Einstieg mit einer leichten Maschine

Zum Start eine Kaffeefahrt

KREIS AHRWEILER. Kurt Quarz aus Sinzig, Ex-Polizist und Biker aus Leidenschaft, gibt Motorradfahrern Tipps.

Mehr als 10.000 Biker starten am Sonntag beim traditionellen „Anlassen“ auf dem Nürburgring in die neue Motorradsaison – mit ökumenischem Segen und Korso über die legendäre Nordschleife. Es sind Neulinge, Wiedereinsteiger in den besten Jahren und alte Hasen.

Ein alter Hase ist Kurt Quarz aus Sinzig, Polizist im Ruhestand und Harley-Fahrer aus Leidenschaft. Seinen Lappen fürs „Moped“ hat er 1970 auf der Polizeischule gemacht, hat im Dienst Tausende von Kilometern auf der 250er und später auf der 500er BMW abgerissen, kennt Höhen und Tiefen des Biker-Lebens.

„Saisonstart, das ist für mich Kaffeefahrt“, berichtet der 64-jährige Pfeifenraucher mit dem Dreitagebart. Kaffeefahrt? „Nein, nicht die mit Heizdecken und Wundersalben. Gemächliches angehen, kleine Touren, sich selbst und die Maschine checken und bei einer Tasse Kaffee mit anderen Bikern Benzin reden.“ So beschreibt der Mann mit der 1200er Sportster das, was er allen Motorradfahrern zum Saisonstart rät.

„Vorbereitung ist notwendig, für Maschine und Mensch“, sagt der Vater von Matthias (30), dessen neue Harley am Montag geliefert wird. „Nach einem Japaner wollte mein Sohn jetzt endlich auch ein richtiges Motorrad.“ Und auch Matthias bereitet sich vor: Joggen, Fitness, Kraft – denn fünf Zentner Maschine und 67 PS unterm Hintern wollen beherrscht werden.

„Da ist Cruisen zum Einstieg das beste“, sagt Kurt Quarz, der seine Reisegeschwindigkeit mit 80 bis 100 angibt. „Da hast du was von der Landschaft, kannst die Strecken genießen und wirst nach dem Winter mit der Maschine wieder eins.“ Newcomern und Wiedereinsteigern, die sich als Bestager jenseits der 45 „endlich ein 'Moped' leisten können oder wollen“, gibt er den Tipp: „Ihr müsst lernen, für andere mitzudenken. Vorausschauen, was könnte der Laster, der Pkw oder der Typ am Straßenrand irgendwo da vorne vorhaben. Und auch erkennen, dass eben Autofahrer die Geschwindigkeit von Bikern kaum einschätzen können, weil sie eben Auto- und nicht Motorradfahrer sind.“

Wie es ausgeht, wenn das nicht gemacht wird, hat Quarz oft genug gesehen. „Mein Schlüsselerlebnis zum bedächtigen Fahren war Mitte der siebziger Jahre, als ich bei einem schweren Unfall auf der B 258 am Nürburgring ermittelte und vier tote Biker in Einzelteilen auf 200 Meter Straße neben brennenden Autos lagen. Das prägt.“ Auch deshalb rät er Einsteigern zu kleinen Maschinen. „Die Große kann man sich später kaufen, wenn man fahren kann und weiß, dass man keine Knautschzone hat und auf jedem Kilometer einfach mit allem rechnen muss.“

Trotz aller möglichen Gefahren: Motorrad und Wohnmobil, das sind die Leidenschaften von Kurt Quarz, der auch in diesem Jahr zum größten Harley-Treffen Europas nach Österreich fährt: das Bike auf dem Hänger, den Roller zum Brötchen kaufen auf dem Träger und er schön bequem im Van. „Und wenn dann 30.000 Harleys um den Wörthersee cruisen, dann werden sogar Hells Angels und Bandidos brav“, schildert der Sinziger die Atmosphäre und den Beifall Tausender von Zuschauern bei Paraden.