Kriminalität an Rhein und Ahr

Zwischen Ärger, Frust und Unsicherheit

KREIS AHRWEILER. Das Ahrweiler Ehepaar Ingrid und Jürgen Witzel gehört zu den Geschädigten der Pkw-Aufbruchsserie.

Ziemlich ratlos steht die Polizei einer Serie von Autoaufbrüchen gegenüber, die sich in den vergangenen Wochen im Kreis Ahrweiler und im angrenzenden Kreis Mayen-Koblenz ereignet hat. So wurden zwischen dem 29. März und dem 5. April in Sinzig sechs, in Oberwinter neun und in Bad Neuenahr-Ahrweiler fünf Autos aufgebrochen. Es folgten bis zum 13. April 13 weitere Pkw-Aufbrüche im angrenzenden Kreis Mayen-Koblenz.

In allen Fällen wurden von den Automardern Autos der Marken Daimler Benz und BMW angegangen. Dabei wurden die Wagen meist durch das Ziehen des Türschlosses geöffnet. Gestohlen wurden die fest verbauten Navigationsgeräte, zum Teil auch die Fahrer- und Beifahrerairbags.

Die Täter gehen laut Achim Rosenberg von der ermittelnden Kripo Mayen „hoch professionell vor und haben Spezialwerkzeug dabei“. Der ganze Spuk dauere maximal fünf Minuten.

Zehn Minuten müssen die Automarder folglich in der Nacht zu Mittwoch, 5. April, in der Ahrweiler Simrockstraße, die in einem reinen Wohnviertel liegt, gebraucht haben. Denn dort gingen sie einen BMW und einen Mercedes-Kombi der E-Klasse an. Letzterer gehört Jürgen (69) und Ingrid Witzel (65). Das Ehepaar schildert im Gespräch mit dem General-Anzeiger die Ereignisse rund um den Aufbruch seines Autos. „Eigentlich wollte ich an dem Morgen nur den Müll raus tragen“, sagt Jürgen Witzel. „Doch dann bekam ich mit, wie die Polizei bei einem Nachbarn hielt und sich mit diesem um dessen BMW versammelte.“ Erst als er Vogeldreck von seiner Motorhaube habe wischen wollen, habe er bemerkt, dass auch sein Benz geknackt worden war. Da hab ich dann den Polizisten gesagt: „Wenn Ihr hier fertigt seid, könnt Ihr gleich bei mir weitermachen.“

Unbekannte Täter hatten auch an seinem Auto das Schloss „gezogen“, die Airbags ausgebaut und gleich die ganze Konsole mit Telefon, Radio, Navi und CD-Player geplündert. Was Jürgen Witzel auf die Palme bringt: „Statt in der Konsole hinter dem Navi den Stecker zu ziehen, haben die Ganoven den Hauptkabelstrang, also den Kabelbaum, durchschnitten. Die komplette Elektronik ist hin.“ Es musste also schnell gehen in der Nacht, respektive am frühen Morgen: Denn die Uhr in der abgerissenen Blende ist um 4.37 Uhr am 5. April stehen geblieben.

Und jetzt steht der Wagen schon seit zwei Wochen in der Werkstatt. Wie lange noch, ist ungewiss. Denn nach Gutachten der Versicherung muss der Wagen fast komplett entkernt werden, um einen neuen Kabelbaum einzuziehen, der aber auch erst einmal geliefert werden muss. Von neuen Schlössern und Schlüsseln mit dem Nachweis, dass ihnen das Auto überhaupt gehört, ganz abzusehen. „Die hätten besser den ganzen Wagen geklaut, da hätten wir weniger Ärger“, gibt sich die 65-Jährige ehemalige Kommunalpolitikerin sauer. „Auf bis zu 12 000 Euro Schaden können wir uns laut Gutachten einstellen“, sagt Jürgen Witzel. Er hofft, dass außer dem versicherungsmäßigen Eigenanteil, keine weiteren Kosten auf ihn zukommen werden. Schließlich bringe der wochenlange Verzicht auf den Wagen schon genug Probleme mit sich.

„Das kommt zum ganzen Stress noch dazu“, schimpft Ehefrau Ingrid, die als Konsequenz den Umbau der Garage in Erwägung zieht. Denn dort passt bislang nur ihr Kleinwagen rein.

Was die Eheleute nicht verstehen und für zusätzlichen Frust sorgt: „Autos für die Formel 1 können die bauen, aber kein Auto, das sicher gegen Verbrecher ist.“ Und Alarmanlagen taugen ihrer Meinung nach auch nichts: „Der ADAC sagt, dass die von Profis in zehn Sekunden ausgeschaltet sind.“ Für diese „Profis“ findet Jürgen Witzel allerdings eine ganze Palette von Synonymen, die allerdings nicht druckreif ist.

Was für die Eheleute jedoch schlimmer ist als der Schaden und die gut 20 Stunden, die sie mittlerweile in Gesprächen mit der Polizei, der Versicherung, mit dem Gutachter und schließlich in der Werkstatt samt An- und Abfahrt verbracht haben, ist das Gefühl der Unsicherheit. „Erst vor Jahren wurde bei uns im Haus in der Wohnung meines Vaters eingebrochen, jetzt gleich zwei Pkw-Aufbrüche in unserem sonst ruhigen Viertel, das macht Kopfkino“, sagt Ingrid Witzel. „Du schaust automatisch öfter aus dem Fenster, wirst bei jedem Auto, das hier nicht hingehört, unsicher“, ergänzt der 69-Jährige. Er weiß auch, dass „die Ahrweiler Wache am 5. April mit gleich fünf Pkw-Aufbrüchen in einer Nacht nur noch rödelte“. Dennoch wünscht er sich „mehr Polizeipräsenz“. Da sei das Land in der Pflicht. Die Witzels begrüßen explizit die Aktion „Aufmerksamer Nachbar“, die von der Grafschafterin Elke Wolber ins Leben gerufen wurde: „Gemeinsam spazieren gehen und dabei die Augen offen halten“, das sei wohl die einzige Möglichkeit vorzubeugen. Denn eines ist für das Ehepaar klar: „Unsere Straße muss vorher ausspioniert worden sein. Sonst hätten keine zwei Autos in einer Nacht dran glauben müssen.“

„Die Polizei ist bei der Aufbruchsserie dringend auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Verdächtige Beobachtungen oder das Heulen von Alarmanlagen sollten sofort gemeldet werden, auch über den bundesweiten Notruf 110“, appelliert denn auch Kriminalhauptkommissar Rosenberg, in solchen Fällen nicht zu zögern, zum Telefon zu greifen.