Gotteshaus in Oeverich

„Kapellenmäuse“ kümmern sich um Urbanus

Altarraum Urbanuskapelle Oeverich.

Altarraum Urbanuskapelle Oeverich.

OEVERICH. 32 Damen sorgen seit vielen Jahren um die Belange der kleinen Kapelle in Oeverich. Das kleine Gotteshaus wird 80 Jahre alt. Der Neubau kostete damals 17.000 Reichsmark.

Seit gut 20 Jahren kümmern sich die „Kapellenmäuse“ um die Oevericher Urbanus-Kapelle: Die mittlerweile 32 Damen des Stammtischs aus Oeverich, Niederich und Beller sind mitverantwortlich dafür, dass sich die Kapelle heute in einem guten Zustand befindet.

Anlässlich des 80-jährigen Bestehens des kleinen Gotteshauses hatten die emsigen Damen um „Chefin“ Christa Welter und Hilde Bell einmal mehr zum beliebten „Kapellenfest“ eingeladen, von dessen Erlös in den vergangenen Jahrzehnten die immer wieder anstehenden Renovierungsarbeiten nach und nach in die Tat umgesetzt worden waren.

Schon beim Bau in den Jahren 1933 bis 1936 hatten die Bürger aus Oeverich und Niederich viel Eigenleistung investiert, bevor sie das Gotteshaus an Pfingsten 1936 feierlich einweihen konnten. Zuvor hatte an der gleichen Stelle bereits ab dem 17. Jahrhundert eine Kapelle gestanden, die jedoch wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.

Bei deren Abbruch 1933 kam unter der hölzernen Altarplatte ein Altartisch aus Tuffstein zum Vorschein, der in einer Aushöhlung ein grünglasiertes, etwa fünf Zentimeter hohes Tongefäß mit sieben bis acht Knochenstückchen und zwei Zähnen enthielt. Zu wem diese Reliquien gehörten, konnte nicht mehr ermittelt werden. Das Reliquiar wurde später in die neue Altarplatte eingelegt und die Öffnung verschlossen.

Der Historiker Ottmar Prothmann nannte den Bau der Dorfkirche in seiner Festschrift zum 50-jährigen Bestehen derselben ein „Jahrhundertereignis“, an dem viele Menschen beteiligt gewesen seien. Das noch brauchbare Steinmaterial der alten Kapelle fand beim Bau des heutigen Gotteshauses Verwendung.

Nach den Plänen des Architekten Carl Mataré aus Ahrweiler wurde die neue Urbanus-Kapelle errichtet. Das Bauwerk war mit Gesamtkosten von 7000 bis 8000 Mark veranschlagt, die man durch das Kapitalvermögen der Kapelle, Spenden der Dorfbevölkerung und den Erlös aus dem Verkauf des Kapellenlandes im Oevericher Unterdorf finanzieren wollte.

Die Bauphase selbst verlief alles andere als nach Plan, da sich der Architekt eine Dauerfehde mit den Maurern lieferte. So berichtet es zumindest Prothmann in seinem überaus interessanten Büchlein zur Geschichte der Urbanus-Kapelle in Oeverich. In den 1933 gelegten Grundstein legte man demnach eine in Latein abgefasste Urkunde sowie drei Steine aus Rom, dem Heimatort des Kapellenpatrons, mit denen man den in Trier ausgestellten Heiligen Rock berührt hatte.

Ferner sind darin Weizenähren und ein Fläschchen Wein enthalten sowie ein geheimnisvolles Schriftstück mit dem Titel „Oeverich von heute, Licht und Schatten“, das Pastor Knopp damals verfasst hatte. Bis heute weiß niemand, was darin geschrieben steht. Alles in allem verschlang der Rohbau 51 000 Zementschwemmsteine, 110 Kubikmeter Kies, 85 Kubikmeter Sand, 330 Sack Zement und 100 Zentner ungelöschten Kalk. Die Schlussabrechnung belief sich auf 17 000 Reichsmark.

In den vergangenen Jahren hat sich viel getan rund um die Kapelle, die an Pfingsten 1936 feierlich eingeweiht wurde. Der untere Kapellenraum, der 65 Jahre lang nur als Abstellraum verwendet worden war, wurde als Versammlungsraum fertiggestellt, der Vorplatz und der Eingangsbereich wurden umgestaltet, die Außenmauern saniert. Darüber hinaus wurde der Turm der Kapelle erneuert, es folgte die komplette Dachsanierung, dann erhielt die Kapelle auch noch einen neuen Anstrich. Bald will man eine Innenrenovierung in Angriff nehmen.