GA-Serie "Im Grünen"

So sieht die Zukunft des Kurparks Bad Neuenahr aus

Bad Neuenahr. Der Kurpark von Bad Neuenahr hat eine große Geschichte und eine spannende Zukunft. Beim Gesundwerden und -bleiben hilft er mit Heilkräutergarten und Kneippbecken. Seine alte Bäderarchitektur ist bemerkenswert und bei der Landesgartenschau 2022 soll er eine besondere Rolle spielen.

Peter Josef Lenné (1789 bis 1866) war ein Star in seiner Zeit. Niemand baute so schöne Parks und Gärten wie er. Das neue Heilbad Neuenahr war Mitte der 1850er Jahre noch nicht eröffnet, aber man war sehr, sehr ehrgeizig. Mit Trink- und Badekuren ließ sich viel Geld verdienen. Man wollte hoch hinaus. Was lag also näher, als den Generaldirektor aller königlichen Gärten in Preußen mit einem Entwurf für den Kurpark zu beauftragen? Zumal die Konstellation günstig war. Lenné stammte aus Bonn, war dann mit seinen Eltern nach Koblenz gezogen, bevor er Karriere machte. Und wie es der Zufall wollte, wirkte sein Schwager bei der Heilbad-Gründung kräftig mit.

Unter Verwandten hilft man sich im Rheinland ja gerne mal aus. Lenné machte also im November 1856 einen Plan für das unwirtliche Schotterfeld am Ufer der wilden Ahr, wo man kurz zuvor gleich drei heilkräftige Quellen erbohrt hatte. Park und Quellen sollten zum Kern des neuen Badeortes werden. Das betuchte Publikum, das man zu gewinnen hoffte, pflegte mit dem Glas Heilwasser in der Hand durch den Park zu laufen, um in freier Natur zu trinken. Doch auch wenn die Menschen an der Ahr bis heute vom „Lännepark“ sprechen und der Name des Gartenbaumeisters sehr präsent ist, scheint doch ein erheblicher Teil der Geschichte Legende zu sein.

Hans-Jürgen Ritter ist der Sache nachgegangen und er ist eher skeptisch. „Es ist fraglich, ob Lenné überhaupt hier gewesen ist“, sagt der pensionierte Lehrer und passionierte Heimatforscher beim Gang durch den rund 42 000 Quadratmeter großen Park. Später gab es sogar noch die Nachricht, Lenné wolle sich eine Villa im neuen Kurort bauen. Ob es stimmt oder nicht, ist offen. Klar war nur, die Nachricht von der Ansiedlung eines so prominenten preußischen Beamten zog Menschen an, die sich gerne im Glanz bedeutender Persönlichkeiten erholen wollten. Sie war gut fürs Geschäft.

Der Park ist bis heute Kern des Kurortes. An seinem Rand liegt das Hotel Steigenberger mit seinen Gesundheitseinrichtungen, die Konzerthalle mit dem Brunnen und einem Wandelgang im Bauhausstil aus dem Jahr 1935, das Kurhaus von 1904/5, das Thermalbadehaus und die Heilbrunnen, allen voran der Große Sprudel, der aus 95 Metern Tiefe ein braunes Wasser blubbernd an die Oberfläche fördert.

Der Park soll beim Gesundwerden helfen

Von Lennés Entwurf ist wenig umgesetzt, denn er war zu aufwendig, zu teuer und zudem auf fremder Leute Grund und Boden geplant. So recht kam der Bau daher nicht vom Fleck. Ritter weist auf zwei kurze, aber beeindruckende Kastanienalleen unmittelbar am Hotel Steigenberger hin. Ursprünglich standen hier Ulmen. Sie fielen in den 1940er Jahren einer Krankheit zum Opfer. Damals pflanzte man als Ersatz Kastanien. „Lennés Entwürfe haben meist große Sichtachsen“, erläutert Ritter. Das sei hier noch gut zu erkennen. Sie führen auf die Ahr zu, die hinter den Bäumen rauscht. Zwischen den beiden Alleen liegt die sogenannte Akropolis, eine Zieranlage mit Säulen und Beeten.

