Eifelverein im Ahrkreis

Ortsgruppen vor ihrer Auflösung

Der Gottesdienst und die Wimpel der Eifelvereine gehören am 1. Mai zur Tradition auf dem Dernauer Krausberg, wenn der Dernauer Eifelverein zum fest einlädt.

Der Gottesdienst und die Wimpel der Eifelvereine gehören am 1. Mai zur Tradition auf dem Dernauer Krausberg, wenn der Dernauer Eifelverein zum fest einlädt.

KREIS AHRWEILER. Der demografische Wandel verschont die Eifelvereine nicht. Sie haben das Problem, aktive Vorstände zu finden.

Eine Welle der Begeisterung ging durchs Land, nachdem sich am Pfingstdienstag 1888 auf Initiative des Trierer Gymnasialdirektors und Eifel-Kenners Adolf Dronke in Bad Bertrich der Eifelverein gegründet hatte. Landauf, landab entstanden Ortsgruppen, auch an der Ahr. Konnten einige noch in den vergangenen Jahren 125-jähriges Bestehen feiern, bröckelt derzeit die Front.

So hat sich der Vorstand der 1890 gegründeten Ortsgruppe Bad Neuenahr für die Auflösung der Ortsgruppe entschieden, da sich kein neuer Vorstand mehr fand und eine Fusion mit Ahrweiler nicht zustande gekommen ist. Die Mitglieder sollen heute (Samstag, 11. März) darüber beschließen. Zwar gehören der Ortsgruppe 116 Mitglieder an, aber 100 davon sind im Alter zwischen 75 und 95 Jahren. „Die anderen bringen sich nicht in die Arbeit ein“, bedauert Vorsitzende Anneliese Kley im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Und von den acht derzeitigen Vorstandsmitgliedern sei die Hälfte krank. Jüngere Menschen engagierten sich nicht in einem reinen Wanderverein, sondern eher in Sportvereinen, denkt sie. „Die Jugend braucht uns nicht, die wandern so“, ist der Eindruck der Vorsitzenden.

Einen weiteren Grund für die Schieflage der Ortsgruppe sieht Kley in der Altersstruktur in Bad Neuenahr, wo nach ihrer Erfahrung vor allem ältere Menschen zuziehen. Daher gewinne der Verein zwar neue Mitglieder, aber die seien auch alt.

Der demografische Wandel macht ebenfalls der 1889 gegründeten Ortsgruppe Altenahr zu schaffen, obgleich sie vor wenigen Jahren noch für ihre Jugendarbeit ausgezeichnet worden ist, die gut angenommen wird und Erfolge zeigt. „Die einst Aktiven sind nicht mehr gut zu Fuß, die Gruppe der 50- bis 60-Jährigen fehlt. Damals ist die Werbung um neue Mitglieder versäumt worden“, resümiert Familien-Wartin Sandra Reuter. „Wir wollen aber nicht das Handtuch werfen, sondern etwas tun.“ Das soll bei der Mitgliederversammlung heute (Samstag, 11. März) zur Sprache kommen. Die Mitglieder könnten nicht erwarten, dass nur der Vorstand sich engagiere. Darum sei es ein Ziel der Ortsgruppe, Mitglieder mehr in die Arbeit einzubeziehen und für die Vorstandsarbeit zu gewinnen, damit Aufgaben delegiert werden können. So etwa die Arbeit rund um die Hütte Eifelblick, die bislang vom Vorstand gemacht wurde.

„Es gibt Aufgaben, die könnte jeder übernehmen“, sagt Sandra Reuter und nennt die Organisation rund um die Osternester und die Nikolaustüten für die Kinder. Auch sei es wichtig, neue Wanderführer zu finden.

„Ich sehe nicht schwarz, aber wir müssen was tun. Der Verein gehört zur Heimat dazu, den kann man nicht einfach über Bord werfen“, ist ihre Einstellung. „Ich hoffe, wir können die Mitglieder jetzt wach rütteln.“

In der Ortsgruppe Sinzig scheint die Mitarbeit zu funktionieren. „Für Einzelaktionen sind viele Mitglieder immer ansprechbar“, weiß Renate Herzog, die trotz ihrer 86 Jahre die aktive Ortsgruppe führt. Zwar kennt auch sie den Altersdurchschnitt ihrer 182 Mitglieder „jenseits der Rente“, und Neuzugänge kommen meist kurz vor Beginn des Rentenalters. Wenn auch der engere Vorstand zusammen mit den Beisitzern die Hauptarbeit leistet, findet er immer Mitglieder, die anpacken, wenn es um Organisation von Festen und geselligen Aktivitäten geht, was bei den Sinzigern großgeschrieben werde. Wanderungen würden nicht unbedingt von zertifizierten Wanderführern, sondern auch von interessierten Mitgliedern geführt, wenn die Organisation den Grundsätzen der Ortsgruppe entspräche.

„Junge Rentner“ sind in der Regel auch die Neuzugänge der Ortsgruppe Ahrweiler mit 150 Mitgliedern. Vorsitzender Heinz Ahrendt, selbst Mitte 70, freut sich, dass wenigstens „eine Handvoll“ das Rentenalter noch nicht erreicht hat. „Die meisten bleiben bis zum Tode Mitglied“, sagt er. Als Hauptaufgabe seiner Gruppe sieht er das Wandern und darin auch den Anreiz für Neuzugänge. Planmäßig wird an 75 Terminen im Jahr gewandert. Die Arbeit schultern die fünf Vorstandsmitglieder und 15 Wanderführer. Ahrendt weiß, dass viel zu tun ist, aber auch: „Es macht Spaß.“ Trotzdem ist ihm ein Manko der Ortsgruppe bewusst: „Wir brauchten jemand, der eine Jugendgruppe betreut.“ Und was eine Fusion mit Bad Neuenahr betrifft, sagt er: „Wir sind nicht gefragt worden, wie man die Zukunft gestalten könnte.“ Mathilde Weinandy, die Hauptvorsitzende des Eifelvereins, kennt die Schwierigkeiten einiger Ortsgruppen, Vorstände zu finden. Sie betrachtet das aber nicht als spezifisches Problem des Eifelvereins.

„Auch in anderen Gemeinschaften ist es schwierig, Leute zu finden, die bereit sind, eine Gruppe zu führen und vielleicht Neues zu gestalten“, sagt sie. Andererseits gebe es durchaus Vereine, wo die Nachfolge funktioniere. Das Aus für Bad Neuenahr tut ihr leid. „Eine gute Struktur geht verloren, das ist schade, stellt sie fest. Allerdings habe ein Gespräch mit ihr, den Bad Neuenahrern und Bürgermeister Guido Orthen keine Lösung gebracht. Fazit der Umfrage: Die Probleme sind gleich, ihre Lösung geschieht in den Ortsgruppen durchaus unterschiedlich.