Politik trifft Ehrenamt

Malu Dreyer würdigt das Ehrenamt im Kreis Ahrweiler

Eine Station von Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Ahrweiler war das dortige Hospiz.

Eine Station von Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Ahrweiler war das dortige Hospiz.

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Kreis Ahrweiler liegt nicht nur geografisch gesehen ganz oben, sondern auch, was ehrenamtlichen Einsatz angeht. Dieses Engagement war Malu Dreyer am Mittwoch eine siebenstündige Etappe bei ihrer "Im Land daheim-Tour" wert.

Schon vor gut einer Woche weilte Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Kreis Ahrweiler – beim 50. Heimatfest der Johanniterstadt Adenau. Nun kehrte sie am Mittwoch anlässlich ihrer "Im Land Daheim-Tour" an die Ahr zurück. "Ich möchte den Menschen danken, zugleich aber auch erfahren, wo vielleicht der Schuh drückt und Unterstützung notwendig ist", so Dreyer im knallroten Hosenanzug zum Auftakt der zweiten Tour-Etappe. Sie schaute sich zunächst eine Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung an: den 750 Jahre alten Vorzeigeort Insul, in dem das oft propagierte generationenübergreifende Miteinander tatsächlich mit Leben gefüllt wird. Von den Erlebnissen der Holzpuppe "Pinocchio" erfuhr Dreyer beim Blick hinter die Kulissen der Freilichtbühne Schuld ebenso Wissenswertes wie von dem Abenteuer der 50 Laienschauspieler und Helfer, die seit 1948 Jahr für Jahr erfolgreich ein Stück für die ganze Familie auf die Bühne zu bringen.

Die Fahrt von der Eifel durchs Ahrtal mit seinen Weinorten und den steilen Rebhängen voller Trauben endete mit einer Visite in der Kreisstadt. Dort stattete die 58-jährige SPD-Politikerin und frühere Sozialministerin einer Einrichtung einen Besuch ab, der sie höchsten Respekt zollt: dem stationären Hospiz im Ahrtal. Viel Zeit nahm sie sich für das Gespräch mit rund 25 Ehrenamtlichen des Vereins, den Hildegard Schneider kurz vorstellte: 1300 Mitglieder, 90 ehrenamtlich engagierte Frauen und Männer, die im vergangenen Jahr 341 Menschen ambulant begleiteten. "Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass sie am Ende ihres Lebens geborgen und unter Achtung ihrer Würde sterben können. Das wäre ohne das Engagement der Hospiz- und Palliativvereine nicht möglich. Ihre Arbeit ist vorbildlich", sagte die Ministerpräsidentin, die fand, dass der Hospiz-Gedanke in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Beeindruckt hat sie, dass die Hospiz-Begleiter sich gemeinsam als Familie sehen.

Ihre siebenstündige Ehrenamtsreise durch den Kreis Ahrweiler beendete Dreyer am Abend bei einem Bürgergespräch im großen Sitzungssaal des Kreishauses. Zuvor betonte sie beim Pressegespräch, dass der von Wald und Weinbergen geprägte Kreis sich gut entwickelt habe: "Sie haben eine tolle Landschaft, Touristen kommen gerne, auch Menschen aus Nordrhein-Westfalen, die hier ihren Lebensabend verbringen. Auch die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022 ist ein Gewinn."

120 Ehrenamtliche  aus Orten und Vereinen, die exemplarisch für ihren Einsatz fürs Allgemeinwesen stehen,  waren der Einladung der Staatskanzlei gefolgt. Dreyer: "Es war ein toller Tag bei Ihnen. Ihre unersetzbare Freiwilligkeit ist die Wärme und der Kitt, den die Gesellschaft braucht." Zuvor stellte Hausherr Landrat Jürgen Pföhler das Pferd vor, auf das der Kreis seit zwei Jahrzehnten setzt: die mannigfache Unterstützung  des bürgerschaftlichen Engagements durch ein Förderpaket, das in Land und Bund einmalig ist.

Beispiel: Ehrenamts-  und Vereinsförderung mit mehr als 7000 Maßnahmen und einem Zuschuss von fünf Millionen Euro, damit Vereine bauen, sich neue Geräte anschaffen oder sich weiterbilden können. "Das Förderprogramm 'Ländlicher Raum' hat alle Erwartungen übertroffen. Seit 2007 konnten mehr als 200 Projekte mit 650 000 Euro unterstützt werden", so Pföhler. Vor drei Jahren legte der Kreis mit den Kommunen die "Ehrenamtskarte" auf, von der 1400 Karten ausgegeben wurden.  Beim Klimaschutz greife die neue Offensive "Artenreiche Wiese".

Mit Blick auf 1500 Vereine, 2000 Freiwillige Feuerwehrleute, das Rote Kreuz und Technische Hilfswerk sowie soziale Einrichtungen und Selbsthilfegruppen, betonte der Kreischef: "Was Sie alle leisten, kann der Staat nicht leisten, geschweige denn bezahlen. Es kann daher nicht hoch genug geschätzt und anerkannt werden."