Ahrweiler Verkehrswacht informiert

Senioren sollen beim Autofahren in der Übung bleiben

KREIS AHRWEILER. Cornelia Brodeßer von der Verkehrswacht des Kreises rät Senioren am Steuer, im Training zu bleiben. Ein Veranstaltung in Ahrweiler informierte nicht nur Senioren.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnt Fahreignungstests für Senioren ab. Eigenverantwortung bedeutet für ihn, dass jeder Fahrer selbst seine Fitness und seine Fähigkeiten im Straßenverkehr überprüfen müsse. Genau so sieht das die Deutsche Verkehrswacht.

Um über das dennoch strittige Thema „Fahreignung – (k)eine Frage des Alters“ aufzuklären, hatte die Verkehrswacht des Kreises Ahrweiler in das Mehrgenerationenhaus in Bad Neuenahr eingeladen. Die Dozentin Cornelia Brodeßer von der Verkehrswacht freute sich über einen vollen Seminarraum. 25 Teilnehmer, von denen 18 älter als 74 waren, wollten mehr zum Thema Fahreignung im Alter wissen.

Brodeßers wichtigster Hinweis: „Sie sind die Einzigen, die entscheiden können und müssen, ob Sie noch fahren können und sollten. Ihre Mitmenschen können sie nur beraten. Die Entscheidung liegt allein bei Ihnen.“ Bei Unfällen, an denen Senioren beteiligt sind, sei immer direkt deren Alter die Ursache. „Dabei werden die Pluspunkte von älteren Fahrern in der Debatte um Senioren im Straßenverkehr gerne und oft vergessen“, kontert Brodeßer den oberflächlichen Einschätzungen.

Lange Fahr-Erfahrung ist ein Pluspunkt

Die jahrzehntelange Erfahrung hinter dem Steuer sei so ein Pluspunkt. Ältere Fahrer hätten jede mögliche Verkehrssituation schon mal erlebt, ihre Schlüsse daraus gezogen und die notwendigen Handlungen abgespeichert. Ein fitter Senior am Steuer sei eine geringere Gefahr als junge unbedachte Fahrer. „Man muss aber auch bedenken, dass die Senioren zwar viel Erfahrung haben, aber im Alter dauert es von der Wahrnehmung einer Situation bis zur richtigen Handlung einfach länger“, relativiert Brodeßer. Das erkenne man auch an Unfallstatistiken für Fahrer über 65 Jahre. Die zwei häufigsten Unfallursachen seien das Missachten von Vorfahrt und Fehler beim Abbiegen oder Wenden.

Brodeßer nennt weitere körperliche Faktoren, die das Autofahren mit zunehmenden Alter schwieriger machen: „Die Muskelmasse und die Motorik nehmen ab, die Augen werden schlechter. Man erkennt sich bewegende Objekte schwieriger und das Auge hat Probleme bei der Umstellung von hell auf dunkel und von nah auf fern.“

Die Hörfähigkeit sei ein weiterer Faktor. Laut Verkehrswacht lassen sich deutsche Senioren im Schnitt vier Jahre zu spät ein Hörgerät verschreiben. Und ein Autofahrer, der die Umgebungsgeräusche nicht wahrnehme, sei eine potenzielle Gefahr. Eindringlich weist Brodeßer die Teilnehmer auf ihren Schwerpunkt hin: „Bedenken Sie immer den Einfluss von Krankheiten und vor allem ihrer Medikamente.“ Laut einer Forsa-Umfrage ignorieren drei von vier Fahrern die Nebenwirkungen ihrer Arzneien. „Wechsel- und Nebenwirkungen der vielen Medikamente im Alter führen dazu, dass viele Menschen ihre Umgebung nur noch gedämpft wahrnehmen. Sprechen Sie mit ihrem Hausarzt oder der Apotheke über diese Wirkungen und lassen Sie sich beraten“, rät Brodeßer.

Regelmäßige medizinische Checks empfohlen

Zum Thema körperliche Fahreignung empfiehlt die Verkehrswacht regelmäßige Checks: Ab 40 alle zwei Jahre zum Seh- und Hörtest. Eine Brille mit Gläsern, die die Blendempfindlichkeit reduzieren, sei zudem eine sinnvolle Investition für ältere Fahrer. Allgemein sollten Senioren sich vor dem Beginn einer Fahrt immer die Frage stellen: „Wie geht es mir heute? Bin ich fit genug zum Autofahren?“

Welche Hinweise gibt es noch, um als Senior sicher unterwegs zu sein? Brodeßer sagt: „Minimieren Sie die Ablenkungen in Ihrem Auto. Verzichten Sie auf Telefonate oder Gespräche mit dem Beifahrer. Sagen Sie den Mitfahrern, dass Sie sich auf das Fahren konzentrieren wollen. Wenn das Fahren mit den Enkeln zu sehr stresst, sollten Sie es vermeiden.“

Auch beim Thema Autokauf gibt es laut Verkehrswacht für Senioren einiges zu beachten. Der durchschnittliche Neuwagenkäufer in Deutschland ist 52 Jahre alt. Die Technik in modernen Fahrzeugen überfordere aber die ältere Generation erst einmal. Dabei könnten Assistenzsysteme, wie etwa Spurhalteassistenten oder Abstandswarner, gerade für Ältere sehr hilfreich sein. Brodeßer gibt den Tipp: „ Nutzen Sie die kleinen Helferlein in den neuen Autos. Sie müssen aber handlungssicher sein, und die Systeme dürfen Sie nicht ablenken oder stressen. Wenn Sie die Signale und die Bedienung nicht verstehen, fahren Sie lieber einmal mehr zurück zum Händler und lassen Sie es sich erklären.“

Mehr fahren als "Friedhof, Aldi und zurück“

Und abschließend stellt die Dozentin fest: „Um die Fahreignung nicht zu verlieren, hilft eins auf jeden Fall: Fahren Sie.“ Bei Senioren mit einer Fahrleistung von mehr als 3000 Kilometer im Jahr sinke nämlich die Unfallwahrscheinlichkeit deutlich.

„Meine Mutter war über 90 und fuhr etwa 1000 Kilometer im Jahr – Friedhof, Aldi und zurück“, berichtet ein Teilnehmer. Das sei zu wenig, um im „Training“ zu bleiben, sagt Brodeßer. Die Verkehrswacht empfehle, keine Scheu vor längeren und unbekannten Strecken zu haben, wenn man sich fit fühlt. „Fahren Sie auch mal wieder auf die Autobahn oder längere Strecken über Land. Wer viel fährt, verlernt es auch nicht“, so Brodeßer, die unsicheren Fahrern auch zur ein oder anderen Fahrstunde rät.

Weitere Infos gibt es online bei der Verkehrswacht oder bei Cornelia Brodeßer unter 0 26 41/9 06 12 34 oder per E-Mail.