Bezirksbundesmeister pro muslimischen Schützenkönig

"Toleranz und Integration leben"

05.08.2014 KREIS AHRWEILER. "Unsere Zukunft kann nur bestehen, wenn wir Toleranz in unserer multikulturellen Gesellschaft zeigen und Integration leben und es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt." Das sagte Sigmund Belz, Bundesmeister des Bundes der Deutschen Historischen Schützenbruderschaften (BDHS) im Bezirk Rhein-Ahr.

Konkret geht es dabei um den Fall, dass im nordrhein-westfälischen Werl-Sönnern der muslimische Schützenbruder Mithat Gedik die Königswürde der Sankt-Georg-Schützen errungen hat. Das hatte für eine Konfrontation des Vereins mit dem BDHS gesorgt, die der NRW-Integrationsminister Guntram Schneider als "Peinlichkeit, die es aus der Welt zu schaffen gilt" bezeichnet hatte (der GA berichtete).

Laut Belz sind bei dem Fall "zwei Dinge ganz besonders zu beachten". Der Verein sei Mitglied im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften und damit an die Satzung des Dachverbandes gebunden. Diese Satzung des Bundes sehe die Mitgliedschaft eines nicht einer Christlichen Glaubensgemeinschaft angehörenden Menschen nicht vor.

"Aber", so Belz: "Zum anderen geht es in dem Fall um wohltuendes, gelebtes, aktives und vor allem integratives Vereinsleben, das nicht ausschließt und diskriminiert, sondern vereint. Der Haltung der Werler Schützen, die für ihren König eintreten, kann ich uneingeschränkt zustimmen."

Auch der Vertreter der katholischen Kirche vor Ort, der zuständige Vereinspräses, Propst Michael Feldmann, habe zum Thema Schützenkönig Mithat Gedik erklärt: "Wir haben kein Problem mit ihm." Problematisch werde es sicher dann, wenn der Verein versuche, den Schützenkönig zum Bezirkskönigsschießen anzumelden. "Spätestens hier wird der Verband die Notbremse ziehen", nimmt Belz an.

Der 62-jährige Chef von rund 2000 Schützen an Rhein und Ahr findet: "Es wird höchste Zeit, dass sich die Schützen für Zuwanderer öffnen." Es stelle sich dabei die Frage, "wie lange wir große Teile der Bevölkerung noch außen vor lassen können". Klar sei aber auch: "Ein Verein braucht Werte."

Diese sind für den Bezirksbundesmeister aber nicht nur an einen einzigen Glauben gekoppelt. "Gemeinschaft, Solidarität, Respekt - das sagt einem Muslim oder einem anders Gläubigen genauso etwas wie einem Christen", erklärte der Heimersheimer, der sowohl in seinem Heimatort als auch in Ahrweiler als Schützenbruder bei den Sebastianern geschätzt wird,  am Dienstag. Und: "Wir wir sollen nicht vergessen, wir haben alle einen Gott, egal welche Glaubensrichtung wir betrachten."

Nach dem Vereinsrecht sind, so der Bundesmeister, die Mitgliedsvereine für ihre Satzung selbst verantwortlich. In vielen Bruderschaften stehe die Verbreitung und Festigung des christlichen Glaubens als Zweck in der Satzung. Belz: "Trotzdem gehen nicht alle streng nach katholischer Kirchenlehre in die Kirche." (Günther Schmitt)