Bäckerhandwerk in Ahrweiler

Vier von fünf Brötchen werden ausgezeichnet

Brotprüfung der Bäckerinnung: Obermeister Rolf Genn (links) mit Testexperte Karl-Ernst Schmalz.

Brotprüfung der Bäckerinnung: Obermeister Rolf Genn (links) mit Testexperte Karl-Ernst Schmalz.

KREIS AHRWEILER. Einer freiwilligen Qualitätskontrolle unterziehen sich Betriebe der Bäckerinnung des Kreises Ahrweiler Jahr für Jahr. Nicht alle 24, aber immerhin ein Drittel waren es in diesem Jahr.

Sie reichten die stattliche Zahl von 82 Backwaren zur Brot- und Brötchenprüfung, die in der Ahr-Akademie in Ahrweiler stattfand, ein. Das waren wesentlich mehr Artikel als in den vergangenen Jahren und im wahrsten Sinne des Wortes „zuviel des Guten.“

Denn Prüfer Karl-Ernst Schmalz von der „IQ Back“ schafft am Tag nur rund 60 Prüfungen. Erst in den kommenden Tagen werden drei Bäckereien demnach erfahren, wie ihre Brote abgeschnitten haben.

Die Aussichten sind auf jeden Fall rosig, denn unter den bereits geprüften Waren erhielten drei von vier Broten ein „Sehr gut“ oder „Gut“, bei den Brötchen wurden sogar 80 Prozent mit diesen Noten bewertet.

Neue Ära in der Backwelt

Die Masse der eingereichten Proben zeigte deutlich, wie sich die Vielfalt im Backgewerbe geändert hat. Längst sind die Zeiten von Grau-, Schwarz- und Weißbrot sowie Brötchen als einziges Angebot vorbei.

Heute ist das Sortiment wesentlich umfangreicher und vielfältiger, die Backmischungen ausgeklügelt und immer wieder neu. Kosakenbrot, Eifler oder Heidebrot, Fitness- oder Frühlingsbrötchen; riesig ist das Angebot, das von den Handwerksbetrieben ins Regal gelegt wird.

Voraussetzungen für den Qualitätstest

Gerade das Brot schmeckt auch noch, wenn es schon einen Tag alt ist. Das ist nämlich Voraussetzung, um am Qualitätstest teilnehmen zu können. Auch die Brötchen müssen den Ofen schon sechs Stunden zuvor verlassen haben, ehe sie auf eine Fülle von Kriterien hin untersucht werden.

Da geht es um Form und Aussehen, Oberflächen- und Krusteneigenschaft, Lockerung und Krumenbild, Struktur und Elastizität sowie Geruch und Geschmack. Erst wenn eine bestimmte Punktzahl erreicht ist, gibt es eine gute Note. Und dafür gab oder gibt es dann eine Urkunde. Hiermit können die Bäcker ihre Produkte nun drei Jahre lang bewerben. Wurde die volle Punktzahl nicht erreicht, dann gab es Tipps vom Fachmann, wie man das Brot oder Brötchen noch optimieren kann.

Marcel Hürter überreicht Urkunden

Überreicht wurden die Urkunden vom Landtagsabgeordneten Marcel Hürter. Der stellte dabei auch die Frage, wie denn wohl ein Industriebrötchen vom Discounter oder der Backwarenkette bei der Prüfung abschneiden würde. Karl-Ernst Schmalz wies auf eine Begebenheit hin, als er einmal Brötchen vom Discounter prüfen ließ, die nach zwei Stunden schon hart waren. Gut möglich, dass diese auch ein zweites Mal aufgebacken worden waren. Auf alle Fälle seien die Rohlinge, aus denen die Backwaren erstellt werden und die oftmals weite Wege aus Asien oder Afrika hinter sich haben, wesentlich älter als die Brot- und Brötchenteige traditioneller Bäcker.

Ob sich so der Prozess des Verschwindens regionaler Bäckereien aufhalten lässt, ist fraglich. Rund 11.000 Bäckermeister sind in Deutschland noch mit Geschäften präsent. Vor 30 Jahren waren es noch rund 30 000. Jüngste Schätzungen gehen von einem Rückgang auf 5000 Betriebe aus.