Beistand für MPU

Wenn der Führerschein weg ist

Alkoholkontrolle: Zeigt das Messgerät mehr als 1,6 Promille, ist für die Wiedererlangung des Führerscheins eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung vorgeschrieben.

Alkoholkontrolle: Zeigt das Messgerät mehr als 1,6 Promille, ist für die Wiedererlangung des Führerscheins eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung vorgeschrieben.

KREIS AHRWEILER. Wenn der Führerschein weg ist, gibt die Caritas Beistand für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU). Die MPU ist nach nach einer Alkoholfahrt mit mehr als 1,6 Promille oder wiederholten Drogenfahrten vorgeschrieben.

Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland hat sich von 11300 Opfern im Jahr 1991 auf 3200 in 2016 verringert. Eine positive Entwicklung, die von keinem anderen EU-Land übertroffen wird. Was aber sind die Gründe dafür? Alkohol und Drogen am Steuer zählen nach wie vor zu den Hauptunfallursachen. 78 Unfälle waren es im vergangenen Jahr im Kreis Ahrweiler. 36 im Gebiet der Polizei Remagen, jeweils 21 im Zuständigkeitsbereich der Inspektionen Ahrweiler und Adenau. Die Zahl der erwischten Fahrer unter Alkohol und Drogen liegt im dreistelligen Bereich.

Für etliche Fahrer hat das langwierige Konsequenzen. Denn nach einer Alkoholfahrt mit mehr als 1,6 Promille oder wiederholten Drogenfahrten bekommt der Fahrer nach Ablauf der vom Gericht mit oder ohne Verhandlung ausgesprochenen Sperrfrist seinen Führerschein nicht automatisch zurück.

Führerscheinstelle fordert auch Abstinenznachweis ein

Die Führerscheinstelle der Kreise oder kreisfreien Städte muss erst durch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) prüfen lassen, ob sich beim Trunkenheitsfahrer oder dem Drogenkonsumenten eine stabile Änderung der Einstellung und des Verhaltens ergeben haben. Hinzu kommt ein Abstinenznachweis als Voraussetzung für die Teilnahme an der MPU: Urinproben unter forensischen Bedingungen oder Haarproben.

Gerd Aehnlich von der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle der Caritas Ahrweiler: „Sind Suchtmittel im Spiel, wird man aus dem Schaden nicht so schnell klug. Vorsätze sind schnell gefasst, aber eine wirklich dauerhafte Veränderung der Persönlichkeit setzt in der Regel einen mühsamen und langwierigen Lernprozess voraus.“ Hier leiste die Caritas in Ahrweiler mit ihrer Suchtberatungsstelle einen wichtigen Beitrag. Wer regelmäßig Zeit und Geld in Rauscherleben stecke, habe meist einen unbewussten Grund dazu.

„Alkohol und andere Rauschmittel können vieles kurzfristig erstmal leichter und subjektiv erträglicher machen. Leider birgt dieser Weg der Problemlösung viele gesundheitliche, berufliche, familiäre und rechtliche Nachteile“, warnt Aehnlich. „Nur wer sich die Mühe macht, seine Konsummotive zu überdenken und neue Kompetenzen zu erwerben, wird auch den Gutachter in einer MPU überzeugen und seine Fahrerlaubnis von der Führerscheinstelle zurückerhalten.“

Die MPU, oft auch als „Idiotentest“ bezeichnet, ist ein Baustein im Bemühen um eine Absenkung der Zahl der Verkehrstoten. Ein anderer Baustein ist hier die Caritas mit ihrer psychosozialen Suchtbera­tungsstelle, wo ein amtlich anerkannter Verkehrspsychologe und Suchttherapeuten Betroffenen zur Seite stehen, sie Schritt für Schritt auf einem suchtfreien Lebensweg begleiten und nicht zuletzt damit auch dem Führerschein wieder näher bringen. Ein Service, den auch freie Verkehrspsychologen anbieten, doch die sind in der Region spärlich gesät.

Frust mit Rauschmitteln ausgeglichen

Viel Theorie. Ein Beispielfall kann vielleicht helfen. Monika B. hatte durch den Konsum von Rauschmitteln weder die Aufmerksamkeit ihrer Familie noch ihrer Kolleginnen erregt und war allseits beliebt. Jedoch wurde ihr nach Führerscheinverlust durch eine Trunkenheitsfahrt vom Arbeitgeber gekündigt. Um den Frust zu verdrängen hatte sich ihr Konsum erstmal gesteigert.

Als sie sich auf die MPU vorbereiten musste und zur Caritas kam, wurde ihr in den Gesprächen klar, dass sie nicht, wie sie glaubte, nur ein Problem mit dem Führerschein hatte. Das Problem saß tiefer. Immer wollte sie es allen recht machen, wollte gefällig sein und konnte schlecht „Nein“ sagen. Weil sie nicht gelernt hatte, gut für sich zu sorgen, kam sie selbst oft zu kurz. Ihren Frust begann sie dann mit Rauschmitteln auszugleichen. Dieser Mangel an gesundem Egoismus war ihr bereits im Elternhaus anerzogen worden. Schon früh musste sie auf Geschwister aufpassen und eigene Wünsche und Interessen hintanstellen. Die junge Frau bekam nur Anerkennung und Zuwendung, wenn sie funktionierte.

Neues Hobby, neuer Lebenstil, neue Freunde

Sie hat einen Therapeuten aufgesucht. Oft. Sie hat gelernt. Nicht nur. um ihren Führerschein zurück zu bekommen. Heute achtet sie mehr auf ihre Gefühle und entscheidet nach ihren Bedürfnissen und nicht mehr nach den Erwartungen anderer. Jetzt ist sie zufriedener mit sich und der Welt. Neue Hobbys, neuer Lebensstil und dadurch auch neue Freunde. Das hat auch den Gutachter der MPU überzeugt. Seine Expertise ging an die Führerscheinstelle der Kreisverwaltung, der neuen Fahrerlaubnis stand nichts mehr im Weg.