Ausstellung der "Nummer gegen Kummer"

Telefonseelsorge zeigt von Kindern gemalte Bilder

Mit den Kinderbildern (v.l.): Hans-Jürgen Juchem, Lena Saltzmann, Björn Zentner, Marion Surrrey, Celina Thiel und Angelika Walscheid.

Mit den Kinderbildern (v.l.): Hans-Jürgen Juchem, Lena Saltzmann, Björn Zentner, Marion Surrrey, Celina Thiel und Angelika Walscheid.

BAD NEUENAHR. Seit 40 Jahren erreichen Hilfesuchende unter der 0800/111-0-111 Menschen mit einem offenen Ohr. Nun hat das Bad Neuenahrer Mehrgenerationenhaus der Telefonseelsorge eine Ausstellung mit von Kindern gemalten Bildern gewidmet.

Unter einem großen, roten, gemalten Herz steht: „Wenn man jemanden vermisst, ist man traurig. Wenn man keinen vermisst, ist man glücklich. Wenn man traurig ist, kann man mit jemandem sprechen oder telefonieren. Dann kann man wieder fröhlich sein.“ Was ein Fünfjähriger formuliert hat, passt perfekt in die Kinderbilder-Ausstellung „Wenn ich traurig bin“ zum Thema Telefonseelsorge (TS), die jetzt im Bad Neuenahrer Mehrgenerationenhaus eröffnet wurde. Der Flur hinauf in die erste Etage ist gestaltet mit Bildern der Vorschulkinder der evangelischen Kindertagesstätte Arche Noah, die dort im Haus der Familie unter Leitung von Marion Surrey ebenfalls untergebracht ist.

Zusammen mit der TS, die vor 40 Jahren in der Kreisstadt als gemeinnütziger Verein gegründet wurde (der GA berichtete), entstanden berührende Bilder mit Kommentaren der Kleinen. Sie stellten Situationen dar, in denen sie sich vorstellen konnten, die „Nummer gegen Kummer“ anzurufen. Die Gemälde und Texte erlauben, dass der Betrachter eintaucht in die Gefühls- und Gedankenwelt der Kinder. „Bei dieser Thematik haben wir gedacht, 'Das ist was für große Menschen'“, sagte Lena Saltzmann, TS-Vorsitzende bei der Vernissage. „Doch wir alle haben erfahren, dass Kinder Spezialisten sind für Traurigkeit und Trösten. Sie entwickeln Empathie und lernen, sich in andere hineinzufühlen.“

„0800 111 0 111 – die Nummer kann ich anrufen, wenn ich Probleme habe“, schrieb ein sechsjähriges Mädchen unter die mit roten Herzen verzierte Kontaktnummer der TS: „Zum Beispiel, wenn mein Bruder mich schlägt oder wenn ich traurig bin, weil mein Papa keine Arbeit hat.“

Auch Arche-Noah-Erzieherin Angelika Walscheid, Kita-Leiter Björn Zentner und der Kreisstadt-Beigeordnete Hans-Jürgen Juchem wohnten der bis zum 28. Juni geöffneten Ausstellung bei. Sie wussten, wie wichtig es für Kinder ist, über ihre Probleme zu sprechen, „rückt doch später in der Schule das Thema Suizid sehr nah“, fand Zentner. „Die Thematik ist alterslos. Viele Menschen – ob jung oder alt – leben allein, haben kaum Ansprache.“

Haus der Familie ist Ort der Begegnung

Surrey betonte, von welcher Bedeutung die offenen Türen und die kurzen Wege im Haus seien: „Wir verfügen über ein gutes Netzwerk, können in Krisensituationen vermitteln. Das gilt nicht nur für die TS, sondern beispielsweise auch für den Weißen Ring.“ Bilden Anonymität und Diskretion oberste Priorität in der Arbeit der TS, so habe sich das Haus der Familie in den neun Jahren seines Bestehens zu einem Ort der Begegnung entwickelt, betonte Saltzmann.

„Die Wohnung, aus der heraus wir mit aktivem Zuhören den Menschen in Krisensituationen dabei helfen, Sorgen und Nöte in Worte zu fassen, Klarheit zu gewinnen und Zuversicht aufzubauen, ist geheim. Aber hier im Mehrgenerationenhaus haben wir für Treffen und Fortbildungen eine kleine Heimat gefunden“, sagte die Vorsitzende.

Weitere Termine: Die TS wird am kommenden Wochenende mit einem Stand beim Fest der guten Laune in Bad Neuenahr-Ahrweiler vertreten sein. Die Psychologin Stefanie Stahl hält am Mittwoch, 12. Juni, 18.30 Uhr, im Wohnstift Augustinum, Am Schwanenteich 1, den Vortrag „Das Kind in Dir muss Heimat finden“.