Nachfolge-Bad für das Twin in Bad Neuenahr

Wünsche der Besucher tauchen in Entwürfen auf

KREISSTADT. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler praktiziert Bürgerbeteiligung für alle Generationen. Stadtrat entscheidet am 27. März darüber, wie das Nachfolge-Bad für das Twin aussehen und wie es ausgestattet werden soll.

Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene sind gleichberechtigte Besucher auch eines neuen Hallenbades in Bad Neuenahr. Deshalb machte die Kreisstadt bereits beim Moderationsverfahren, ob und wo ein neues Hallenbad als Ersatz für das bisherige Twin-Hallenbad gebaut wird, keinen Unterschied. Beide Gruppen waren in das Moderationsverfahren eingebunden, machten ihre Vorschläge in Workshops, schauten, wo gespart werden kann, und brachten auch Vorschläge zur Finanzierung ein.

Diesen Weg beschreitet die Stadt konsequent weiter. So war nach der Vorstellung der ersten Pläne am Montag im Haupt- und Finanz- sowie im Sportausschuss am Mittwochabend die Meinung der jungen Generation und der Erwachsenen zu den Plänen gefragt. Basisdemokratie für die Erwachsenen, Lehrstunde in Demokratie für die Jugend.

Dazu stellten die Architekten Sebastian Neuhaus und Alexandra Kreuter die Pläne für das neue Bad mit 25-Meter-Becken mit Hubboden und Sprungbereich, Lehrschwimmbecken für Nichtschwimmer und Kinderbecken – alle aus Edelstahl – vor. Und fanden Anerkennung dafür, dass Wünsche wie 30-Meter-Rutsche, Drei-Meter-Turm und Ein-Meter-Sprungbrett sich in den Entwürfen wiederfinden.

Unter der Moderation von Piet Sellke, den die meisten schon aus dem Beteiligungsverfahren im vergangenen Jahr kannten, ging es nach der Präsentation an Stellwänden ins Detail. „Auf jeden Fall zufrieden“ oder „hört und sieht sich gut an“ waren Kommentare junger Kreisstädter, die aber auch konkrete Ergänzungswünsche hatten. So der nach überdachten Fahrradstellplätzen oder einer zusätzlichen Zuwegung aus Richtung Are-Gymnasium.

„Alles machbar“, sagte Planer Neuhaus, der seit 16 Jahren Schwimmbäder baut. Ebenso wurde der Wunsch nach schattigen Plätzen im künftigen Freibad laut. Dem soll mit neuen Bäumen und einer Schattenpergola, die auch als Ruhezone dienen soll, entsprochen werden. Und ganz oben auf der Wunschliste der gut anderthalb Dutzend Kinder und Jugendlichen: Zebrastreifen, um heil über die Straße zu kommen.

Dass es im Freibadbereich kein Kleinkinderbecken mehr geben soll, fand keinen Widerspruch. Denn ein solches ist im Hallenbad vorgesehen und kann von draußen durch im Sommer wegschiebbare Glaswände erreicht werden. Und dass die bisherige Südwiese zur Refinanzierung verkauft werden soll, fand keinen Widerspruch. „Denn wenn das bisherige Hallenbad abgerissen wird, wird die neue Wiese in etwa die Größe der bisherigen haben“, sagte Neuhaus. Währen der Bauphase soll sie teilweise mitgenutzt werden können. Und wichtig für die jungen Kreisstädter: Bis auf ein Zeitfenster von einigen Monaten in der Endphase des Baus kann das bisherige Hallenbad genutzt werden. Auch darauf wurde aus finanzieller Sicht während des Moderationsverfahrens Wert gelegt.

Knackpunkt für die knapp 100 Erwachsenen war, dass es keine Sauna mehr gibt. Aber auch dieses war im Moderationsverfahren bereits erörtert worden. Nur einige Katzensprünge weiter stehen die Saunen der Ahr-Thermen zur Verfügung. Dass es Abstriche gegenüber dem bisherigen Hallenbad geben wird, war den meisten schon bei der Präsentation der Ergebnisse des Beteiligungsverfahrens in der Konzerthalle des Kurparks klar gewesen.

Deshalb hat das Sportbecken auch vier und nicht die noch einmal als Wunsch vorgetragenen fünf Bahnen. Mit Blick auf Familien wird es im neuen Hallenbad neben den Standardumkleiden auch größere Kabinen für Mütter mit Kindern geben. Zudem sind alle Zuwegungen und Gänge im und am neuen Hallenbad so geplant, dass weder Menschen mit Rollstuhl noch mit Rollator Probleme haben, erklärte Planer Neuhaus zu Bedürfnissen auch der älteren Generation.

Eigentlich durch die Moderation längst aus der Diskussion, wurde als Kritikpunkt der Verkauf der Südwiese zur Finanzierung des neuen Bades genannt. Da wünschten sich einige Bürger, dass sie „nicht mit Häusern bebaut wird“. Dennoch sei das Ergebnis ein Kompromiss, „mit dem man leben kann“.

Fakt ist: Zur Finanzierung wird sich die Stadt von Grundstücken trennen und alle Zuschussmöglichkeiten bei Kreis und Land ausreizen. Auch will die Stadt bei den Nachbarkommunen Beteiligungsmöglichkeiten ausloten. Denn wenn das neue Twin steht, wird es das einzige kombinierte öffentliche Hallen- und Freibad im Kreis Ahrweiler sein.

Nächster Schritt auf dem Weg zum neuen Bad ist die Ratssitzung am Montag, 27. März. Dort sollen die Anregungen beider Veranstaltungen einfließen. Und auf eine Entscheidung über einen Wunsch der Kinder darf man gespannt sein: Gibt es im neuen Bad für Geburtstagskinder neben dem bisherigen freien Eintritt auch ein vom Bürgermeister spendiertes Eis?