Villa am Silberberg

Römernacht: Französische Austern und schlechter Wein

Wie echte Römer fühlten sich die Kinder, ausgerüstet mit Speer, Schild und Helm.

AHRWEILER. "Der Gang ins Bad war für römische Männer auch Kontaktpflege - so wie im Rheinland das Treffen an der Theke." Helfried Kellerhoff kennt die Materie.

Seine Aufgabe bei der Römernacht am Samstagabend im Museum Römervilla am Ahrweiler Silberberg war es, den Gästen die Strukturen von Mauerresten des Bades in der Ausgrabungsstätte zu entschlüsseln.

Den Mauern las er einiges über die einstigen Bewohner ab. Etwa, dass die Villa Rustica Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus an der Stelle eines früheren Landhauses errichtet worden ist. Auch, dass der Bauherr ein hochrangiges Mitglied des Militärs gewesen sein muss. Denn die verschiedenen Bereiche mit Warm- und Kaltbad sowie einem Schwitzbad mit 65 Grad Celsius lassen auf die Bedürfnisse von Kriegern schließen: Sie sollten dadurch gründlich abgehärtet werden.

Kellerhoff berichtete auch vom Ölen der Haut zu Beginn des Bades. Er zeigte die Instrumente, mit deren Hilfe das Öl wieder abgekratzt wurde, zeigte Geräte zur Nagelpflege und Reinigung der Ohren.

Er berichtete auch, dass die Römer alle Körperhaare weg rasierten, was oft mit Schmerzen verbunden war, und nackt badeten. Frauen badeten zu ganz anderen Zeiten, danach waren die Rohre oft durch das lange Kopfhaar verstopft.

Bekanntlich brachten die Römer den Wein an die Ahr. Woran heute kein Winzer denken würde: Sie würzten ihre Weine. Christine Nägler betreute den Stand mit Geschmacksproben: "Pfeffer, Safran, Rosen, Honig lassen sich mit ihrer Hilfe herausschmecken." Der Trunk spricht an. Warum aber griffen die Römer zu den Gewürzen? "Sie haben ihren schlechten Wein damit übertüncht", erklärt Nägler, die, wie alle Helfer bei dem abendlichen Event, mit Tunika bekleidet war.

Geschichtsinteressierte waren gefragt. An einem Zeitstrahl konnten Jahreszahlen von der Zerstörung des Tempels in Jerusalem über den Beginn der Kreuzzüge, den Prager Fenstersturz, mit dem der 30-jährige Krieg begann, bis zum Fund der Römervilla im Jahre 1980 beim Bau der Umgehungsstraße geordnet werden. Einige Gäste ließen sich herausfordern.

Oder sie informierten sich beim Arzt, der "Heilende Götter", die "Vier-Elemente-Lehre" und die "Vier-Säfte-Lehre" propagierte. Schlafmohn, Zimtrinde, Rosmarin und Salbei hielt die römische Apotheke bereit. Technik war auch Thema. Vorgeführt wurde die 13-Knoten-Schnur, die zu unterschiedlichen geometrischen Formen gefaltet werden kann.

Gezeigt wurden Maßstab-Hölzer für Fuß, Spanne, Elle. Nebenan stand das Modell einer Siedlung, die vermutlich mit Hilfe dieser Maß-Einheiten errichtet worden ist: die einstige römische Siedlung auf der "Bunten Kuh", ein ganz aktuelles Thema.

Münzen aus der Römerzeit waren zu sehen. Römische Lebensmittel konnten getestet werden, etwa der Ziegenkäse. Jede Menge Austernschalen kamen beim Ausgraben der Villa ans Tageslicht, vermutlich aus der Bretagne. So kann man schließen, dass reiche Römer die Villa bewohnten. Was die Römer noch nicht kannten, liegt in einer Schüssel: Kartoffeln, Mais, Paprika.

Weiter in die Küche vertiefen konnte man sich in der Taverne bei Legionärseintopf aus Graupenbrei mit Gemüse, in der anspruchsvolleren Variante mit Schweinebauch und Rindfleisch.

Kinder bastelten Buttons mit römischen Motiven oder sie druckten Bilder aus der Römerzeit. Museumsleiter Hubertus Ritzdorf freute sich über die gute Resonanz auf die Einladung zur fünften Römernacht. Zu Beginn hatte sich eine Schlange vor der Tür gesammelt. Später war es ruhiger, so dass Besucher ungestört die sorgfältig aufbereiteten Mauern betrachten und sich über die Gepflogenheiten ihrer einstigen Bewohner informieren konnten.