A-cappella-Chor Bonn Voice im Kurpark Bad Neuenahr

Schwirren und Schwelgen der Töne

Der Bonner Vokalchor bei seinem Auftritt in der Konzerthalle des Kurparks in Bad Neuenahr.

Der Bonner Vokalchor bei seinem Auftritt in der Konzerthalle des Kurparks in Bad Neuenahr.

BAD NEUENAHR. Bonn Voice, das heißt so viel wie "Stimme Bonns". Und glaubt man dem A-cappella-Chor, der sich eben diesen Namen gegeben hat, dann ist die Stimme Bonns jung und überwiegend weiblich, klar und hell, sauber und äußerst fein modelliert, und sie hat einen langen Nachhall.

Gerade das erlebte ein leider nur kleines Publikum am Mittwochabend in der Konzerthalle im Kurpark in Bad Neuenahr. Dort war der von Tono Wissing 2009 gegründete und seitdem auch geleitete Bonner Vokalchor, der sich dem Vocal Jazz und Vocal Pop verschrieben hat, zu Gast.

Wer dabei an laute und turbulente Lied-Aufführungen denkt, befindet sich auf dem Holzweg. Es ist ein sanftes Schwingen in den Melodien, ein Schwelgen in Musik, bei der die menschliche Stimme neben den Worten gleichzeitig Begleitinstrument ist.

Es ist Musik, die hinhören lässt, den Zuhörer voll in ihren Bann nimmt, Spannung, die sich nur langsam abbaut. Entsprechend stürmisch war schließlich der Beifall der wenigen Besucher, die in die Konzerthalle gekommen waren, nach jedem Stück.

Selbstbewusst beschreitet der Chor das Podium. Die Frauen in kirschroten oder grasgrünen, einige auch in schwarzen Kleidern, die Männer etwas gedeckter aber immer passend dazu. Und schon geht's los: "Dadadadum . . ." dann etwas Text in englischer Sprache, aus dem sich die Worte "merry christmas" heraus kristallisieren, als ob Töne schwirrend durch den Raum fliegen.

Weiter geht's zunächst weihnachtlich: "Nun seid mal still" analog zu dem bekannten "Still, still, still, weil's Kindlein schlafen will". Die Melodie leicht poppig verfremdet, und nach einem energischen "Still, still, still" wird die Ruhe dann doch heftig gestört: "Weil die Weihnachtschöre singen".

Es folgen die Beatles. "All the lonely people", die Melodie zurückgenommen, fast gesäuselt, bedauernd, dass so viele Menschen Weihnachten allein sind.

Mit "Good Times" geht es weiter, die Musik beschwingt, der Ausdruck spaßig, fast pantomimisch. Bis sich Dirigent Wissing an den Flügel setzt, das nächste Lied intoniert und Sängerinnen und Sänger in den Saal gehen, das Publikum in ihre Mitte nehmen. "Hold me now, touch me now" - ein Lied, das die menschliche Sehnsucht nach Liebe und Nähe zart ausdrückt. In der Nähe hört man jede einzelne Stimme.

Dann geht's um die Gefühlswelt der Männer, die tapfer und stark sein sollen. Generell treten Sängerinnen und Sänger in immer neuen, unterschiedlichen Konstellationen auf, treten hervor, übernehmen Soloparts, moderieren auch gelegentlich, kommunizieren miteinander, so dass immer Bewegung auf der Bühne ist.

Ausdrücklich lobte Chorleiter Wissing die hervorragende Akustik in der Konzerthalle, wo das Singen so richtig Spaß mache. Schade für alle, die bei diesem außergewöhnlichen Musikereignis fehlten.