Neue Ausgrabung in Walporzheim

Römer auf der Bunten Kuh

Den weiten Blick von der Bunten Kuh schätzten auch schon die römischen Legionäre.

18.12.2013 BAD NEUENAHR-AHRWEILER.  "Das war eine Art Fliehburg, ein bewachter Rückzugsort für die ganzen Familien im Tal." So beschreibt Hubertus Ritzdorf, Leiter des Ahrweiler Museums Römervilla, die römische Siedlung auf dem Plateau der Bunten Kuh bei Walporzheim.

Erst am Montagabend hatte er der Zweckversammlung Römervilla Funde präsentiert, die hoch über dem Ahrtal bei "geheimen Grabungen" der Landesarchäologie Koblenz gemacht wurden.

Ergebnis: Etwa um 350 haben Legionäre die befestigte Siedlung errichtet, eine Zeit, als es für die Römer langsam etwas unsicher im Rheinland wurde und sie fast auf dem Rückzug waren.

Achim H. Schmidt von der Landesarchäologie geht davon aus, dass es sich bei den "auf der Bunten Kuh stationierten Legionären um Teile einer comentatensischen Einheit handelte". Diese wurden an strategisch wichtigen Punkten im Hinterland stationiert und bildeten den Kern der spätrömischen Armee.

Bei einem feindlichen Durchbruch der Grenze, also im Fall Walporzheim dem Limes auf der anderen Rheinseite, war es ihre Aufgabe als schnelle Eingreiftruppe Eindringlinge zu stellen und zu zerschlagen. Schmidt: "Das Fundspektrum lässt aber auch darauf schließen, dass die Soldaten auf der Bunten Kuh germanischer Abstammung waren."

Die Wahl des Platzes für das Militärlager spiegele zudem die Intention der Erbauer wider. "Hoch über dem Tal, durch Steilhänge und Graben geschützt, hatten die Römer den Überblick, konnten jede feindliche Bewegung mitbekommen und reagieren", erläuterte Ritzdorf im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Schmidt: "Gut einsehbar sind die in römischer Zeit dicht besiedelte Talniederung von Ahrweiler und die südlich liegenden Gebirgszüge, die ausgiebig bergbaulich genutzt wurden."

Von Letzterem zeugt die Anfang der 60er Jahre von Bonner Studenten ausgegrabene Eisengießersiedlung im Ahrweiler Wald. Diese war so etwas wie die Waffenschmiede der Legionen im Rheinland. Schmidt sieht auch eine Verbindung zwischen der Bunten Kuh und der Landskrone bei Heppingen.

Dort könnten in 7,5 Kilometer Sichtweite ebenfalls Comitatenses stationiert gewesen sein. Klar ist für Schmidt, dass das Militärlager auf der Bunten Kuh für einen dauerhaften Aufenthalt ausgelegt war. Davon zeuge auch "ein offensichtlich befahrbarer Zugangsweg". Ein Aufwand, der nur für eine kleine Gruppe von Soldaten nicht zu rechtfertigen gewesen sei. Schmidt: "Ein durch das Fundmaterial anzunehmendes beheizbares Gebäude lässt auf einen ständigen Aufenthalt schließen."

Dafür, dass sich die Römer auf dem Plateau häuslich eingerichtet hatten, sprechen auch jede Menge kleinerer Funde. So wurden Hunderte von Münzen ausgegraben, die eine eindeutige Datierung zwischen dem späten dritten und dem frühen fünften Jahrhundert zulassen.

Sie werden ebenso wie Gürtelspangen oder auch Ziernadeln, Teile von Pferdegeschirren und auch der Torso einer Götterstatue Bestandteile einer Sonderausstellung sein, mit der sich das Museum Römervilla im kommenden Jahr den erst jetzt bekannt gewordenen Funden widmen will. (Günther Schmitt)