Dorfgemeinschaftsverein Berg

Vischel liegt Helmut Kündgen am Herzen

VISCHEL. Helmut Kündgen steht seit 2001 an der Spitze des Dorfgemeinschaftsvereins Berg und erklärt, warum ihm die Ortsgemeinde Berg und ihr einstiger Mittelpunkt, der Ortsteil Vischel, am Herzen liegen.

Die Bank auf dem Friedhof in Vischel mit den hohen Bäumen und mächtigen Büschen gehört zu seinen Lieblingsplätzen. „Ich bin mit der Vischel aufgewachsen“, erzählt Helmut Kündgen (76). „Mein Opa war hier Küster und Organist, er ist hier auf dem Friedhof begraben, mein Vater ist 1911 in der Alten Schule geboren.“

„Vischel“, so heißt nicht nur der kleine Fleck am Ende einer im Dorf Berg abzweigenden Sackgasse. „Vischel“ nennen die Dorfbewohner auch die 1222 erstmals erwähnte Kirche Sankt Nikolaus, einen behäbigen, hohen Backsteinbau mit spitz aufragendem Schiefertürmchen und der 1905 angebauten Gruft des Reichsgrafen Busso von Wolff Metternich. Vischel war einst geistiger und religiöser Mittelpunkt der gesamten Gemeinde Berg, zu der außer dem Dorf Berg auch die Orte Freisheim, Krälingen, Häselingen, Vellen sowie das Forsthaus Weißerath gehören. Dass Vischel Mittelpunkt war, ist allerdings längst Geschichte.

Es ist auch Helmut Kündgens Geschichte, der vom Dorf Berg aus Sonntag für Sonntag die paar Kilometer runter musste zum „Dienen“ in der Vischel, auch an Wochentagen, wenn vor der Schule Messe war. Falls der Pfarrer dann auf dem Rückweg mit seinem Auto im Schlamm der unbefestigten Straße stecken blieb, mussten die Jungs anschieben. Hatte der Schlamm ihre Kleidung über und über verdreckt, gab’s zum Lohn statt Mitfahrgelegenheit vom Pfarrer Ohrfeigen. Kündgen erzählt das ohne Zorn. „Ich bin hier zur Kommunion gegangen, war Messdiener, ich bin mit der Vischel aufgewachsen“, sagt er.

Der Dorfverein hat 180 Mitglieder

Er liebt den Fleck am Waldrand, umgeben von hügeligem Grünland, mit der Burg, dem alten Pfarrhaus, das später Schullandheim war und jetzt eine Forstverwaltung beherbergt, und den beiden aneinander gebauten Häusern an der Straße. Eines war früher die Schule, zu der alle Kinder der Gemeinde durch Wald und unwegsames Gelände laufen mussten, bis 1902 in Freisheim und später in Berg Schulen gebaut wurden. Krälingen hatte schon seit 1862 eine Schule. Die alte Pfarrkirche in Vischel wurde 1956 außer Funktion gesetzt.

Dass das ungewöhnliche Ensemble im Vischeltal mit Wegzug von Schule und Kirche nicht dem Verfall preisgegeben wurde, ist auch Helmut Kündgen zu verdanken. Nach Verlegung der Pfarrkirche nach Freisheim hatte sich niemand mehr intensiv um die alte „Vischel“ gekümmert, die nach wie vor dem Bistum Trier gehört. In Berg kam die Idee auf, einen Dorfverein zu gründen, Kündgen war mit dabei, und schnell hatte es geheißen: „Dann musst du auch den Vorsitz machen."

Das war 2001, und Kündgen hat den Job noch immer. Er ist dankbar, dass im Dorfverein mit seinen derzeit 180 Mitgliedern immer Leute sind, die kräftig anpacken. „Ohne den Dorfverein sähe es erbärmlich aus, eine Einzelperson hätte es nicht geschafft, alles in Ordnung zu halten“, sagt er. Wieder stehen Reparaturen des Holzzauns und Arbeiten an den Wegen an. Kündgen ist der Motor, wenn es darum geht, Geld für Instandhaltungen aufzutreiben.

Denkmal der Weltkriege konnten saniert werden

So konnte zwischen 2007 und 2009 das Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege auf dem Friedhof saniert werden, zwei Jahre später war sogar Geld da für die Wiederherstellung der beiden Soldatenfiguren, denen im Laufe der Jahre Köpfe und Arme abhanden gekommen waren. „Freiherr Holzschuher von Harrlach, der Schlossherr, hat die Hälfte der Kosten übernommen, den Rest haben wir irgendwie zusammengebettelt“, erinnert sich Kündgen.

Die Arbeit an den Außenanlagen teilt er sich mit dem Geschäftsführer des Dorfvereins, Peter Simons. So werden die sechs Soldatengräber weiter gepflegt und die Gedenktafeln neu beschriftet, die Grünflächen und Kieswege rund um die Kirche und zwischen den Gräbern frei gehalten und das Gebüsch geschnitten. Neu beschriftet werden die alten Wegekreuze an den früheren Kirchwegen. „Man hat immer was zu tun“, weiß Kündgen. Die Alte Schule beherbergt mittlerweile großzügige Ferienwohnungen.

Zu den Höhepunkten im Jahr gehört das Adventskonzert der Vischeltaler, zu dem die Kirche noch einmal geöffnet wird. Mittelpunkt ist das Gotteshaus auch alle zwei Jahre, wenn Christen aus der gesamten Gemeinde Berg dorthin eine Sternwallfahrt machen. Ganz groß heraus kommt Vischel jeweils am Montag der Martinskirmes, wenn der Pfarrer die Gräber segnet, sich manchmal 100 Menschen versammeln, die Junggesellen einen Kranz niederlegen und das Lied ertönt: „Ich hatt‘ einen Kameraden.“