Ein Preis für die Synagoge

Nach sieben Jahrzehnten Zweckentfremdung

Ausstellung in der ehemaligen Synagoge Niederzissen.

Ausstellung in der ehemaligen Synagoge Niederzissen.

Ahrweiler. Die ehemalige Synagoge Niederzissen ist ein Schmuckstück des reichen baukulturellen Erbes von Rheinland-Pfalz und findet sich unter den Preisträgern des Sparkassen Denkmalpreises Rheinland-Pfalz 2015, die eine Jury aus 80 Einreichungen auswählte.

„Mit großem Stolz haben die Ortsgemeinde und der Kultur- und Heimatverein Niederzissen die Auszeichnung entgegengenommen. Ich war persönlich Zeuge im Sommer des Vorjahres bei der Preisverleihung in Schloß Waldthausen in Mainz“, sagte Guido Mombauer, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Ahrweiler. Mit Uwe Wöhlert vom Vorstand der LBS Landesbausparkasse eröffnete er in der KSK-Geschäftsstelle Ahrweiler eine Wanderausstellung der Preisträger. Dazu begrüßte Mombauer im Beisein von Geschäftsstellenleiter Raphael Mondry den Niederzissener Ortsbürgermeister Rolf Hans mit dem Beigeordneten Ralf Doll, Richard Keuler, Vorsitzender des Kultur- und Heimatvereins mit Gisela Reichrath, Norbert Wagner, Fördervereinsvorsitzender ehemalige Synagoge Niederzissen, die Gebietsreferentin der Landesdenkmalpflege, Dr. Katinka Häret-Krug sowie Raymund Pfennig und Beate Elzer-Föhr von der Denkmalpflege des Kreises Ahrweiler.

Unangetastet hat ein Schatz jüdischer Hinterlassenschaften in der 1840/1841 erbauten Dorfsynagoge den Nazi-Terror überstanden. Nach der Zerstörung in der Reichspogromnacht verfiel das jüdische Gebetshaus und wurde als Schmiede zweckentfremdet, bis der Gemeinderat 2009 den Kauf und die Wiederherstellung beschloss. „Es brauchte viele Helfer, um die historische Substanz aus sieben Jahrzehnten Zweckentfremdung herauszuschälen.

Mehr als 1500 Stunden ehrenamtlicher Eigenleistung investierten die Mitglieder des Kulturvereins in die Sanierung“, so Mombauer, der auch die Einrichtung eines jüdischen Museums und der Ausbau zu einer Begegnungsstätte mit vielfältigem Programmangebot als Erfolg der Bemühungen würdigte.

LBS-Vorstandsmitglied Wöhler sprach von einem herausragenden Beispiel gemeinsamer Anstrengungen von privaten Bauherrn, Handwerkern, Architekt und Denkmalpflegern: „Die fachgerechte Erhaltung forderte ein hohes Maß an Besonnenheit und Engagement.“

Seine Freude über die Auszeichnung verknüpfte Ortsbürgermeister Hans mit dem Lob für den Einsatz in der Gemeinde: „Am wertvollsten in Niederzissen sind die 18 Ortsvereine von Sport über Musik bis Brauchpflege“. Was der Kultur- und Heimatverein für den von Land, Dorferneuerung, Denkmalpflege und Stiftung Denkmalschutz geförderten Synagogenerhalt getan habe, „ist schlicht unbezahlbar“, so Hans. „Durch seine Arbeit ist eine Begegnungsstätte Wirklichkeit geworden“. Kritiker, die es auch gegeben habe, verstummten immer mehr. „Wir als Kultur- und Heimatverein fühlen uns sehr geehrt“, erklärte Richard Keuler.

Er versprach das Engagement fortzusetzen und versicherte, „das Preisgeld (2500 Euro in der Kategorie Unbewohntes Denkmal) haben wir gut gebrauchen können“. Die Restaurierungsmaßnahme erläuterte Denkmalgebietsreferentin Häret-Krug, die der Kernsanierung eine hohe Ausführungsqualität attestierte. Die zeige sich in der handwerklichen Leistung. Indem die Umsetzer höchsten Wert auf die Rekonstruktion der Originalzustände legten, „wurde der ursprüngliche Charakter des Gebäudes zuletzt wieder ablesbar“.

Das Spektrum der preisgewürdigten Baudenkmale in der bis 1. März geöffneten Ausstellung reicht vom Fachwerkhäuschen über ein Renaissance-Schlösschen und eine prächtige Jugendstilvilla bis zur ehemaligen Synagoge oder zum prachtvollen gründerzeitlichen Postgebäude.