Integrationsprojekt in Bad Neuenahr

Mit Flüchtlingshilfe zum Fachabitur

Scharf auf Zuckerwatte waren die jungen Gäste von Arian Afri (hinten rechts) . FOTO: GAUSMANN

Scharf auf Zuckerwatte waren die jungen Gäste von Arian Afri (hinten rechts) . FOTO: GAUSMANN

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Arian Arifi hat in seinem selbstständigen Abschlussprojekt für sein Fachabitur erfolgreich versucht, Flüchtlinge und Deutsche zusammenzubringen.

Arian Arifi ist 20 Jahre alt, Deutscher, hier geboren. Sein Vater hat albanische Wurzeln. Der junge Mann will im Sommer sein Fachabitur in der Tasche haben. In seiner Freizeit engagiert er sich unter anderem im Flüchtlingsnetzwerk der Kreisstadt, wo er Deutschkurse gibt. Auf dem Weg zum Fachabi bedurfte es nun eines selbstständigen Abschlussprojekts. Arian plante eine Veranstaltung, die er als Abschlussarbeit dokumentierte und nun auswerten wird. Bei der Wahl des Projekts lag nichts näher, als die Arbeit mit Flüchtlingen heranzuziehen.

Oftmals sind es die Sprache, aber auch die unterschiedliche Kultur, die Hemmschwellen bilden. Gerade bei jungen Menschen aber sollten diese Barrieren doch leicht zu durchbrechen sein, dachte sich Arian Arifi. Er plante einen zwanglosen Nachmittag für Flüchtlinge und Einheimische. Schnell wurden die Probleme klar. „Ich habe einige mögliche Versammlungsorte angefragt, man war zunächst gerne bereit, machte dann aber Rückzieher, als das Thema genannt wurde“, so Arifi.

Auf Ablehnung stieß er bei Hotels oder bei Vereinen, nicht aber bei der Pfarrei St. Laurentius in Ahrweiler. Die stellte die Zehntscheuer zur Verfügung. Um Besucher zu gewinnen, drehte Arian an verschiedenen Stellschrauben. In den sozialen Medien, dort wo sich die Jugendlichen am liebsten tummeln, rührte er ebenso die Werbetrommel, wie bei Unternehmen oder Flüchtlingsorganisationen.

Und dann musste ja auch noch etwas auf den Tisch: Kaffee, Wasser, Kuchen oder Kekse. Arian startete eine Mischung aus Telefonakquise und direkter Ansprache. In neun von zehn Fällen blitzte er ab. Sachspenden oder Geld gab es dennoch für die Veranstaltung. Vor allem Unternehmen, in denen Inhaber oder Mitarbeiter mit Migrationshintergrund zu finden sind, unterstützten das Projekt.

Als sich die Türen zur Zehntscheuer öffneten, wurde schnell klar: Es müssen Stühle und Tische angebaut werden, so groß war der Andrang. Die Aktion wurde zum Erfolg. An den reichlich gedeckten Tischen nahmen vor allem junge Familien Platz. Aus Syrien, Afghanistan, dem Libanon kamen diese. Und aus Deutschland.

Nicht nur Mitglieder des Flüchtlingsnetzwerks waren gekommen, auch andere junge Menschen. „Gerade die Flüchtlinge sind um jede solche Aktion froh, weil es diese Gelegenheiten auch viel zu selten gibt“, freute sich Arian. Bei Kaffee und Kuchen entwickelten sich zahlreiche Gespräche. Wenn es mit der Kommunikation haperte, standen Freunde von Arian bereit, die übersetzten.

In der Hoffnung, zahlreiche Nachahmer zu finden, zieht es ihn nun in die Welt hinaus. Nach dem Fachabitur soll es für ein Jahr in die USA gehen, dann in die Niederlande zum Hotelmanagement-Studium.