Energie-Mix im Kreis Ahrweiler

Nicht ohne Windkraft

KREIS AHRWEILER. Das Konzept für den Energie-Mix für den Kreis Ahrweiler soll noch 2017 fertig sein. Die Bürgerbefragung zur Zeit wird ausgewertet.

Bis 2030 soll der Strombedarf im Kreis Ahrweiler bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen. Das hat sich der Kreis auf seine Fahnen geschrieben. Kein Fall für Dünnbrettbohrer. „Da müssen alle an einen Tisch und alle mitmachen“, sagt André Schaffrin vom Bundesforschungsprojekt EnAHRgie, das von der EA European Academy in Ahrweiler geleitet wird. 3,3 Millionen Euro gibt der Bund dafür aus, dass am Beispiel des Kreises Ahrweiler ein Gesamtkonzept für eine nachhaltige Landnutzung mit Schwerpunkt auf der Energieversorgung entwickelt wird.

Basis ist eine Bestandsaufnahme, die als Status-quo-Bericht vorliegt. „Das energetische Potenzial im Kreis Ahrweiler ist erheblich“, sagt der promovierte Diplom Sozialwissenschaftler Schaffrin. Jetzt sei es zentrale Aufgabe, Wege zu finden, dieses Potenzial innerhalb der rechtlichen, politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen soweit wie möglich auszuschöpfen. Dies gemeinsam mit Naturschutzverbänden ebenso wie Energieversorgern, Kommunen oder der regionalen Wirtschaft. Runde Tische und Fokusgruppen mit Bürgern sind dazu die Instrumente.

„Zur Theorie muss die Praxis“, findet Schaffrin, denn noch sei der Kreis Ahrweiler, was erneuerbare Energien angehe, Schlusslicht im Land. Deshalb werden im Projekt EnAHRgie Energieszenarien entwickelt, die klären sollen, welchen Mix es zwischen Rhein und Nürburgring überhaupt geben kann und wo was überhaupt möglich ist. Denn Windräder dürfen nicht überall stehen, sind auch nicht überall gern gesehen. Biogasanlagen machen nur auf dem Land Sinn und Photovoltaik funktioniert nur da, wo sie nicht über Monate vom Schnee blockiert wird.

Ein ganz praktisches Instrument, mehr Akzeptanz für die Energiewende im Kreis herzustellen, ist eine Bevölkerungsumfrage, die in den nächsten Wochen ausgewertet wird. 1600 zufällig ausgewählte AW-Bürger haben Fragebögen ausgefüllt, die Aufschluss geben sollen, wie sie sich die Zukunft der Energieversorgung im Kreis vorstellen und wie und ob sie sich darin einbringen wollen. Da geht es um Stadtbild, Landschaft oder um gewünschte Technologien von Biogas bis Wasserkraft.

„Allein 50 Prozent der Energie im Kreis Ahrweiler könnte durch Photovoltaikanlagen produziert werden“, sagt Schaffrin und setzt da auch auf Privathaushalte. Biogasanlagen und Kraft-Wärme-Kopplung wie bei den Ahrtal-Werken oder Holzhackschnitzelanlagen mit Nahwärmenetz seien neben Solaranlagen auf Freiflächen weitere Möglichkeiten. Doch letztlich funktioniere der Mix nicht ohne Windkraft.

Da gelte es, Anlagen wie im Windpark Rieden-Weibern oder wie in der Verbandsgemeinde Adenau geplant im Rahmen von Solidarpakten abzustimmen. Solidarpakte stellen sicher, dass die Einnahmen aus der Windenergie auf alle beteiligten Kommunen aufgeteilt werden. Das könne auch dem „Neidfaktor“ der Kommunen untereinander entgegenwirken. Denn Windräder bringen Geld, wissen die Bürgermeister. Für Schaffrin steht zudem fest: „Bei Windkraft ist das Ahrtal in großen Teilen außen vor.“ Da greift der rechtlich geregelte Schutz des Landschaftsbildes, der auch dem hohen touristischen Stellenwert gerecht wird.

All dies soll wie die Ergebnisse der runden Tische in ein Energiekonzept für den Kreis einfließen, das noch in diesem Jahr vorgelegt werden soll. Das Energiekonzept beinhaltet mehrere Möglichkeiten für die Umsetzung des hehren Ziels des Kreistages nebst Vorschlägen für konkrete Maßnahmen für die künftigen Protagonisten: Denn das können neben Kreis oder Kommunen auch Privateigentümer, Vereine oder Genossenschaften sein. Dafür gilt es laut Schaffrin dicke Bretter zu bohren, ein Wir-Gefühl zu schaffen, rauszukitzeln, was geht und wo sich Investitionen lohnen.