Ahrtor in Ahrweiler

Vor 60 Jahren wurde das Ahrweiler Ahrtor wiederaufgebaut

AHRWEILER. 110.000 Euro hat sich die Kreisstadt in den vergangenen Monaten die Sanierung des Ahrweiler Ahrtores kosten lassen. Pünktlich zum Diamantjubiläum erstrahlt es in neuem Glanz.

Rechtzeitig zum Diamantjubiläum des Wiederaufbaus 1957 erstrahlt das im Jahr 1297 als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung errichtete Wehrtor in neuem Glanz und soll 2022 nach Innensanierung auch Schmuckstück und Aktionsfläche der Landesgartenschau werden.

60 Jahre ist der Wiederaufbau her. Der ging auf die Initiative der Ahrweiler Bürger zurück, denn nach dem Bombenangriff vom 29. Januar 1945 stand vom Ahrtor nur noch der Rumpf, die Ahrhutstraße war ein Trümmerfeld.

Das große Aufräumen stand an. Neubeginn nach der Stunde Null. Motor war der damalige Bürgermeister Christian Ulrich. Seine Devise für die zerstörte Altstadt: „Wer wieder Fachwerk baut, bekommt das Holz gratis aus dem Stadtwald.“ Ein Umstand, dem das heutige Stadtbild zu verdanken ist.

Traurig war jedoch das Stadtbild rund um das Ahrtor. 1949 waren die Trümmer, die der Krieg zurückgelassen hatte, im Wesentlichen geräumt. Dennoch, den Ahrweiler fehlte ihr Tor, auf das sie immer stolz gewesen waren. So lud Ulrich für den Sommer 1949 zur Bürgerversammlung ein. Ergebnis: Der Heimatverein Alt-Ahrweiler wurde gegründet, Ulrich dessen erster Vorsitzender. Und auch das Ziel des Vereins wurde in der Satzung fixiert. Dazu gehörten Erhalt und Pflege historischer Bauten und Anlagen wie auch die Förderung des heimischen Brauchtums, ergo auch der Wiederaufbau des historischen Tores.

Der Grundstock für den Wiederaufbau kam aus Brasilien. Der dort hin ausgewanderte Ahrweiler Unternehmer Heinrich Kreutzberg stellte mit 1000 Mark einen ersten „Baustein“ zur Verfügung, verfünffachte diesen später. 1000 Mark von 1950 entsprechen in etwa einer Kaufkraft von heute 4500 Euro. 11 000 Mark kamen von Josef Kreuzberg aus Hamburg, und Spendengelder von ehemaligen Ahrweiler Bürgern aus den Verinigten Staaten kamen an der Ahr an. Und auch der Heimatverein trieb 14.500 Mark auf.

Die Arbeiten für den Wehrgang im Westen des Ahrtores wurden schon 1956 begonnen.

Die Arbeiten für den Wehrgang im Westen des Ahrtores wurden schon 1956 begonnen.

 

Umstände, die dazu führten, dass Stadt und Land sich neben Unternehmen der Region und Ahrweiler Vereinen ebenfalls in den Wiederaufbaufonds einbrachten. So wurde 1957, zwölf Jahre nach seiner Zerstörung, das Ahrtor wieder aufgebaut. Dabei brachten sich nicht nur Unternehmen und Bauhof der Stadt ein, ehrenamtliche Helfer gab es etliche, darunter viele aus den Junggesellenvereinen der Stadt. An die Spender und Helfer von einst erinnern heute zwei Gedenktafeln, die in die Mauern des Tores eingelassen sind.

Nur so ganz an das einstige Original wurde sich bei den Plänen nicht gehalten. Am rechten Flankenturm entstand ein Durchgang und auch der einstige „Tormund“ unter den beiden oberen Augen-Fenstern samt „Nase“ fiel weg. Dafür wurde zwischen dem linken Flankenturm und dem Bitzenturm auf und an der wiederaufgebauten Stadtmauer ein neuer, überdachter Wehrgang samt Auf- und Abgängen errichtet. Dies mit dem Ziel, die Stadtbefestigung für Touristen, die hießen damals noch Fremde, attraktiv zu gestalten.

Ein Vorhaben, das auch für die Landesgartenschau wieder in Planung ist. Denn dann soll der bislang verschlossene Torturm den Besuchern zugänglich gemacht werden. Damit nicht genug. Freunde des Kletterns sollen sich unter Anleitung von Profis aus dem linken oberen Turmfenster abseilen Geschichte hautnah erleben können.

Den Heimatverein gibt es heute noch, erfolgreicher denn je. Denn er kümmert sich unter Vorsitz von Wilbert Herschbach neben den 1949 formulierten Zielen auch um den Erhalt eines weiteren herausragenden Denkmals: die Dokumentationsstätte Regierungsbunker.