Landwirtschaft im Kreis Ahrweiler

Winzer und Bauern bangen weiter

KREIS AHRWEILER. Nachtfrost hat in den Wingerten der Ahr und den Grafschafter Plantagen zugeschlagen. Die ortsansässigen Winzer fürchten um den in zwei Wochen anstehenden Rebaustrieb.

Noch gibt es keine konkreten Ergebnisse, doch der Nachtfrost von minus drei Grad in Ahrweiler bis minus vier Grad in Mayschoß hat den austreibenden Reben in den Wingerten nicht gut getan. Den Grund nennt das Deutsche Weininstitut: „Temperaturen über 20 Grad sorgten in diesem Frühjahr für einen rund zwei Wochen früheren Rebaustrieb. Schon ab minus ein Grad kann es kritisch werden für die Reben.“

„Nicht nur der Frost ist das Problem, auch die Sonne, die heute Morgen brennt. Denn das Wasser in den Adern der Triebe ist gefroren, und wenn das plötzlich auftaut, dann platzen die Adern, die Triebe sterben“, sagte Ahr-Winzerpräsident Hubert Pauly dem General-Anzeiger. Aus Weinlagen in Ehlingen seien ihm schon früh die ersten Brandschäden gemeldet worden. Und: „Die Kollegen von der Mosel haben schon in der Nacht zuvor einen abgekriegt. Österreich hat einen Totalausfall.“

Schäden sind noch nicht abzusehen

In der Weinbergslage Ahrweiler Rosenthal nahm er am Donnerstagmorgen die Triebe der Spätburgunderreben unter die Lupe. Etliche Schadensmeldungen gingen auch bei der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr von deren Mitgliedern ein. „Wir lassen den Kopf nicht hängen“, so deren Präsident Matthias Baltes, der mit einem Schaden von etwa 20 Prozent rechnet. Und auch Kellermeister Günther Schüller von der Dagernova Winzergenossenschaft sagte: „Es sieht bescheiden aus.“ Die Schäden würden von Walporzheim ahrabwärts immer größer, weil sich das Tal öffne und es dadurch dort kälter werde. Genau zu beziffern seien diese noch nicht.

Schüller bangt weiter mit den Ahr-Winzern: „Denn nächste Woche sind wieder Frostnächte gemeldet.“ „Ich befürchte das Schlimmste“, hatte Marc Adeneuer vom Weingut J.J. Adeneuer in Ahrweiler noch am Morgen prognostiziert. Mittags konnte er dann durchatmen. Sein Bruder Frank hatte die Wingerte inspiziert. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen. Es werden nicht die befürchteten 30 bis 40 Prozent Ernteausfall sein, eher 15 bis 20.“ Und da die Reben noch nicht ausgebrochen seien, könne das durch weniger Ausbruch bei der Weinbergsarbeit relativiert werden. „Andere Anbaugebiete hat es da viel böser erwischt“, so Adeneuer.

Sein Kollege Otger Schell aus Rech zögerte am Morgen richtig, in den Weinberg zu fahren. „Ich trau mich nicht“, sagte er dem General-Anzeiger. „Das ist so, als ob Du ein nagelneues Auto kaufst und weißt, das Dir gleich einer reinfährt.“

1997 führte der Frost zu Ernteausfällen

Zur letzten Karambolage ist es vor genau 20 Jahren gekommen. „1997 hat der Frost voll reingeschlagen. Es gab teilweise Ernteausfälle von bis zu 80 Prozent“, erinnert sich Franz-Josef Appel vom Weingut Kloster Marienthal. Das sei damals besonders schlimm gewesen, weil schon im Vorjahr 1996 der Frost den Wingerten massiv zugesetzt habe. Und Adeneuer hat sogar das genaue Datum parat: „Das war der 22. April 1997. Der Durchschnittsertrag pro Hektar lag Ende der 1990er Jahre laut Kreisverwaltung Ahrweiler bei 83,2 Hektoliter pro Hektar. In den Jahren 1996 und 1997 drückten Frostschäden die Erträge auf 56,8 respektive 47,4 Hektoliter.

Dramatisch sieht es für Kernobst in ungeschützten Lagen auf der Grafschaft aus. Franz-Josef Schäfer, Vorsitzender des Kreisbauern- und Winzerverbandes, sagte: „Da sind 80 bis 90 Prozent der Blüten erfroren.“ Am Boden habe er minus sechs, in zwei Metern Höhe minus vier Grad gemessen. Die Schäden seien jedoch von Lage zu Lage unterschiedlich. Auch setzten Obstbauern zum Verwirbeln der Luft als Frostschutz Windräder ein. Bei den ungeschützten Erdbeerfeldern sei in der Nacht alles kaputtgegangen. „Auch wo Abdeckungen waren, haben wir immer noch rund 30 Prozent Schäden“, sagte der Landwirtschaftsingenieur aus Eckendorf.

Das sieht Obstbauer Christoph Watzig aus Leimersdorf, der dem General-Anzeiger in seinen Plantagen die erfrorenen Apfelblüten und Erdbeerpflanzen zeigte, ähnlich. In beiden Sparten geht der Landwirt von Schäden bis zu 50 Prozent aus.