Siedlungsfläche im Kreis Ahrweiler

Weniger Natur für mehr Straßen

Ahrtalbruecke mit Apollinarisbrunnen.

Ahrtalbruecke mit Apollinarisbrunnen.

KREIS AHRWEILER. Die bebaute Fläche pro Kopf liegt im Kreis Ahrweiler deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Wohnen, Arbeiten, Erholen – alles braucht seinen Platz. Die Ausdehnung der Siedlungsfläche ist vielerorts in den Kommunen ein emotional besetztes Thema. Wie viel Fläche beansprucht der Mensch für welche Zwecke? Im Kreis Ahrweiler verteilen sich Siedlung und Verkehr aktuell auf rund 10.722 Hektar Fläche, das sind 566 Hektar mehr als zwei Jahrzehnte zuvor. Wobei rund 16 Hektar seit dem Jahr 2010 dazukamen.

Wenn die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbeflächen Ackerböden betrifft, sind Konflikte häufig programmiert. Naturschützer kämpfen vehement gegen den aus ihrer Sicht unnötigen „Flächenverbrauch“. Kommunalpolitiker und Planer argumentieren mit der „Flächenumwidmung“ zugunsten von neuem Wohnraum und neuen Arbeitsplätzen. Fakt ist, die Fläche an sich bleibt erhalten, nur wird sie zukünftig anders genutzt – je nach Plan entweder als Landwirtschafts- und Waldfläche, als Wasserfläche oder eben als Siedlungs- und Verkehrsfläche. Letztere umfasst Häuser, Straßen, Plätze und Gewerbegebiete, aber auch Sportplätze, Grünanlagen und Friedhöfe. Nach den jüngsten Zahlen beanspruchen Flächen für Siedlung und Verkehr im Kreis Ahrweiler 10.722 Hektar.

So werden derzeit rund 13,6 Prozent der Gesamtfläche im Kreis für Siedlungs- und Verkehrszwecke genutzt. Vor 20 Jahren lag dieser Anteil noch bei 10.156 Hektar, beziehungsweise 12,9 Prozent. Der „Rest“ ist Wald, Landwirtschafts- und Wasserfläche, aber auch nicht unbedingt Natur pur. Felder werden bewirtschaftet, also genutzt, und Wald besteht nicht nur aus unberührtem Totholz-Gebiet, sondern dient der Holzgewinnung für Möbel, Bodenbeläge, Kaminöfen oder Pelletheizungen.

Im Kreis Ahrweiler gibt es rund 25.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen, die damit rund 31,7 Prozent der Gesamtfläche einnehmen (1996: 26 518 Hektar/33,7 Prozent). Die Waldfläche liegt aktuell bei 41.380 Hektar oder 52,6 Prozent (1996: 40.342 Hektar/51,3 Prozent), macht zusammen 66.380 Hektar Wald, Feld und Wiese.

Tatsächlich hat sich der Zuwachs bei der Siedlungs- und Verkehrsfläche in den vergangenen Jahren bundesweit verlangsamt, liegt aber mit täglich rund 63 Hektar – was etwa 90 Fußballfeldern entspricht – immer noch deutlich über der Zielvorgabe der Bundesregierung. Diese strebt knapp die Hälfte an. Sie will die Nutzung neuer Flächen bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag begrenzen. Flächensparen und Innenentwicklung lautet die Devise.

Neue Siedlungsflächen sind übrigens nicht mit versiegelter Fläche gleichzusetzen. Laut Statistischem Bundesamt sind schätzungsweise die Hälfte dieser beanspruchten Areale versiegelt, denn enthalten sind in dieser Kategorie ja auch Freiflächen wie Sportplätze, Friedhöfe und Gärten.

Fürs Wohnen werden im Kreis Ahrweiler rund 2140 Hektar beansprucht und 365 Hektar für Gewerbe und Industrie. Rechnet man die Flächen für Wohnungen, Straßen und Betriebe auf die im Kreis lebenden 127.770 Menschen um (Stand: 31.12.2015), kommt man auf 839,2 bebaute Quadratmeter pro Nase. Da liegt der Landkreis schlechter als der Bundesdurchschnitt mit 597,1 Quadratmetern.