Edle Tropfen aus der Region

So entstehen die Superweine an der Ahr

BAD NEUENAHR. Die Winzergenossenschaft Dagernova an der Ahr nimmt zurzeit Spätburgunder-Trauben für die Selektions- und Einzellagenweine an. Erster Frühburgunder wurde bereits Ende August gebracht und hat Kellermeister Günter Schüller positiv überrascht.

Nach dem Super-Sommer in den Wingerten soll aus dem hervorragenden Lesegut ein Wein werden, der von sich reden macht, vielleicht sogar ein Jahrhundertwein. Das erhoffen sich die Winzer. So auch bei der Dagernova Winzergenossenschaft, wo Günter Schüller, Kellermeister und Vorstand, schon voll beladene Gespanne voller Trauben erwartet. Jetzt nimmt er Spätburgunder für die Selektions- und Einzellagenweine der Genossenschaft an. Erster Frühburgunder wurde bereits Ende August gebracht und hat den Kellermeister glatt überrascht.

„So früh haben wir noch nie angefangen, und ich bin erstaunt, wie reich an Extrakt die Trauben trotz des fehlenden Regens sind“, sagt Schüller. Wasser ist notwendig, damit die Wurzeln im Boden gelöste Mineralien aufnehmen und in die Früchte befördern können. Ohne Wasser funktioniert das kaum, die Trauben sind dann zwar süß, aber weniger gehaltvoll. „Offenbar hat der Boden im Winter so viel Wasser aufgenommen, dass die Mineralien gelöst werden konnten“, denkt der Fachmann.

Auf den perfekten Regen kommt es an

Eine der besten Weinlagen der Ahr erhebt sich gegenüber der Dagernova-Vinothek in Bad Neuenahr: der Neuenahrer Sonnenberg. Dort liest René van den Boom mit der ganzen Familie, 18 Personen, Spätburgunder im Wingert seiner Frau Rita. Die Fläche ist für ein Selektionsprogramm, die „Edition Dagernova“, bestimmt, der Ertrag auf 70 Kilo Trauben pro Ar (100 Quadratmeter) begrenzt. Auch das Mostgewicht ist vorgegeben: 92 bis 95 Grad Öchsle. „Das hat der Wein hier locker, es war ein gutes Jahr“, ist van den Boom zuversichtlich. Die Trauben müssten so früh gelesen werden, sonst würden sie zu Rosinen schrumpeln. 45 Jahre seien die knorrigen Rebstöcke alt, sagt van den Boom, sie wurzelten tief im nährstoffreichen Lehmboden. Zur Erleichterung der Arbeit in dem steilen Hang kann das Lesegut, immer zwölf Eimer, auf einen Schlitten gegeben werden, der dann vom Traktor mit einer Seilwinde hochgezogen wird.

Winzer Georg Wittersheim hat den Weinberg daneben, in dem die Trauben noch hängen. Man könne ihn nicht für ein Selektionsprogramm anmelden, weil die Rebstöcke mit 20 Jahren noch relativ jung und damit zu ertragreich seien, sagt er. Dazu eigneten sich besser alte Weinberge mit von Natur aus niedrigeren Erträgen.

Van den Boom und seine Mannschaft machen sich auf den Weg zur Traubenannahme bei der Dagernova. 805 Kilo dürfen es von der 11,5 Ar großen Fläche sein. Anschließend geht die Lese weiter in Marienthal, wo Spätburgunder auf 15,7 Ar in der Lage „Marienthaler Rosenberg“ abzuernten ist, nicht für ein Selektionsprogramm, sondern für ein Einzellagenprogramm der Dagernova. „Dabei wird der Ertrag eines Wingerts von einem bestimmten Winzer separat ausgebaut und auf die Flasche gebracht“, erläutert Kellermeister Schüller. Und er berichtet weiter über die unterschiedlichen Selektions- und Einzellagenprogramme: Eine Kommission besichtigt die Weinberge bei zwei Rundgängen. Die Reben müssen gesund und der Bewuchs auf dem Boden muss kurz gehalten sein, weil die Kräuter in puncto Wasser mit den Rebstöcken konkurrieren. „Das war vor allem in diesem Jahr wichtig. Bei wenig Regen fangen die Wurzeln der Wildpflanzen das Wasser oben ab, und unten, bei den Wurzeln der Rebstöcke, kommt nichts mehr an“, erklärt Schüller.

Der Edelstahl glänzt und blitzt

In der Traubenannahme glänzen Gerätschaften aus Edelstahl. Die Arbeitsschritte folgen automatisch, sobald die Fracht in die Auffangwanne geschüttet worden ist. Über eine metallene Schnecke wird sie weiter befördert zur Abbeermaschine (Entrapper), ohne Stiele geht die Ladung auf die Waage und anschließend wird die Maische gründlich durchgerührt, damit das Öchslemessgerät einen Durchschnittswert feststellen kann. Denn die Winzer werden nach Rebsorte und Qualität bezahlt. Die Maische kommt in den Erhitzer, damit sich die Farbstoffe aus den Schalen lösen, am nächsten Tag wird gepresst, der Saft mit Gärhefe versetzt und vergoren. Für Spitzenweine ist Maischegärung vorgesehen, bei der die gesamte Maische vor dem Pressen in Maischetanks je nach Qualität sieben Tage oder bis zu drei Wochen lang liegen bleibt. „In diesem Jahr ist die Qualität so hoch, dass man viel Maischegärung machen möchte“, sagt Schüller.

Bei der Dagernova kommt die Lese in dieser Woche so richtig in Schwung – bis zum Dernauer Winzerfest am Ende des Monats. Dann ist erst einmal Pause, und erst danach geht's weiter, berichtet Schüller. „Die Trauben sind supergesund, da passiert nichts mehr, sie schrumpeln höchstens etwas ein. Was jetzt gesund ist, bleibt gesund“, ist er sich sicher. Auch die Wespen kämen durch die von der Sonne gehärteten Schalen nicht mehr durch.