Ahrweiler St. Sebastianus Bürgerschützen

Umzug mit dem Museum in die Ahrweiler Blankartsscheune

Im Interview, das GA-Redakteurin Marion Monreal mit Hauptmann Willi Busch (links), Peter Diewald und Jürgen Knieps (rechts) führte, ging es ums geplante "Haus der Schützen".

AHRWEILER. Es ist das wohl ehrgeizigste Projekt, das die Ahrweiler Sankt Sebastianus Bürgerschützen in ihrer mehr als 600-jährigen Geschichte anpacken. Seit 1. Januar ist die Gesellschaft mit ihren 703 Mitgliedern offiziell Besitzer der ehemaligen Blankartsscheune "Auf der Rausch" in Ahrweiler, in der bislang die Malschule Roos ihren Sitz hatte.

Dort soll noch in diesem Jahr das "Haus der Schützen" eröffnet werden, voraussichtlich mit dem einzigen Museum zum Thema Schützenwesen in ganz Rheinland-Pfalz im Erdgeschoss sowie einem Veranstaltungsraum für bis zu 40 Personen im Obergeschoss. Das Vorhaben stand auch im Mittelpunkt des Patronatsfestes, bei dem das Ahrweiler Bürgercentrum mit mehr als 400 Schützenbrüdern bis zum letzten Platz gefüllt war.

Weil einmalige Projekte auch einer besonderen Präsentation bedürfen, hatte sich der Vorstand sachkundige Unterstützung gesichert, um den Mitgliedern das Ganze nachvollziehbar vorzustellen. Marion Monreal, Redakteurin des Bonner General-Anzeigers, entlockte Hauptmann Willi Busch, Schatzmeister Jürgen Knieps und Chronist Peter Diewald in einem kurzweiligen Interview alles Wissenswerte rund um das künftige Domizil.

Als "Ahrhöde Mädche" mit zur Niederhut gehörendem Redaktionssitz hatte sie leichtes Spiel und fragte gleich zu Beginn: "Wie kam es zu dieser weitreichenden Entscheidung?" Busch erläuterte, dass man sich zwar als Untermieter des Heimatsvereins Alt Ahrweiler in der Alten Stadtwache, die der Stadt gehört, immer wohlgefühlt habe, "doch es war uns immer bewusst, dass wir letztlich vom Wohlwollen anderer abhängig sind".

Der Kauf dieses Gebäudes habe sich als "zwei Nummern zu groß" erwiesen. Als dann plötzlich die alte Scheune zum Verkauf stand, habe man die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, "denn so ein Angebot gibt es nur einmal im Leben", so Busch. Am einstimmigen Beschluss sei nicht nur der Verwaltungsrat, sondern ein 30-köpfiges Gremium mit Mitgliedern aus allen Zügen beteiligt gewesen.

Schatzmeister Jürgen Knieps rechnete vor, dass die Bürgerschützen alles in allem rund 145.000 Euro investieren müssten, um ihr künftiges Domizil von der Stadt zu kaufen und umzubauen. "Und das alles ohne Beitragserhöhung und ohne Zwangsabgabe für die Mitglieder", versprach Knieps. Oberste Prämisse sei immer gewesen, die Mitglieder nicht zusätzlich zu belasten.

Dank des schützeneigenen Weinbaus, der schon seit 400 Jahren Erträge abwirft, habe man gute Rücklagen bilden können. Den Rest werde man über ein normales Baudarlehen aufbringen. Außerdem würden Spenden von Mitgliedern und Unterstützern eingeworben, mittlerweile hätten 250 Personen und Firmen insgesamt schon 13.000 Euro beigesteuert.

"Jeder weitere Obolus ist herzlich willkommen", so Knieps. Ein besonderer Dank galt dem Heimatverein Alt Ahrweiler, der einen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro spendiert hatte. Außerdem wollen laut Knieps auch die Junggesellen-Schützen sowie die Aloisius-Jugend das Projekt im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen.

Beim Bauen selbst kann die Bürgerschützen-Gesellschaft auf die Unterstützung ihrer Mitglieder zählen. "Wir hoffen auch auf die berühmte Muskelhypothek der Mitglieder, da ist jeder aufgerufen, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu beteiligen", so Diewald. Schließlich müssten die Sanitäranlagen erneuert, die Küche modernisiert, der Holzboden und die Wände renoviert werden.

Für die Exponate des Museums müssen zudem noch Einbauschränke hergestellt werden. Unter Zeitdruck will sich Busch jedoch nicht setzen lassen, "denn wenn wir etwas machen, dann ordentlich". Deshalb steht auch noch kein Eröffnungstermin fest. Immerhin habe die Feuerwehr bereits Hilfe beim Umzug zugesagt.

Im Erdgeschoss des malerischen Gebäudes soll ein Museum für alle drei Ahrweiler Schützengesellschaften entstehen. Ein Konzept dafür wird derzeit in eigener Regie entwickelt, allerdings mit professioneller Hilfe, unter anderem vom Museumsverband Rheinland-Pfalz und der Leiterin der Dokumentationsstätte Regierungsbunker, Heike Hollunder.

Das Motto laute dabei: "Weniger ist mehr!" Allerdings müssten sämtliche Exponate zunächst digitalisiert und inventarisiert werden, damit man sie auf Computerdisplays interaktiv erlebbar machen könne. Wünschenswert seien künftig beispielsweise Grundschul-Führungen und Sonderausstellungen zu verschiedenen Aspekten des Schützenwesens - "aber das alles ist noch nicht zu Ende gedacht", gab Busch zu.

Zuvor hatte er einen Rückblick auf seine nunmehr zehnjährige Amtszeit als Hauptmann gegeben und angekündigt, im März ein letztes Mal zu kandidieren. Grußworte sprachen auch Bürgerschützenkönig Edgar Flohe, Bürgermeister Guido Orthen und Präses Jörg Meyrer, der vor dem Patronatsfest die Messe in Sankt Laurentius im roten Messgewand mit dem Bildnis des heiligen Sebastianus gehalten hatte, das die Gesellschaft der Pfarrgemeinde 2004 gestiftet hatte.

Ehrungen

Heinz Schmickler spielt schon seit 65 Jahren im Tambourcorps; das Weingut Adeneuer der Brüder Frank und Marc betreut seit 25 Jahren die Weinberge der Gesellschaft.

Vorgestellt wurden zudem die Neuaufnahmen: Gerhard Aymanns (Königsglied), Manfred Dücker (Hauptmannsglied), Thomas Holzberger (Tambourcorps), Marco Knieps und Andreas Pleß (Jägercorps), Rainer Kronen und Pierre Scosceria (Oberleutnantsglied) sowie Stefan Bongart, Johannes Stieber, Johannes Tempel und Markus Trautz (Fähnrichsglied).