Podiumsdiskussion mit Calvarienberg-Realschülerinnen

Sitzenbleiben soll bleiben

Podiumsdiskussion mit (von links): Michael Schneider (CDU), Jens Schäfer (SPD), Helga Dohmganz (SPD), Mathias Heeb (Grüne) und Anna Friedrichs (Moderatorin).

AHRWEILER. Kick oder Katastrophe? Was bedeutet das Sitzenbleiben für den betroffenen Schüler? Darüber wurde gestern an der Realschule der Ursulinen Calvarienberg in Ahrweiler sehr lebhaft diskutiert. Fazit: Das Gros der Mädchen möchte am "alten System" festhalten, findet es nicht gut, wenn man sich ohne Druck durch alle Jahre durchmanövriert, um in Klasse 10 erschrocken festzustellen, welch großes Wissens-Manko besteht. Und dann keine Chance mehr hat, das Ruder rumzureißen.

Zum "Politischen Tag" hatten die Jugendorganisationen der Parteien im Kreis die rund 80 Zehntklässlerinnen der Privatschule eingeladen. In Workshops stellten sich gestern zunächst Marcel Werner und Alexander Haida (Jusos), Florian Schneider (Junge Union) sowie Mathias Heeb (Grüne) vor, rissen die Themen Demokratie, Menschenrechte und Umwelt an.

Die FDP hatte trotz Einladung, wie schon bei der Premiere im November an der Boeselager-Realschule, keinen Vertreter entsandt. "Uns ist wichtig, dass die jungen Menschen motiviert sind, sich einbringen und ihre Meinung äußern. Das muss nicht nur politisch sein", betonte Werner. Florian Schneider ergänzte auch am Beispiel des Jugendtaxis auf der Grafschaft: "Den Schülern muss klar sein, dass es auf die Zusammenhänge vor der eigenen Tür ankommt. Schließt ein Schwimmbad oder bleibt es? So wird Politik greifbar."

Dann ging's ins Eingemachte, wurde Demokratie gelebt. Und zwar im munteren Schlagabtausch mit den Kommunalpolitikern Helga Dohmganz und Jens Schäfer (SPD), Michael Schneider (CDU) sowie Mathias Heeb (Grüne).

Unter der stringenten Moderation von Schülersprecherin Anna Friedrichs wurden Pro und Kontra ausgetauscht. SPD und Grüne, auf Landesebene für ein Abschaffen des Sitzenbleibens an zunächst zehn Testschulen, befürworteten, dass sich um Gefährdete besonders intensiv gekümmert werden kann. "Wer bezahlt das?", fragte eine Schülerin. "Das geht 0 auf 0 auf", so Schäfer, "das eingesparte Geld für die Wiederholung kommt in die Förderung." Schneider warnte davor, Schule von der Gesellschaft abzukoppeln: "Wir sind nun mal eine Leistungsgesellschaft.

Aber die Klassenmesszahlen müssen sinken und die Lehrerzahl sich erhöhen." Was wiederum nicht bezahlbar ist, stellten auch die Mädchen fest. Womit sie über die Abstecher "G8" und "Homo-Ehe" bei der Lebensplanung angelangt waren: Auch die klassische Rente wird es für sie später nicht mehr geben. Private Vorsorge, möglichst breit aufgestellt, sei unumgänglich. Auch dafür sei ein hoher Bildungsgrad und ein guter Beruf förderlich. "Das Arbeitsleben ist nicht einfach. Daher hilft es nicht, uns in Watte zu packen", bilanzierte eine Schülerin.