Sicherheit im Ahrkreis

Spürnase auf vier Pfoten in Bad Neuenahr

Sprengstoffspürhund Rita bei der Arbeit: Ausbilder Detlef Zumdiek und sein Vierbeiner nehmen einen Kofferraum unter die Lupe.

Sprengstoffspürhund Rita bei der Arbeit: Ausbilder Detlef Zumdiek und sein Vierbeiner nehmen einen Kofferraum unter die Lupe.

BAD NEUENAHR. Der ausgebildete Hund Rita riecht Sprengstoff meilenweit gegen den Wind. Zur Belohnung winken ihm getrocknete Hühnerherzen. Vor Großveranstaltungen hat Rita einen Job.

Mit viel Temperament und hoch konzentriert ist Rita bei der Sache. Wenn sie ihren Job gut erledigt – und das ist so gut wie immer der Fall – dann wartet schließlich eine ganz besondere Belohnung auf sie: getrocknete Hühnerherzen. Rita ist ein Schäferhund-Malinois-Mix, sie ist darauf getrimmt, Sprengstoff zu finden: Rita ist eine Spürnase auf vier Pfoten.

Ihr Herrchen ist Detlef Zumdiek aus Bad Neuenahr. Der 55-Jährige ist eigentlich gelernter Maler. Ein Faible für Hunde und deren Ausbildung hatte er allerdings schon als Jugendlicher. „Hunde haben mich im Leben immer umgeben“, erklärt er. Irgendwann kam der gebürtige Ostwestfale auf die Idee, aus seiner Leidenschaft eine Profession zu machen.

Nicht zuletzt die Terroranschläge der Vergangenheit, insbesondere im Jahr 2016, waren ausschlaggebend für den Hundefreund, sich zu spezialisieren. „Mich hat der Terror wachgerüttelt“, erinnert er sich. Zumdiek ließ sich schulen, absolvierte in Dresden eine Spezialausbildung. Im Zuge dessen lernte er auch Rita kennen.

Sie war damals zehn Monate alt und gänzlich untrainiert. Rita war ein Zwingerhund, ein unglücklicher Vierbeiner. Schmunzelnd denkt Zumdiek an das erste Zusammensein zurück. „Ich hatte mir wegen meiner Ausbildung eine Ferienwohnung in Dresden gemietet. Rita zog bei mir ein. Ihre erste Amtshandlung war, dass sie alles abgeräumt hat, was in der Wohnung nicht niet- und nagelfest war.“ Eine umfangreiche Erziehung begann. Rita lernte schnell.

„Man kann so manches aus ihr heraus streicheln“, weiß ihr Herrchen. Längst sind Zumdiek und Rita beste Freunde. Zwölf Wochen lang wurde hart trainiert, der Spürsinn des Vierbeiners wurde geschärft. Schnell war klar: Rita hat fast immer den richtigen Riecher.

In Ritas Schnauzenraum liegen die Nasenknochen aufgefältelt zu den „Turbinalia“, die eine große Oberfläche für die Riechschleimhäute bieten. Der Hund besitzt mit 220 Millionen Riechzellen zehnmal mehr als der Mensch. Hunde haben aber nicht nur mehr Riechzellen, ihre Zellen sind auch sensibler als die des Menschen. Und schließlich haben Hunde auch noch die bessere Schnuppertechnik: Um die Riechzellen nicht zu ermüden, atmen sie stoßweise.

Der Hund kann schätzungsweise eine Million verschiedene Gerüche unterscheiden, der Mensch lediglich 10 000 – was schon nicht wenig ist.

Diese Fähigkeit des Hundes nutzen Menschen seit Jahrtausenden. Hunde helfen beim Hüten des Viehs, beim Bewachen des Hauses, beim Jagen von Beute.

Und weil sie Supernasen haben, werden sie auch für besondere Aufgaben genutzt. Sie finden Opfer unter Lawinen oder Trümmern, sie spüren Drogen auf, finden Minen in Minenfeldern. Rita erschnüffelt alle Formen von Sprengstoff. Bis es soweit war, mussten allerdings nicht nur unzählige Trainingseinheiten absolviert werden. Auch galt es, die schwierige Abschlussprüfung zu bestehen. Hund und Herrchen waren erfolgreich. Seither ist das Duo zertifiziert. „Du musst deinen Hund lesen können“, erklärt Ritas „Chef“. Jede Regung des Tieres müsse richtig gedeutet werden. Hat Spürnase Rita etwas Verdächtiges erschnüffelt, dann muss sie sich völlig passiv verhalten. Sie setzt oder legt sich hin und zeigt so den Fund an. Klar: Das verdächtige Objekt darf nicht berührt werden. Explosionsgefahr.

Zumdiek nutzt zur Ausbildung seines Vierbeiners dessen Spiel- und Beutetrieb. Im Training hat er ein Spielzeug, für das Rita besonders empfänglich ist, mit geringen Sprengstoffproben präpariert. Der Hund verbindet den Geruch später positiv mit „Spielen“ und ist so stark motiviert. Die Ausbildung ist hier gleich wie bei einem Drogenspürhund – nur mit anderen Geruchsstoffen.

„Die Gefahrenlagen werden voraussichtlich nicht abnehmen“, ist sich Detlef Zumdiek sicher. Ritas Arbeit werde also auch in Zukunft gefragt sein. Sie wird weiterhin ihre Schnüffelnase in die Angelegenheiten anderer stecken, die in der Regel böse Absichten haben. Ihr nächster „Auftritt“ wird übrigens in wenigen Tagen auf dem Nürburgring sein. Denn bei größeren Veranstaltungen mit großem Publikumsandrang ist Rita nämlich zumindest aus Veranstaltersicht gerne gesehener Gast. Ob Spreng- oder Brandvorrichtungen, Waffen oder Munition: Ihrem Riecher entgeht so schnell nichts. Rita sorgt so für ein gutes Stück mehr Sicherheit.

Ob bei Hauptversammlungen von großen Unternehmen, Firmen-Events, bei großen Sportveranstaltungen, bei Zufahrtskontrollen, beim Werk- oder Personenschutz: Kommissarin Rita leistet mit ihrer Präzisionsnase Präventionsarbeit.

Nähere Informationen unter www.zumdiek-k9.de