Die Neuenahrer und ihre Gäste mögen den Park. Schon früh am Morgen sind Spaziergänger unterwegs. Müßiggänger sonnen sich am großen Brunnen. In der Lesehalle des Kurhauses sitzen Gäste, trinken Heilwasser und beschäftigen sich mit der Zeitung. Kita-Kinder toben herum, ein erstes Liebespaar hält im Pavillon über der Ahr Händchen und Jogger laufen durch das Bild. Merkwürdige Kunstwerke stehen herum, Überreste eines Bildhauertreffens vor einigen Jahren.

Der Park soll beim Gesundwerden und -bleiben helfen. Daher gibt es einen kleinen Heilkräutergarten, der sich an der Lehre der Heiligen Hildegard von Bingen orientiert. Ein Kneippbecken hilft müden Wanderern nach langen Wegen durch die Rotweinhügel. Beschaulich geht es zu, es ist ruhig, denn Autos fahren nur in Schrittgeschwindigkeit vorüber.

Im Sommer blühen Blumen, und Palmen schmücken die Anlage. Während des Winters sind sie frostsicher untergestellt. Neuenahrer freuen sich an üppigen Blumenrabatten und ständig neuen Bepflanzungen. 36 Gärtner wie einst sind es nicht mehr, aber die Anlagen sind in Schuss.

Neubau ist umstritten

Der Park ist schnell umrundet, aber er verdient Aufmerksamkeit, denn er bietet immer wieder schöne Blicke auf die Ahr oder die Kuranlagen. Große alte Platanen überspannen das Flussufer. Hier ist es im Sommer schön kühl. Außerdem ist er umgeben von alter Bäderarchitektur. Hans-Jürgen Ritter beurteilt sie eher nüchtern. Vieles sei inzwischen wieder verschwunden, weil nach Beginn des Badebetriebs 1858 eine regelrechte Goldgräberstimmung einsetzte. Man baute schnell, hübsch, aber billig, um rasch gute Geschäfte zu machen. Von Dauer waren Stuck und Giebelchen daher meist nicht. Dennoch lässt sich das „Karlsbad des Rheinlandes“ noch nacherleben. Die Terrasse des neobarocken Kurhauses ist so schön wie 1906, der Marmor glänzt, die Decken und Wände tragen goldene Verzierungen. Bar und Restaurant des Steigenberger mit seinen breiten Fensterfronten zur Ahr laden ein, sich wie einst der preußische Adel und die gehobene Beamtenschaft in tiefe Sessel sinken zu lassen und einfach zu entspannen. Es muss ja nicht gleich die Havanna sein.

Im Kurhaus feierte die junge Republik einst ihre ersten Bundespressebälle. In ihm ist auch das Casino. Wer ein paar Euro übrig hat, darf sein Glück versuchen. Noch steht auch die Konzerthalle mit der Wandelhalle aus dem Jahr 1935. Ein Bauhaus-Bau und etwas ganz Besonderes, weil es so etwas nur hier gibt. Allerdings ist das Gebäude bedroht, denn die Fundamente sind marode und die Räume brauchen Stützen.

Ein Neubau ist umstritten, aber sehr wahrscheinlich, denn in drei Jahren will Bad Neuenahr die Landesgartenschau Rheinland-Pfalz ausrichten. Da spielt der Kurpark eine ganz besondere Rolle. Er soll noch schöner erblühen, inklusive neuer Gebäude. Die Stadt ist dabei so ehrgeizig wie schon 1856. Schön soll es werden und attraktiv weit über die Region hinaus.

Im Frühling lässt sich der Ort genießen wie schon seit mehr als 150 Jahren. Ein Glas Heilwasser, das es umsonst gibt, ein Spaziergang zwischen Blumen, Sonnenstrahlen unter hohen alten Bäumen. Lennés Plan ist nur ein kleiner Rest im schönen Park, aber seine Idee vom gesunden Leben unter freiem Himmel funktioniert bis heute.