Gefragt war Qualität

"Sehr gut" für jedes zweite Brötchen

Karl-Ernst Schmalz (v.l.) und Obermeister Rolf Genn begutachten die Brötchen. FOTO: MARTIN GAUSMANN

Karl-Ernst Schmalz (v.l.) und Obermeister Rolf Genn begutachten die Brötchen.

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Sechs Betriebe der Bäckerinnung des Kreises stellten sich der Brotprüfung.

Lange ist es her, dass es beim Bäcker nur Grau-, Schwarz- und Weißbrot sowie Brötchen gab. Heute ist das Sortiment wesentlich umfangreicher und vielfältiger. In den Regalen liegen Fitnessbrötchen und Burgunderbrot, Klosterlaib oder Frühlingsbrötchen. Oft genug werden 20 oder mehr verschiedene Sorten angeboten. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

Konkurrenten der Bäcker sind heute in erster Linie Großbäckereien und Discounter. Letztere werden immer mehr, bauen an ihren Geschäften oftmals an, nur um einen Backofen unterzubringen. Beim Preis kann der traditionelle Bäcker kaum mehr mithalten. Das Augenmerk liegt daher anderswo, beispielsweise auf der Qualität und der Einzigartigkeit. Um die Qualität zu bewerten, bietet das Institut für die Qualitätssicherung von Backwaren (IQ Back) schon seit rund 40 Jahren die Brotprüfung an. Für die Bäckerinnung Ahrweiler fand diese am vergangenen Dienstag statt.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Knapp die Hälfte der eingereichten Brote und Brötchen erreichte bei jeder der fünf Bewertungskriterien die volle Punktzahl und konnte sich am Ende über die Bewertung mit "sehr gut" freuen. Mit "gut" wurden weitere 40 Prozent der Backwaren bewertet. Nur gut zehn Prozent erreichten diese Spitzenwerte nicht. Insgesamt 61 Backwaren kamen zur Prämierung, eingestellt wurden sie von sechs Mitgliedsbetrieben der Bäckerinnung. Von diesen Betrieben gibt es im Innungsgebiet 30, daher hätten sich Innungsmeister Rolf Genn und Prüfer Karl-Ernst Schmalz eine höhere Beteiligung der Mitgliedsbetriebe gewünscht. Die, die letztendlich mitmachten, können ihren Kunden nun anhand von Urkunden deutlich machen, welche ihre Artikel wie bewertet wurden. Die zu erfüllenden Kriterien waren Form und Aussehen, Oberflächen- und Krusteneigenschaft, Lockerung und Krumenbild, Struktur und Elastizität sowie Geruch und Geschmack. Mit der entsprechenden Urkunde können die Bäcker ihre Produkte nun drei Jahre lang bewerben. Wurde die volle Punktzahl nicht erreicht, dann gab es Tipps vom Fachmann, wie man das Brot oder Brötchen noch optimieren kann.

Zufriedene Gesichter gab es bei den Teilnehmern zum Abschluss des Prüfungstags zu sehen, denen die Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Mechthild Heil, die Urkunden für alle ausgezeichneten Brote und Brötchen überreichte. Winzerkruste, Goldkornbrot, Kartoffelspeckbrot oder Grahambrötchen dürften nun zu Rennern in den einzelnen Bäckereien werden. "Die Brotprüfung ist in erster Linie eine freiwillige Selbstkontrolle", machte Karl-Ernst Schmalz zum Abschluss des Prüfungstages noch einmal deutlich. Dabei tritt der Wettbewerbsgedanke aber mehr und mehr in den Vordergrund, zumal die Zahl der traditionellen Bäcker stetig sinkt. "Als ich vor 28 Jahren angefangen habe, gab es im damaligen Westdeutschland alleine 27 000 Bäckereien, heute sind es in ganz Deutschland nur noch 11 000 Betriebe", so Schmalz. Langfristig werde der Bestand an traditionellen Bäckereien auf rund 5000 schmelzen", ergänzte Rolf Genn. Immerhin: in der Bäckerinnung des Kreises ist die Zahl gegenüber dem Vorjahr mit 30 konstant geblieben. Immerhin zehn neue Auszubildende werden im neuen Schuljahr starten und möglicherweise in ein paar Jahren eigene Backkreationen zur Brotprüfung schicken.