Brauchtum in Dernau

Siebter "Verzällches-Owend" bricht alle Rekorde

Beim Dernauer „Verzällches-Owend“ brillierten Franz und Lisa Kreuzberg mit „En de Wietschaff“.

Beim Dernauer „Verzällches-Owend“ brillierten Franz und Lisa Kreuzberg mit „En de Wietschaff“.

DERNAU. Der siebte Dernauer Mundartabend im Bürgerhaus bricht mit rund 200 Gästen alle Rekorde. Mundart ist in, und das nicht nur bei den Senioren.

Die waren zwar beim mittlerweile siebten Dernauer Mundartabend, oder besser, dem „Verzällches-Owend“, klar in der Überzahl, aber als Moderatorin Ingrid Näkel-Surges die unter 40-Jährigen aufrief, gingen ebenfalls zahlreiche Hände nach oben. Proppenvoll war das Bürgerhaus, Tische und Stühle mussten zugestellt werden und es reichte immer noch nicht für alle, die sich das von Manfred Wolff zusammengestellte Programm mit Geschichten und Liedern aus längst noch nicht vergessenen alten Tagen anhören wollten.

An die 200 Gäste dürften es gewesen sein, die gut zwei Stunden lang bestens unterhalten wurden. Auf der Bühne tummelten sich Originale und Nachwuchs-Plattredner. In vielen Familien wird versucht, den eigenwilligen Dernauer Dialekt mit seinen vielen „o“ und wenigen „i“ auf die nächsten Generationen zu vererben.

Oft genug gelingt das. Da hatte beispielsweise die junge Lisa Kreuzberg die Lacher auf ihrer Seite, als sie über die einstige Maikirmes berichtete, bei der es in den zahlreichen Lokalen nur eines zu essen gab: „Dearnere Spinat met Zickelchesfleesch.“ Aber wo ist er hin, der spezielle Spinat, dessen Pflanzen auch schon mal mehr als einen Meter hoch wurden? Wer hat noch von dem stachligen Spinatsamen, der 1986 letztmalig gesät, nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl dann aber untergepflügt wurde, fragte die junge Rednerin. Sie wird sich wohl auf die Suche machen.

Nur ein paar Jahre älter sind Weinkönigin Christina und ihre Prinzessinnen – auch sie standen auf der Bühne. „Wer Weinkönigin wird, muss beim Plattabend auftreten“, machte Moderatorin Ingrid Näkel-Surges klar. Also berichteten die drei vom bisherigen Leben, und zwar „vom Kondejaade bes zom Wingtrio“. Ein wenig weiter zurück drehte Rita Gieler das Geschichtsrad, nämlich ins Jahrzehnt von 1955 bis 1965. Damals war Dernau kinderreichster Ort in ganz Rheinland-Pfalz, rund 60 Taufen standen im Jahr an. Und das bedeutete überall: Schlange stehen. „Demnächst sicher auch vorm Altersheim“, so die Befürchtung der Rednerin. Walter Trarbach, das wandelnde Dernauer Geschichtsbuch, ließ den Gemeindediener aufleben, der mittels lautem Schellen verkündete, dass wieder eine Ladung Kappes am Bahnhof angekommen sei oder dass die Dernauer ihre Steuer zu bezahlen hätten, kassiert werde in der Kneipe.

Marlies Vilz berichtete über die beiden Jungspunde, die sich auf „Kressbaum-Klau“ in den Wald begaben und prompt vom Förster erwischt wurden. Sie hatte noch zahlreiche andere „Anekdötche üs Dearne“ parat, erzählte von der „Jees“, die bei der Prozession mit schwarzer Krawatte am Wegesrand stand und vom „Jespens om Kirchhoff“.

Über „ming Hööt“ sprach die fast 90-jährige Cläre Bertram, während Walter Trarbach das Geläut der Dernauer Kirche mit ihren vier Glocken aus dem 14. und 16. Jahrhundert in Reimform erklärte. Karl Kreuzberg informierte seine wissbegierige Enkelin Verena über die „aal Dearnere Jemerkungs-, Flur- un Larename“ und Franz Kreuzberg erklärte, was es mit der „Orjelswiss“ auf sich hat, nämlich, dass diese früher die Wiese zum Heumachen für den jeweiligen Organisten war.

Während Franz und Lisa Kreuzberg ihren Sketch „En de Wietschaff“ zum Besten gaben, sorgten Franz Trarbach und der Männergesangverein Loreley mit Dialekt-Liedern aus dem alten Köln für richtig schöne Stimmung, ehe am Ende alle Besucher hochzufrieden musikalisch einstimmten: „Lott mer heem jonn.“