Bäderstreit in Bad Neuenahr

Twin-Karten werden neu gemischt

Blick von oben: Das Hallen- und Freizeitbad Twin in Bad Neuenahr. FOTO: GAUSMANN

Blick von oben: Das Hallen- und Freizeitbad Twin in Bad Neuenahr.

KREISSTADT. "Beide Varianten kommen noch einmal auf den Tisch und am Ende soll ein neuer Ratsbeschluss stehen, der dann auch bürgerentscheidfähig ist." Das sagte am Donnerstagnachmittag Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen.

Er läutete quasi einen Neustart der Debatte um die Zukunft des Hallen- und Freizeitbades Twin in Bad Neuenahr ein. Die Karten werden neu gemischt.

Die städtischen Gremien sollen sich noch einmal mit einer Sanierung des Hallen- und Freizeitbades Twin beschäftigen. Das haben der Haupt- und Finanzausschuss sowie der Sportausschuss gemeinsam dem Stadtrat empfohlen. Wobei die Diskussion und der Entscheidungsprozess ergebnisoffen zu führen seien.

Der Stadtrat wird nun in seiner öffentlichen Sitzung am kommenden Montag, 22. Juni, ab 18.30 Uhr nicht nur - wie zunächst vorgesehen - über die Ausstattung eines Neubaus, sondern auch über die weitere Vorgehensweise in der Gesamt-Thematik zu entscheiden haben. Für diesen Abend hat die Bürgerinitiative angekündigt, ab 18 Uhr vor dem Rathaus erneut Flagge für den Erhalt des Twins zeigen zu wollen.

Bürgermeister Guido Orthen erklärte dazu gestern Nachmittag: "Rat, Verwaltung und Öffentlichkeit haben in Sachen Twin beziehungsweise Neubau eines Hallenbades schon einen sehr langen Diskussionsprozess hinter sich. Der Prozess war zu lang. Aber in Anbetracht der Bedeutung des Projekts und der Höhe der zu finanzierenden Kosten sind Offenheit und Klarheit das höchste Gebot. Da kann es auf ein halbes Jahr nicht ankommen. Aus Gründen der Aktualität und auch der Transparenz halte ich es für sinnvoll, die Entscheidung 'Sanierung oder Neubau' noch einmal auf den Prüfstand zu stellen."

Wie berichtet, soll das den bisherigen Entscheidungen zugrunde liegende Sanierungsgutachten aus dem Jahre 2010 überarbeitet werden. Für die objektive Darstellung aller Fakten und eine neuerliche Bewertung seien vor allem aktuelle Zahlen notwendig, hieß es aus dem Rathaus. Ziel sei es, für eine Sanierung am bestehenden Standort ebenso wie für den Neubau jeweils aktuelle Kostenwerte sowohl für die notwendigen einmaligen Investitionen als auch für die laufenden Folgekosten zu erhalten. Das nutze auch der öffentlichen Diskussion.

Öffentlich sollen dann diese Ergebnisse bei einer Informationsveranstaltung vorgestellt und diskutiert werden. Orthen: "Neue Aspekte, die dann zur Sprache kommen, können noch in die Bewertung eingehen." Dann sei wieder der Stadtrat am Zug. Dieser müsse dann entscheiden, ob am alten Standort saniert oder am Standort Bachem neu gebaut wird. Voraussetzung für beide Varianten ist aber weiterhin, dass die Finanzierung des Projektes gesichert ist. "Die Finanzierung bleibt die größte Herausforderung des Projekts", sagte der Bürgermeister.

Für die Initiative "Rettet das Twin" erklärte Marion Morassi gestern gegenüber dem General-Anzeiger: "Noch ist es nicht zu spät, gemeinsam mit der Bevölkerung und dem Stadtrat zu einer für alle Beteiligten und für die Stadt bezahlbaren Lösung zu kommen." André Schild von der BI ergänzt, dass er auf bis dato "vermisste Transparenz" hoffe. Auch werde die Initiative einen mit Orthen vereinbarten Ortstermin in den nicht öffentlich zugänglichen Bereichen des Twin wahrnehmen: "Da werden wir einen uns bekannten Statiker mitnehmen." Die jetzt eingetretene Wende finde er toll.

Chronologie zum Twin

Dezember 2008: Am Twin werden bei einer Überprüfung bislang unbekannte Schäden festgestellt.

Juli 2009: Der Rat gibt angesichts prognostizierter 7,4 Millionen Euro Sanierungskosten eine vergleichende Wirtschaftlichkeitsberechnung in Auftrag: Sanierung oder Neubau.

Juni 2010: Nach Vorliegen des Gutachtens empfiehlt der Haupt- und Finanzausschuss dem Rat, die Sanierungsüberlegungen aufzugeben.

April 2012: Hallenbad und Rutsche werden wegen Problemen mit der Decke vorübergehend geschlossen.

Mai 2012: Der Rat verabschiedet sich von der Sanierung, Prüfaufträge zum Neubau.

Juli 2013: Der Rat beschließt Standortuntersuchungen für einen Neubau.

2014: Standortuntersuchungen, Befragungsaktion.

Anfang 2015: Sportentwicklungsanalyse Sportakademie Trier.

23. März: Der Rat votiert für ein neues Hallenbad am Standort Sportplatz Bachem.

11. Mai: Während der Stadtrat im Ratssaal das Architektenverfahren für den Neubau eines Hallenbades in Bachem beschließt, demonstrieren vor dem Rathaus gut 30 Mitglieder der Bürgerinitiative "Rettet das Twin" für dessen Erhalt.

Ende Mai: Per Brief ans Rathaus wehrt sich die Bürgerinitiative gegen die Twin-Pläne der Stadt.

7. Juni: Die Grünen im Stadtrat begrüßen das Engagement der Bürgerinitiative.

16. Juni: Der Bachemer Sportverein beschließt, sich in Sachen Twin auf die Seite der Bürgerinitiative zu schlagen.

18. Juni: Die Stadt kündigt an, erneut in die Diskussion einzusteigen.