Kreis Ahrweiler

Probelauf mit Batteriezug zur Landesgartenschau 2022

Der Prototyp „Talent 3 BEMU“ fährt mit Batterien, die an den Endstationen an der Oberleitung aufgeladen werden. Er ist um die Hälfte leiser als Dieselzüge.

Der Prototyp „Talent 3 BEMU“ fährt mit Batterien, die an den Endstationen an der Oberleitung aufgeladen werden. Er ist um die Hälfte leiser als Dieselzüge.

KREIS AHRWEILER. Die Elektrifizierung der Ahrtalbahn hat den Ahrweiler Kreistag beschäftigt. Zudem hieß es, dass der Rhein-Ruhr-Express wieder in Oberwinter halten wird, sobald die Umbauten am dortigen Bahnhof abgeschlossen sind.

Einen Sachstandsbericht zur geplanten Elektrifizierung der Ahrtalbahn gab Verbandsdirektor Thorsten Müller vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord) dem Kreistag in seiner jüngsten Sitzung. Den hatte die CDU-Fraktion gefordert, „weil das eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte im Kreis Ahrweiler ist“, so Fraktionschef Karl-Heinz Sundheimer. Deshalb sei er froh über die Aussage des rheinland-pfälzischen Verkehrsministers Volker Wissing (FDP), die Ahrtalbahn zwischen Remagen und Ahrbrück sei mit Priorität zu elektrifizieren.

„Das ist eine wichtige Grundsatzentscheidung und die Voraussetzung für neue Antriebstechnik, mit der die Bahnstrecke noch effizienter bedient werden kann“, war Sundheimer überzeugt. Und SPD-Fraktionschef Christoph Schmitt ergänzte: „Wir unterstützen uneingeschränkt alle Schritte, die zur Ertüchtigung der Ahrtalbahn beitragen. Sei es durch die Elektrifizierung der Strecke oder durch andere Maßnahmen.“

Müller hatte eine gute Nachricht im Gepäck: In absehbarer Zeit werde der Rhein-Ruhr-Express (RRX) wieder am Bahnhof Oberwinter halten, womit wieder jeweils stündlich eine Schnellverbindung in Richtung Köln und Koblenz eingerichtet werden könne. Voraussetzung dafür sei allerdings der ohnehin geplante Umbau des Bahnhofs mit der notwendigen Erhöhung des Bahnsteigs. Wenn alles glatt laufe, könne schon Ende 2020 oder Mitte 2021 der Zug wieder in Oberwinter halten.

Elektrifizierung der Ahrtalbahn

Eine Nachricht, die der Kreistag ebenso mit Freude aufnahm wie Ingo Konrads von der „Initiative Bahnhof Oberwinter“, der als Zuhörer an der Kreistagssitzung teilnahm: „Offensichtlich hat unsere Öffentlichkeitskampagne gegen das Rangieren des RRX in Remagen gefruchtet.“

Der hochmoderne RRX mit seinen energiesparenden, leisen und komfortablen Fahrzeugen wird nach Auskunft von Müller im Kreis Ahrweiler ab Juni 2019 auch die Bahnhöfe Remagen, Sinzig und Bad Breisig ansteuern.

Die Elektrifizierung der Ahrtalbahn könne mit unterschiedlichen Varianten durchgeführt werden, führte Müller weiter aus. So könne die Ahrtalbahn entweder an den Regionalexpress Richtung Wesel angedockt werden oder an die Mittelrheinbahn in Richtung Köln und Bonn.

Letztere Variante werde derzeit vom SPNV Nord bevorzugt, weil die Pendlerströme aus dem Kreis Ahrweiler überwiegend in den Raum Köln-Bonn tendierten. Möglich sei auch eine Einbindung in die Bonner S-Bahn, was besonders viele Vorteile mit sich bringe. Vermutlich werde es eine Kombination aus den drei Möglichkeiten geben.

Batteriebetriebener Zug eine Alternative

Denkbar sei auch eine Alternative in Form eines batteriebetriebenen Zuges, eines sogenannten BEMU, ein Modell des Herstellers Bombardier. Dies sei ein vollwertiger elektrischer Triebzug für den Betrieb auf elektrifizierten Strecken mit zusätzlichen Traktionsbatterien für den Betrieb auf nicht elektrifizierten Abschnitten. Die Batterien hätten eine Reichweite von bis zu 40 Kilometern, was exakt für die Ahrtalbahn mit ihren insgesamt etwa 19 Kilometern Länge passen würde. Landrat Jürgen Pföhler (CDU) schlug vor, einen solchen Batteriezug als Test für die Landesgartenschau 2022 einzusetzen, was Müller als hervorragende Idee ansah und versprach, zumindest eine Probefahrt zu organisieren, um zu sehen, ob dies technisch überhaupt machbar sei.

Schon im Vorfeld der Elektrifizierung der Ahrtalbahn wolle man deren Leistungsfähigkeit verbessern, so Müller weiter. Zwar bringe eine von den Grünen geforderte Wiedererrichtung des zweiten Gleises im Bereich des Haltepunktes Walporzheim derzeit nichts. Doch das „Remagener Loch“ müsse so schnell wie möglich beseitigt werden, wie es die Grünen ebenfalls gefordert hatten. In den 1990er Jahren sei dort das zweite Gleis aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen herausgerissen worden, „Das war töricht und ein Fehler“, gab Müller zu. Noch in diesem Jahr soll die Infrastruktur dort verbessert werden.

Zudem sei eine Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik durch die Einführung eines Elektronischen Stellwerks mit Bedienplatz in Ahrweiler geplant. Der erste Bauabschnitt umfasse den eingleisigen Streckenabschnitt von Walporzheim nach Ahrbrück und könnte ab 2020 starten, sofern die Finanzierung sichergestellt werden könne.

Der zweite Abschnitt für den zweigleisigen Bereich von Remagen nach Walporzheim könnte jedoch frühestens im Jahr 2028 beginnen, goss Müller etwas Wasser in den Wein. Im Zuge des ersten Bauabschnitts seien einige Bahnübergangsmaßnahmen in der Planung. So sollen die beiden Bahnübergänge in Dernau sowie die Bahnübergänge in Altenahr und Kreuzberg mit einer neuen technischen Sicherung ausgestattet werden. Im Zugang zum Bahnsteig in Dernau soll zudem eine Technische Reisendensicherung errichtet werden.