter fühlen sich hier in der Region wohl. Viele Familien leben hier. Dies sind gute Voraussetzungen, um unseren Auftrag zu erfüllen - mit Blick auf die laufenden Einsätze für einige im Schichtdienst rund um die Uhr."

Die Geschichte des Standortes ist älter und eng mit Bad Neuenahr-Ahrweiler verbunden. Am 16. April 1956 wurde ein aus fünf Soldaten bestehendes Vorkommando der Fernmeldedienststelle der Streitkräfte in Ahrweiler etabliert. Im Mai 1956 übernahm Brigadegeneral Friedrich Boetzel die Dienstgeschäfte der "Dienststelle für Fernmeldeaufklärung und Schlüsselwesen", die 1958 umbenannt wurde in "Fernmeldedienststelle der Bundeswehr".

Am 1. April 1964 gab es eine erneute Umbenennung in "Amt für Fernmeldewesen der Bundeswehr", ab 1979 hieß es "Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr", am 1. Juni 2002 erhielt die Dienststelle den Namen "Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr".

Zuvor gab es nach spektakulären Bauarbeiten einen Umzug von der Ahr auf die Grafschaft. Dafür hatten schon 1985 die Planungen begonnen. Über Jahre prägte eine riesige Pyramide aus Erdaushub das Bild an der A 61 bei Gelsdorf. Es war der Aushub für den unterirdischen Schutzbau der heutigen Kaserne.

Im April 1996 übergabt die damalige Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesverteidigungsministerium, Michaela Geiger, den Schlüssel für die neue Liegenschaft im Gelsdorfer Industriegebiet an den damaligen Amtschef, Brigadegeneral Günther Wenger. 1997 nahm dort die Nachrichtenzentrale ihren Betrieb auf.

Mit dem Namen hat sich auch die Aufgabe geändert. Die Gelsdorfer sind Standardgeber für das Militärische Nachrichtenwesen, das heißt sie tragen nicht nur für Nachrichtengewinnung und -management die Verantwortung, sondern auch für Ausbildung und Weiterentwicklung. In Gelsdorf geht es hinter Stacheldraht-Doppelzäunen und strengbewachten Eingangsschleusen (Wachdienst am Eingang, Soldaten am Weg zum Lagezentrum im Bunkergebäude) um das Sammeln von Nachrichten aus aller Welt, vor allem aus Einsatz- und Krisengebieten.

Mit der täglichen Aufarbeitung dieser Nachrichtenflut liefern sie nach eigenem Bekunden "wichtige Informationen für die deutschen Einsatzkontingente, für deren Auftragserfüllung und den Schutz der Soldaten im Einsatz".