Bäcker-Innung

Nur drei von sechs Azubis haben in Ahrweiler Gesellenbrief bekommen

Lossprechung der Bäcker-Innung: Alexander Zeitler (von links), Günter Witsch,Tobias Lüscher, Jan Bauer, Nico Marks und Rolf Genn bei der Urkundenübergabe in Wehr.

Lossprechung der Bäcker-Innung: Alexander Zeitler (von links), Günter Witsch,Tobias Lüscher, Jan Bauer, Nico Marks und Rolf Genn bei der Urkundenübergabe in Wehr.

KREIS AHRWEILER. Drei junge Männer haben bei der Lossprechungsfeier der Bäcker-Innung des Kreises Ahrweiler ihre Gesellenbriefe entgegengenommen. Der Bäcker-Beruf sei immer weniger gefragt, stellt die Innung mit Bedauern fest.

Sechs junge Männer starteten vor drei Jahren die Ausbildung zum Bäcker, drei von ihnen hielten durch und dürfen sich heute Gesellen nennen. Im Gasthof Zur Linde in Wehr erhielten sie ihre Gesellenbriefe bei der Lossprechungsfeier. Alle drei waren bei ihrer Ausbildung mit Leib und Seele dabei, wie die Prüfungsergebnisse belegen. „Zweimal eine 1B und einmal eine 1A“ nannte Rolf Genn, Obermeister der Bäcker-Innung des Kreises, die Resultate. Die „1A“ hat Jan Bauer erreicht, der sich als Prüfungsbester neben Zeugnis und Gesellenbrief auch noch über eine entsprechende Urkunde der Innung freute. Auch erhielt er den Förderpreis der Sparkassenstiftung.

Obermeister Genn bezeichnete es als „nicht befriedigend, dass es in diesem Jahr nur drei neue Bäckergesellen gibt“. Dass das Handwerk wegen seiner unattraktiven Arbeitszeiten bei jungen Leuten verpönt sei, wurde einmal mehr deutlich. „Aber nicht nur der Bäcker muss für seine Tätigkeit früh aufstehen“, so Genn. Die Ausbildungszahlen im Kreis lassen indes fürs kommende Jahr eine Besserung vermuten, 2020 wird es aber ähnliche Zahlen geben wie in diesem Jahr. „Mal sehen, wo das hinführt“, klang der ansonsten meist optimistisch wirkende Obermeister nachdenklich.

Da half es auch nicht, dass der stellvertretende Vorstand der Kreissparkasse, Günter Witsch, einen positiven Trend bei der bundesweiten Entwicklung der Brotverkaufsstellen im vergangenen Jahr verkündete. Den konnte Genn zwar bestätigen, dennoch schaltet in Deutschland im Schnitt jeden Tag ein Bäckerbetrieb den Ofen für immer aus. Grund: die Discounter.

Verbindung zwischen Kultur und Moderne

Die drei jungen Männer, die jetzt den Gesellenbrief erhalten haben, haben indes alle Möglichkeiten, sofern sie diese denn auch nutzen wollen. „Machen Sie, dass Sie weiterkommen. Aber Erfolg ist freiwillig“, forderte Handwerks-Geschäftsführer Alexander Zeitler die neuen Profis des Bäckerhandwerks auf.

Holger Waldecker aus dem Leitungsteam der Berufsbildenden Schule versuchte, die neuen Gesellen auf ihrem weiteren Weg dahingehend zu lenken, dass „das Bäckerhandwerk nicht den Preiskampf mit den Backautomaten in den Discountläden oder an den Tankstellen bedeuten kann“. Vielmehr gehe es um die Verbindung zwischen Kultur und Moderne. „Der Wandel der Zeit bringt neue Technologien und neue Fertigungsverfahren mit sich, dem müssen sie sich stellen“, so Waldecker. Denn der Beruf bedeute weitaus mehr als die Produkterstellung von der Laugenbrezel bis zum Vielkornbrot oder die Befriedigung der Kundenwünsche in Sachen gesunder Ernährung.

Die Gesellenbriefe der Bäcker-Innung erhielten Jan Bauer aus Bad Neuenahr-Ahrweiler (Ausbildungsbetrieb Rosemarie Degen, Bad Neuenahr-Ahrweiler), Tobias Lüscher aus Niederzissen (Hans-Peter Paulsen, Bad Breisig) und Nico Marks aus Spessart (Manfred Mannebach, Kempenich).